Nach außen wirkt bei Ubisoft vieles wie gewohnt: große Marken, ambitionierte Roadmaps, vorsichtig optimistische Statements. Doch rund um Assassin’s Creed Invictus, das geplante Standalone-Multiplayer-Projekt der Reihe, klingt es hinter den Kulissen offenbar deutlich weniger euphorisch.
- Ein Multiplayer-Traum, der intern bröckelt
- Kritik an Stil, Ton und Ausrichtung
- Gegenstimmen mahnen zur Vorsicht
- Ein weiteres Fragezeichen für Ubisofts Zukunft
Ein neues Leak deutet darauf hin, dass ausgerechnet das Team selbst wenig Vertrauen in das Projekt hat – und dass Invictus intern eher als Problemfall denn als Hoffnungsträger wahrgenommen wird.
Ein Multiplayer-Traum, der intern bröckelt
Als Invictus erstmals vorgestellt wurde, klang die Idee verlockend. Ein Assassin’s-Creed-Titel, von Grund auf für Multiplayer gedacht, nicht bloß ein Modus, der an ein klassisches Singleplayer-Spiel angeflanscht wird. Die Serie hatte mit Mehrspielerexperimenten schon Erfahrung, seit Brotherhood gehörte PvP zeitweise fest zur DNA der Marke.
Vier Jahre später ist von dieser Aufbruchsstimmung laut aktuellen Berichten wenig übrig. Der bekannte Leaker und Streamer j0nathan beruft sich auf eine Quelle aus dem Entwicklerteam, die ein ausgesprochen nüchternes Bild zeichnet. Demnach sei im Studio unklar, für wen Invictus eigentlich gedacht sei – und warum es sich spielerisch so weit von dem entfernt, was Assassin’s Creed lange ausgezeichnet hat.
Kritik an Stil, Ton und Ausrichtung
Besonders hart fällt die angebliche interne Kritik am Look des Spiels aus. Die Rede ist von überzeichneten Animationen, cartoonhaften Charakteren und Effekten, die eher an Arena-Action als an lautlose Attentate erinnern. Auch die gemeldeten Kampfarenen stoßen demnach auf Widerstand, weil sie den Fokus von Stealth, Bewegung und Atmosphäre verschieben.
Diese Vorwürfe sind nicht neu. Bereits zuvor hatte j0nathan behauptet, Invictus orientiere sich strukturell an Spielen wie Fall Guys, mit kurzen Knockout-Runden für bis zu 16 Spieler, Parkour-Challenges und einem deutlich kompetitiveren Ansatz. Damals sorgte das für Stirnrunzeln – jetzt passt es plötzlich erschreckend gut zu den neuen Aussagen.
Gegenstimmen mahnen zur Vorsicht
Ganz unwidersprochen bleiben die Vorwürfe allerdings nicht. Branchenjournalist Tom Henderson hat einige der drastischeren Behauptungen zurückgewiesen. Seinen Eindrücken zufolge sah Invictus in früheren Versionen deutlich näher an klassischen Assassin’s-Creed-Spielen aus, wenn auch mit reduzierter technischer Komplexität. Eine komplette Fortnite-Ästhetik hält er für unwahrscheinlich, es sei denn, das Projekt habe sich fundamental verändert.
Gleichzeitig mahnt Henderson zur Vorsicht im Umgang mit anonymen Quellen. Einzelne frustrierte Stimmen seien in langen Entwicklungszyklen keine Seltenheit – gerade bei Projekten, die intern mehrfach neu ausgerichtet werden.
Ein weiteres Fragezeichen für Ubisofts Zukunft
Unabhängig davon trifft das Leak einen empfindlichen Nerv. Ubisoft steht nach mehreren finanziellen Rückschlägen und eingestellten Projekten unter besonderer Beobachtung. Dass ausgerechnet ein Multiplayer-Ableger einer der wichtigsten Marken intern kritisch gesehen wird, stärkt nicht unbedingt das Vertrauen in die strategische Ausrichtung des Publishers.
Offizielle Einblicke in Invictus gibt es weiterhin nicht. Keine Screenshots, keine Gameplay-Demos, keine klaren Ansagen. Solange das so bleibt, bleibt auch Raum für Zweifel – und für die Frage, ob Invictus am Ende tatsächlich ein frischer Neuanfang wird oder ein weiteres Experiment, das an den eigenen Ambitionen scheitert.
Bis Ubisoft selbst die Karten auf den Tisch legt, bleibt Invictus vor allem eines: ein Projekt, über das viel gesprochen wird, ohne dass jemand wirklich weiß, wie es sich anfühlen soll.
Veröffentlicht: 1. Februar 2026 00:00 Uhr