In einem seltenen Interview mit Lex Fridman sprach Rockstar-Co-Founder Dan Houser offen über eines der legendärsten nie erschienenen Spiele der Branche – Agent. Der exklusive PlayStation-Titel wurde 2009 angekündigt, verschwand jedoch kurz darauf in der Versenkung. Nun verrät Houser, warum das Projekt nie funktionierte – und warum das Problem tiefer im Genre liegt als viele denken.
- „Fünf Anläufe – und keiner hat funktioniert“
- Zwischen Filmtempo und Sandbox-Freiheit
- Das Erbe eines Geisterprojekts
„Fünf Anläufe – und keiner hat funktioniert“
Houser erzählte, dass Agent während der Entwicklung mehrere komplette Richtungswechsel durchlief. „Wir hatten ungefähr fünf verschiedene Versionen“, sagt er. „Eine spielte während des Kalten Krieges in den 70ern, eine war modern. Aber keine kam so weit, dass wir überhaupt eine richtige Story schreiben konnten.“
Der Grund: Das Konzept eines Spionagethrillers lasse sich nur schwer mit der Offenheit eines Sandbox-Spiels vereinbaren. „Ich frage mich manchmal, ob man überhaupt ein gutes Open-World-Spionagespiel machen kann“, so Houser. „Diese Filme leben von Tempo, Spannung, dem Gefühl, ständig unter Druck zu stehen. In einem Open-World-Spiel verläuft das meiste viel lockerer. Man erkundet, experimentiert, macht einfach sein Ding – und das bricht die ganze Dynamik.“
Zwischen Filmtempo und Sandbox-Freiheit
Was als Hommage an klassische Agentenfilme gedacht war, zerfiel laut Houser an genau diesem Widerspruch. „Ein Film hat Beats – du rettest die Welt, du jagst den Bösewicht, du folgst einer klaren Linie. Aber ein Open-World-Spiel funktioniert anders. Die Freiheit, jederzeit abzuschweifen, widerspricht dem Kern einer Spionagegeschichte, die von Druck und Kontrolle lebt.“
Der Gedanke lässt ihn bis heute nicht los. „Ich liege manchmal nachts im Bett und denke darüber nach. Ich glaube, das Genre funktioniert als Film großartig, aber als Spiel… vielleicht gar nicht.“
Das Erbe eines Geisterprojekts
Agent wurde erstmals 2007 erwähnt, als Sony einen Exklusivtitel mit Rockstar ankündigte. 2009 folgte die offizielle Vorstellung – danach wurde es still. Das Projekt wurde nie veröffentlicht, und 2018 lief das Markenzeichen schließlich aus.
Houser, der Rockstar 2020 verließ und inzwischen sein neues Unternehmen Absurd Ventures gegründet hat, scheint mit dem Kapitel abgeschlossen zu haben – aber nicht mit der Frage, ob das Konzept eines offenen Agentenabenteuers jemals funktionieren könnte. Vielleicht, so klingt es, beschäftigt ihn Agent noch immer mehr als jedes Spiel, das er je veröffentlicht hat.
Veröffentlicht: 5. November 2025 22:43 Uhr