Ubisoft ist holprig ins Jahr gestartet. Nach der Schließung von Ubisoft Halifax, Entlassungen von rund 70 Entwickler:innen und der Streichung mehrerer Projekte – darunter auch das lange erwartete Remake von Prince of Persia: The Sands of Time – kommt nun ein weiteres, weniger greifbares Problem dazu. Die Stimmung innerhalb des Unternehmens scheint auf einem Tiefpunkt angekommen zu sein.
- Zwischen Erschöpfung und Vertrauensverlust
- Bürozwang als stiller Druckfaktor
- Und was ist mit Beyond Good & Evil 2?
Zumindest zeichnet sich dieses Bild laut der französischen Spiele-Gewerkschaft Solidaires Informatique, die gegenüber GamesIndustry.biz davon spricht, dass aktuell „Wut und Verzweiflung“ bei vielen Beschäftigten vorherrschen.
Zwischen Erschöpfung und Vertrauensverlust
Vergangene Woche hatte Solidaires Informatique zu einem eintägigen Streik aufgerufen. Laut einem Bericht von Le Monde folgten diesem Aufruf allerdings nur etwa zehn Personen. Das wirkt auf den ersten Blick ernüchternd, ist laut Gewerkschaft aber kein Zeichen von Zustimmung, sondern eher Ausdruck von Müdigkeit, Unsicherheit und fehlender Perspektive. Weitere Protestaktionen sollen bereits in Planung sein.
Marc Rutschlé, Gewerkschaftsvertreter bei Ubisoft Paris, findet deutliche Worte. Seiner Einschätzung nach habe Ubisoft-CEO Yves Guillemot den Bezug zur eigenen Belegschaft verloren. Während der Sparkurs weiterlaufe und Teams oft unterbesetzt arbeiteten, habe es seit Jahren keine nennenswerten Gehaltserhöhungen gegeben. Auch für dieses Jahr rechne intern kaum jemand mit einer Anpassung. Gleichzeitig entstünden im Zuge der Umstrukturierung neue Führungspositionen mit sehr hohen Gehältern – ein Kontrast, der intern für zusätzliche Frustration sorgt.
Bürozwang als stiller Druckfaktor
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft Ubisofts erneuten Vorstoß, Mitarbeitende wieder dauerhaft ins Büro zurückzuholen. Rutschlé bezeichnet diese Rückkehrpflicht als eine Art „verdeckten Personalabbau“. Die Maßnahme könne gezielt darauf abzielen, Beschäftigte zum freiwilligen Weggang zu bewegen, vor allem jene, deren Lebensumstände sich in den letzten Jahren stark auf Remote-Arbeit eingestellt haben.
In Kombination mit wachsendem Arbeitsdruck, gestrichenen Projekten und fehlenden finanziellen Perspektiven entsteht so ein Klima, das viele als zermürbend beschreiben.
Und was ist mit Beyond Good & Evil 2?
Interessant ist auch, was Ubisoft zuletzt nicht gesagt hat. In der offiziellen Übersicht der eingestellten und verschobenen Projekte tauchte Beyond Good & Evil 2 zwar nicht auf, soll laut Berichten aber ebenfalls nicht zu den jüngst gestrichenen Titeln gehören. Für viele Beobachter:innen bleibt das Projekt dennoch ein Symbol für Ubisofts langjährige strukturelle Probleme – ambitioniert angekündigt, immer wieder verschoben und bis heute ohne klaren Horizont.
Ob und wie Ubisoft das verlorene Vertrauen innerhalb der eigenen Reihen zurückgewinnen kann, bleibt offen. Klar ist nur: Die aktuellen Entscheidungen hinterlassen Spuren, nicht nur in Release-Plänen, sondern vor allem bei den Menschen, die diese Spiele eigentlich machen sollen.
Veröffentlicht: 30. Januar 2026 22:17 Uhr