Man kennt inzwischen leider das Muster: Ein Montag, eine knappe interne Mail, und plötzlich stehen talentierte Menschen ohne Team da. Diesmal hat es erneut Eidos-Montréal erwischt. Mindestens zwölf Mitarbeitende müssen gehen – bestätigt durch einen LinkedIn-Post von Presentation Director Timothé Lapetite, der seinen Kolleg*innen öffentlich Referenzen aussprach. Sein Kommentar dazu: ein resigniertes „gestures at everything“, das die Lage der Branche gerade ziemlich gut zusammenfasst.
Ein Studio im Dauer-Stresstest
Die neuen Kündigungen stehen nicht für sich allein. Bereits im Frühjahr wurden 75 Stellen gestrichen, Anfang letzten Jahres waren es 97. Seit Embracer die Kontrolle übernommen hat, schwebt über Eidos-Montréal permanent die Frage, wie viel Stabilität überhaupt noch da ist. Und während Projekte weiterlaufen, schrumpfen die Teams sichtbar.
Derzeit unterstützt Eidos-Montréal zwei große Xbox-Projekte: Obsidian bei Grounded 2 und Playground Games bei Fable. Beides massive Produktionen, bei denen man eigentlich jedes Paar Hände brauchen könnte. Gleichzeitig fehlt dem Studio offenbar die Kapazität, Mitarbeitende aus gestrichenen Rollen intern aufzufangen – ein Satz, der schon beim letzten Entlassungsrutsch fiel und das Grundproblem offenlegt: Die Ressourcen sind einfach nicht da.
Zwischen Prestige und Unsicherheit
Eidos-Montréal war einmal das Studio, das mit Guardians of the Galaxy zeigte, wie stark erzählerische Singleplayer-Games noch sein können. Und trotzdem steckt das Team seit Jahren in einer Kette aus Umstrukturierungen, abgesagten Projekten und Sparmaßnahmen. Bloomberg berichtete bereits Anfang letzten Jahres, dass ein neues Deus-Ex-Projekt eingestampft wurde – zusammen mit fast hundert Stellen.
Nun also die nächste Runde. Zwölf Menschen weniger in einem Studio, das ohnehin mit angezogener Handbremse fährt. Für Außenstehende ist es ein weiterer Beleg, wie sehr große Entwickler im Moment unter der wirtschaftlichen Schieflage leiden. Für die Betroffenen ist es das Ende eines Kapitels, das so sicher wirkte, bis es plötzlich keines mehr war.
Bleibt die Frage, wie viel Substanz am Ende übrig bleibt, wenn ein Studio wiederholt ausgedünnt wird – und wie man in dieser Form langfristig Geschichten erzählen will, für die Eidos-Montréal eigentlich bekannt ist.
Veröffentlicht: 8. Dezember 2025 23:34 Uhr