Bluepoint Games schließt – Sony beerdigt sein bestes Remake-Studio

Es ist offiziell: Bluepoint Games, das Studio hinter den gefeierten Remakes von Demon’s Souls und Shadow of the Colossus, schließt im März 2026 endgültig seine Türen.

Inhaltsverzeichnis
  1. 20 Jahre Handwerk, zwei Jahre Stillstand
  2. Bloodborne abgelehnt, Pitches gescheitert
  3. Das Muster wiederholt sich
  4. Was bleibt?

Rund 70 Mitarbeitende verlieren ihre Stellen. Die Schließung folgt auf ein abgebrochenes God-of-War-Live-Service-Projekt und mehrere abgelehnte Pitches – darunter angeblich ein Bloodborne-Remake.

Auf einen Blick

  • Bluepoint Games wird im März 2026 geschlossen
  • Rund 70 Mitarbeitende betroffen
  • Sony erwarb das Studio 2021 nach dem Demon’s Souls Remake
  • Ein Live-Service-God-of-War-Projekt wurde im Januar 2025 gestrichen
  • Berichten zufolge lehnte FromSoftware ein Bloodborne-Remake durch Bluepoint ab

20 Jahre Handwerk, zwei Jahre Stillstand

Bluepoint wurde 2006 gegründet und baute sich einen Ruf als Gold-Standard für Remakes und Remasters auf. God of War, Uncharted: The Nathan Drake Collection, Shadow of the Colossus, Demon’s Souls – die Liste liest sich wie ein PlayStation-Geschichtsbuch.

Sony kaufte das Studio im September 2021, kurz nach dem Erfolg des Demon’s Souls Remakes, das als PS5-Launchtitel über 1,4 Millionen Exemplare verkaufte.

Danach wurde es still. Bluepoint arbeitete als Support-Studio an God of War Ragnarök. Dann kam der Auftrag für ein Live-Service-Spiel im God-of-War-Universum.

Das Projekt startete 2022 – und wurde im Januar 2025 gestrichen, Teil von Sonys Rückzug aus der Live-Service-Strategie nach dem Concord-Desaster.

Bloodborne abgelehnt, Pitches gescheitert

Nach der Absage versuchte Bluepoint, neue Projekte intern zu platzieren. Berichten zufolge gehörte dazu auch ein Bloodborne-Remake. FromSoftware soll den Vorschlag abgelehnt haben – angeblich zeigte sich Hidetaka Miyazakis Team nicht beeindruckt vom Demon’s Souls Remake.

Weitere Pitches für Singleplayer-Projekte fanden ebenfalls kein Greenlight. Ohne laufendes Projekt hatte Bluepoint keine Existenzberechtigung in Sonys Portfolio.

Hermen Hulst, CEO der Sony Interactive Entertainment Studio Business Group, kommunizierte die Entscheidung in einer internen E-Mail: „Bluepoint ist ein unglaublich talentiertes Team und ihre technische Expertise hat außergewöhnliche Erlebnisse für die PlayStation-Community geliefert.”

Im selben Absatz sprach er von einem „zunehmend herausfordernden Branchenumfeld” mit steigenden Entwicklungskosten und verändertem Spielerverhalten.

Das Muster wiederholt sich

Bluepoint reiht sich in eine Liste geschlossener PlayStation-Studios ein: London Studio, Neon Koi, Firewalk Studios. Alle fielen dem Strategiewechsel zum Opfer, der nach Concords Scheitern einsetzte. Sony hatte 2022 zwölf Live-Service-Titel angekündigt – acht davon wurden gestrichen, bevor sie je erschienen.

Die Ironie: Sonys Gaming-Sparte meldete zuletzt einen Gewinnanstieg von 19 %. Die Schließungen geschehen nicht aus finanzieller Not, sondern aus strategischer Neuausrichtung. Sony will weniger Studios, dafür fokussierter. Bluepoint war Kollateralschaden.

Was bleibt?

Rund 70 Entwicklerinnen und Entwickler suchen nun neue Stellen. Sony hat angekündigt, intern Möglichkeiten zu prüfen. Die Frage, wer künftig PlayStation-Remakes in Bluepoints Qualität liefert, bleibt offen. Das Unternehmen hat gerade sein bestes Werkzeug für Legacy-IP verloren, in einer Branche, die Remakes so liebt wie nie zuvor.

Sony hat ein Studio geschlossen, das besser war, als es ihm zugestand. Bluepoint konnte Remakes machen wie kein anderes Team. Dafür brauchte es nur eins: Remakes machen dürfen. Stattdessen bekam es ein Live-Service-Projekt, eine Absage und ein Kündigungsschreiben.

Ein Hollywood-Drehbuchautor würde sagen: Das war der dritte Akt. Bluepoint hätte den Film verdient.


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Ben Touati
Gaming Nerd
Ben Touati schreibt über Games, Filme und die große, weite Welt der Popkultur – mit einem Blick, der zwischen analytischem Tiefgang und nerdiger Begeisterung pendelt. Sein Background in Linguistik verleiht ihm ein feines Gespür für Sprache, Struktur und die kleinen Nuancen, die große Geschichten tragen. Ob Aktuelles aus der Gaming-Welt, neue Trends oder Arnold Schwarzeneggers Englisch: Ben liefert Einordnungen mit Substanz – immer durchzogen von geekigen Referenzen, filmreifen Metaphern und dem leisen Verdacht, dass das alles irgendwie mit Buffy the Vampire Slayer und Watchmen zu tun hat.