Italiens Kartellbehörde AGCM hat am 19. Januar 2026 zwei Untersuchungen gegen Activision Blizzard eingeleitet. Im Fokus: die Monetarisierung von Diablo Immortal und Call of Duty Mobile.
- Wenn FOMO zur Methode wird
- Dark Patterns, jetzt offiziell
- Europa im Aggro-Radius
- Endboss ohne Ausweichrolle
Die Behörde wirft dem Unternehmen „irreführende und aggressive“ Praktiken vor, darunter Zeitdruck-Angebote, FOMO-Botschaften, verschleierte virtuelle Währungen und mangelhafte Kindersicherung.
Die Ermittlungen könnten saftige Strafen nach sich ziehen und den Umgang mit Mikrotransaktionen in Europa grundlegend verändern.
Auf einen Blick
- Die AGCM untersucht, ob Activision Blizzard in Diablo Immortal und Call of Duty Mobile gegen italienisches Verbraucherschutzrecht verstößt.
- Vorwürfe: „irreführende und aggressive“ Monetarisierung mit FOMO-Mechaniken, Zeitdruck-Angeboten und verschleierten virtuellen Währungen.
- Kritisiert werden schwache Standard-Einstellungen bei der Kindersicherung sowie verpflichtende umfassende Datenfreigabe.
Wenn FOMO zur Methode wird
Dass Mobile-Spiele zu monetären Fallstricken werden können, ist bekannt. Nun greift die italienische Wettbewerbsbehörde ein. Die AGCM prüft, ob Activision Blizzard mit seinen Mobile-Titeln gegen geltendes Verbraucherschutzrecht verstößt.
Untersucht werden unter anderem In-App-Botschaften und Push-Benachrichtigungen, die gezielt Kaufdruck erzeugen, zeitlich limitierte Angebote zur Verstärkung von FOMO sowie Benutzeroberflächen, die den tatsächlichen Wert virtueller Währungen verschleiern. Diese Mechaniken könnten insbesondere Minderjährige zu unkontrollierten Ausgaben verleiten.
Zusätzlich kritisiert die AGCM mangelhafte Standard-Kindersicherungen. Statt restriktiver Voreinstellungen müssen Eltern aktiv Eingriffe vornehmen, um Ausgaben zu begrenzen. Auch die verpflichtende Zustimmung zu umfangreicher Datenverarbeitung, inklusive kommerziellem Profiling, steht im Fokus.
Zudem prüft die Behörde Fälle gesperrter Accounts, bei denen bereits investiertes Geld verloren geht.
Dark Patterns, jetzt offiziell
Der Vorstoß aus Italien reiht sich in eine wachsende internationale Debatte ein. Weltweit geraten Lootboxen und manipulative Interface-Designs unter regulatorischen Druck. Die AGCM formuliert ihre Kritik besonders deutlich und verweist explizit auf psychologisch wirksame Gestaltungsmuster.
Verbraucherorganisationen begrüßen den Schritt, während viele Spieler seit Jahren mehr Transparenz und fairere Preisstrukturen fordern.
Activision Blizzard verweist bislang darauf, dass es sich um Vorprüfungen handelt. Das Unternehmen betont, bereits Anpassungen vorgenommen zu haben, etwa durch Offenlegung von Drop-Chancen.
Sollten die Vorwürfe jedoch bestätigt werden, könnten Geldstrafen und verpflichtende Änderungen folgen, von klareren Kostenangaben bis hin zu strengeren Alterskontrollen.
Europa im Aggro-Radius
Ein Abschluss der Untersuchungen dürfte Monate dauern, doch das Signal ist bereits gesetzt. Wenn ein Branchenriese wie Activision Blizzard wegen seiner Monetarisierungsstrategien ins Visier gerät, könnte das Auswirkungen weit über Italien hinaus haben. Der Fall könnte als Blaupause für weitere europäische Verfahren dienen.
Parallel wächst der Unmut in der Community. Viele Spieler fordern eine klare Trennung zwischen Spielmechanik und Kaufdruck. Sollte die regulatorische Schraube weiter angezogen werden, müssten Publisher ihre Geschäftsmodelle anpassen – oder riskieren, einzelne Märkte zu verlieren.
Endboss ohne Ausweichrolle
In Diablo Immortal hilft oft ein gut getimtes Ausweichen. Gegen diesen Gegner funktioniert das nicht. Ob Bußgelder oder verpflichtende Design-Änderungen folgen, ist offen.
Sicher ist nur: Wenn Monetarisierung zur Falle wird, steht irgendwann kein Loot mehr am Ende – sondern ein Aktenordner in Rom.
Veröffentlicht: 30. Januar 2026 12:48 Uhr