Ein neuer Bericht von People Make Games wirft ein grelles Licht auf die Hintergründe der Massenkündigungen bei Rockstar Games. Er deutet an, dass interne Diskussionen über Slack-Regeländerungen in einem gewerkschaftlichen Discord-Server der Auslöser gewesen sein könnten. Für ein Studio, das mitten in der Endphase von GRAND THEFT AUTO VI steht, ist das ein bemerkenswert tiefer Einblick in die Dynamik zwischen Belegschaft, Management und Gewerkschaft.
- Ein Discord-Server, ein Policy-Update – und eine Eskalation
- Ein Hinweis ans Management, eine Untersuchung – und 34 Kündigungen
- Gewerkschaftliche Schritte und die Frage nach Interim Relief
Ein Discord-Server, ein Policy-Update – und eine Eskalation
Laut dem Bericht existiert der betreffende Discord-Server seit 2022 und war ausschließlich für verifizierte Rockstar-Mitarbeiter*innen und Mitglieder der IWGB zugänglich. Die Diskussion entflammte, als Rockstar am 6. Oktober plötzlich mehrere nicht arbeitsrelevante Slack-Kanäle entfernte – Haustiere, Gaming, Filme, Kunst. Offiziell hieß es, diese Channels seien ein „Ablenkungsfaktor“ und teilweise „schlechtes Verhalten“.
Die Stimmung kippte schnell. Im Discord hinterfragten Mitarbeiter*innen die Entscheidung offen, manche sprachen von einem unnötigen Schlag gegen den Teamgeist. Gleichzeitig verschärfte das Management die Slack-Regeln ein zweites Mal, diesmal mit einem Verbot von Emotes in Statusnachrichten. Eine der Mails dazu wurde außerhalb der Arbeitszeiten verschickt, was problematisch war: Viele Angestellte können ihre Arbeitsmails nur im Büro lesen. Also landeten die neuen Richtlinien – wortwörtlich abgeschrieben – im Discord.
Ein Hinweis ans Management, eine Untersuchung – und 34 Kündigungen
People Make Games zufolge wandte sich schließlich ein Mitglied des Discord-Servers an das Management und äußerte Sorgen darüber, dass interne Informationen dort geteilt würden. Kurz darauf soll eine Untersuchung begonnen haben. Rockstar begründete die anschließenden 34 Kündigungen damit, dass Angestellte „vertrauliche Informationen in einem öffentlichen Forum“ geteilt hätten.
Die IWGB widerspricht dieser Darstellung deutlich. Für sie ist der Discord nicht öffentlich, sondern ein rechtlich geschützter Raum gewerkschaftlicher Organisation. Präsident Alex Marshall sagt im Bericht, dass es völlig normal sei, Arbeitsbedingungen zu diskutieren – egal ob es um Boni, neue Policies oder interne Kommunikation geht.
Gewerkschaftliche Schritte und die Frage nach Interim Relief
Die IWGB hat zwei Klagen eingereicht und kämpft derzeit dafür, dass die Betroffenen zumindest vorläufig wieder eingestellt werden oder weitergezahlt bekommen. Diese sogenannte „interim relief“-Regelung ist selten und wird nur gewährt, wenn die Chancen im Hauptverfahren besonders hoch eingeschätzt werden. Dass die Gewerkschaft sich hier auf dieses Mittel beruft, zeigt, wie ernst sie diesen Fall einschätzt.
Die Lage ist damit noch lange nicht geklärt. Zwischen Arbeitsrecht, gewerkschaftlicher Organisation und einer Studiokultur, die laut bisherigen Berichten zunehmend von Angst geprägt ist, steht Rockstar nun unter genauer Beobachtung. Wie sich das Verfahren entwickelt, könnte weit über diesen einzelnen Fall hinaus Einfluss darauf haben, wie Entwicklerstudios künftig mit internen Foren, Transparenz und Gewerkschaftsarbeit umgehen.
Veröffentlicht: 2. Dezember 2025 02:42 Uhr