Die Nominierungen für die Game Awards sind raus, und der erste Blick verrät sofort, wie sich dieses Gaming-Jahr angefühlt hat. Wild, kreativ, überfrachtet – und von einigen Studio-Schwergewichten genauso geprägt wie von kleinen Teams, die plötzlich im Rampenlicht stehen. Ganz vorne mit dabei: Clair Obscur: Expedition 33, das Debüt von Sandfall Interactive, das gleich zwölfmal gelistet wird und damit die Show anführt.
- Ein Jahr der starken Signaturen
- Eine Jury, die viel Gewicht trägt – und eine Show, die selbst im Wandel steckt
- Große Namen, große Erwartungen
- Ein Abend, der mehr verspricht als nur Awards
Ein Jahr der starken Signaturen
Clair Obscur landet nicht nur in den offensichtlichen Kategorien wie Game of the Year oder Best Narrative, sondern taucht auch dreimal in der Kategorie Best Performance auf. Ein großes Zeichen dafür, wie viel Gewicht dieses Debütspiel getragen hat und wie heftig es innerhalb der Branche eingeschlagen ist. Death Stranding 2 und Ghost of Yōtei stehen mit jeweils sieben Nominierungen dahinter. Das bestätigt vor allem: Sony hat in diesem Jahr zwei extrem stilprägende Produktionen im Rennen, die beide als Favoriten gehandelt werden.
Spannend ist auch, wer im Indie-Bereich dominiert. Hades II und Hollow Knight: Silksong gehören ohnehin seit Jahren zu den meist erwarteten Fortsetzungen überhaupt, aber die Tatsache, dass beide hier neben Clair Obscur um den Hauptpreis kämpfen, spricht Bände über die Qualität im Independent-Segment. Ball x Pit, Blue Prince oder Absolum stehen zwar nicht auf den ganz großen Brettern, aber sie ziehen deutlich mehr Aufmerksamkeit als noch vor ein paar Monaten.
Eine Jury, die viel Gewicht trägt – und eine Show, die selbst im Wandel steckt
Über 160 Medienhäuser weltweit haben über die Finalisten entschieden, dazu Fachjurys für Accessibility oder Esports. Die Community hat im finalen Voting nur ein kleines Gewicht. Jedes Jahr diskutiert die Community fleißig darüber. Verändert hat sich daran bisher allerdings nichts, die Game Awards bleiben ein Jury-getriebenes Event.
Dazu kommt die Debatte rund um das Future Class-Programm, das stillschweigend von der Website verschwunden ist. Gerade für viele junge Talente war es ein Türöffner, ein „Du gehörst dazu“-Moment. Dass es nun weg ist, wirft Fragen auf, wie divers, wie zukunftsorientiert oder wie offen die Show künftig tatsächlich sein will.
Große Namen, große Erwartungen
Auffällig ist dieses Jahr, wie eng der Kampf um mehrere Hauptkategorien sein könnte. Hades II wirkt wie der Community-Liebling. Death Stranding 2 eher wie der ästhetisch wuchtige Gegenpol. Clair Obscur sitzt irgendwo dazwischen – ein Überraschungserfolg mit so viel Nominierungsbreite, dass kaum jemand heute eine klare Prognose abgeben möchte.
Auch die Most Anticipated-Kategorie liest sich wie ein Blick durchs Fenster in die nächsten zwei bis drei Jahre Gaming-Kultur. GTA VI, Wolverine, The Witcher IV – und dazwischen ein neues Bond-Spiel. Das Line-up fühlt sich an wie die Startseite eines Trailers-Subreddits, in dem jede Woche ein neuer Blockbuster angekündigt wird.
Ein Abend, der mehr verspricht als nur Awards
Am 11. Dezember wird klar werden, ob Clair Obscur seine Dominanz wirklich in Trophäen verwandeln kann oder ob Kojima Productions, Team Cherry oder Supergiant die Bühne für sich beanspruchen. Klar ist aber jetzt schon: Die Game Awards spiegeln dieses Jahr eine Branche, die gleichzeitig in Bewegung, im Aufbruch und im Ausnahmezustand steckt. Genau das macht die Show so spannend wie selten zuvor.
Veröffentlicht: 24. November 2025 03:20 Uhr