Beyond Good & Evil
via ubisoft.com

Beyond Good & Evil 2 überlebt Ubisofts Umbruch

Inmitten von Entlassungen, Projektstreichungen und einem spürbaren Strategiewechsel bei Ubisoft gibt es ein Spiel, das weiteratmen darf. Beyond Good & Evil 2 hat die jüngste Welle an Absagen überstanden – und das ist in diesem Umfeld alles andere als selbstverständlich.

Inhaltsverzeichnis
  1. Ein Spiel mit langer Erinnerung
  2. Neue Jobs, alte Geduld
  3. Sicherheit mit Beigeschmack

Creative Director Fawzi Mesmar meldete sich nach Bekanntwerden der internen Umstrukturierungen selbst auf LinkedIn zu Wort. Sein Tonfall schwankte zwischen Erleichterung und Nachdenklichkeit. Das Projekt und das Team seien weitgehend unbeeinträchtigt, schrieb er, man arbeite weiter fokussiert daran, ein Spiel abzuliefern, das dem Anspruch der Spieler:innen gerecht wird. Gleichzeitig bedankte er sich bei all jenen, die sich nach den zahlreichen Ubisoft-Streichungen bei ihm gemeldet hatten – ein leiser Hinweis darauf, wie angespannt die Lage selbst für die “Überlebenden” gerade ist.

Ein paar Tage zuvor hatte Ubisoft öffentlich gemacht, welche Marken im neuen Geschäftsplan weitergeführt werden. Beyond Good & Evil zählt zu den 23 verbleibenden Franchises und ist künftig einer der sogenannten Creative Houses zugeordnet, konkret dem Bereich für immersive Fantasy-Welten und erzählerisch getriebene Universen. Für ein Projekt, das seit Jahren irgendwo zwischen Mythos und Hoffnungsschimmer schwebt, ist das fast schon eine Art institutionelle Absicherung.

Ein Spiel mit langer Erinnerung

Dass Beyond Good & Evil überhaupt noch existiert, ist historisch betrachtet schon bemerkenswert. Das Original erschien 2003, wurde von der Presse wohlwollend aufgenommen und verkaufte sich trotzdem enttäuschend. Jade, investigative Kameraarbeit, Stealth, Plattforming und eine ungewöhnlich politische Geschichte – all das war seiner Zeit voraus und gleichzeitig schwer zu vermarkten.

Die Ankündigung eines Prequels folgte 2008. Danach wurde es lange still, bis Ubisoft 2017 auf der E3 endlich wieder Lebenszeichen sendete. Seitdem ist Beyond Good & Evil 2 zu einem der langlebigsten Entwicklungsprojekte der Branche geworden – und zu einem Symbol für alles, was bei großen Publishern schiefgehen, aber eben auch weitergetragen werden kann.

Neue Jobs, alte Geduld

Noch im November hatte Ubisoft neue Stellen am Standort Montpellier ausgeschrieben, darunter Rollen wie Lead Quest Designer, Senior 3D Character Artist oder Technical Lead Network Programmer. Zwischen den Zeilen klang dabei an, dass Multiplayer-Elemente eine Rolle spielen könnten, auch wenn das Spiel weiterhin als primär Singleplayer-getrieben gilt. Für Beobachter:innen war das ein seltenes, aber wichtiges Signal: Hier wird nicht nur verwaltet, sondern weiter aufgebaut.

Umso härter wirkt der Kontrast zur Realität außerhalb dieses Projekts. Sechs andere Spiele wurden gestrichen, ganze Teams verloren ihre Arbeit. Mesmar machte keinen Versuch, diese Diskrepanz kleinzureden. Stattdessen rief er dazu auf, Kolleg:innen zu unterstützen, wo immer es möglich sei – ein Satz, der mehr sagt als jede PR-Floskel.

Sicherheit mit Beigeschmack

Ubisofts Börsenkurs reagierte brutal auf den Umbruch. Ein massiver Einbruch, ein Tiefstand wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dass Beyond Good & Evil 2 in diesem Klima als “sicher” gilt, ist kein Freifahrtschein, sondern eher ein vorsichtiges Weitergehen auf unsicherem Boden.

Für Fans bleibt vorerst nur eines: Geduld. Wieder einmal. Aber nach all den Jahren ist schon diese Nachricht ein kleines Lebenszeichen – und in der aktuellen Ubisoft-Landschaft fast schon eine Ausnahme.


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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️