Nach über zwei Jahrzehnten bei Ubisoft endet die Karriere von Marc-Alexis Côté nicht leise, sondern vor Gericht. Der frühere Vice President und Executive Producer der Assassin’s Creed-Reihe verklagt seinen langjährigen Arbeitgeber in Québec auf umgerechnet rund 1,3 Millionen kanadische Dollar. Der Vorwurf: konstruktive Kündigung – also ein Arbeitsumfeld, das faktisch keine andere Wahl ließ als zu gehen.
- Vantage Studios als Wendepunkt
- Abstieg statt Weiterentwicklung
- Streit um Darstellung und Abfindung
- Ein Fall mit Signalwirkung
Côté hatte Ubisoft Ende des vergangenen Jahres verlassen, kurz nachdem der Publisher seine neue Konzernstruktur rund um sogenannte „Creative Houses“ vorgestellt hatte. Öffentlich hieß es damals, er habe sich freiwillig für einen neuen Weg entschieden. Genau das stellt Côté nun entschieden infrage.
Vantage Studios als Wendepunkt
Im Zentrum der Klage steht die Gründung von Vantage Studios. Die neue Einheit soll Ubisofts größte Marken bündeln und strategisch führen, darunter Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Mit der Umstrukturierung ging auch ein massiver finanzieller Schritt einher: Der chinesische Konzern Tencent investierte rund 1,3 Milliarden US-Dollar in Vantage.
Die operative Führung übernahmen schließlich Christophe Derennes und Charlie Guillemot, der Sohn von Ubisoft-CEO Yves Guillemot. Laut Berichten von Radio-Canada verlor Côté im Zuge dieser Neuordnung schrittweise Einfluss und Verantwortung.
Abstieg statt Weiterentwicklung
Besonders brisant: Ubisoft soll intern eine neue Position als „Head of Franchise“ für genau jene Marken ausgeschrieben haben, die Côté jahrelang verantwortete. Obwohl das Aufgabenprofil große Überschneidungen mit seiner bisherigen Rolle hatte, soll seine Bewerbung abgelehnt worden sein – angeblich, weil der Job in Frankreich angesiedelt war und nicht in Kanada.
Stattdessen habe man ihm laut Klage entweder eine deutlich nachrangigere Rolle als Head of Production unterhalb dieser Position angeboten oder die Leitung eines anderen Creative Houses mit geringerem Gewicht. Für Côté, der sechs Jahre lang die Assassin’s-Creed-Reihe geführt hatte und zuvor als Creative Director und Game Director tätig war, sei das einer Degradierung gleichgekommen.
Streit um Darstellung und Abfindung
Nach einer Bedenkzeit von zwei Wochen forderte Côté offenbar eine Abfindung. Ubisoft kommunizierte jedoch öffentlich, er habe sich „für einen neuen Weg außerhalb des Unternehmens entschieden“. Genau diese Darstellung ist nun Teil der Klage. Côté argumentiert, Ubisoft habe so versucht, sowohl eine Abfindung zu umgehen als auch seine vertraglichen Wettbewerbsverbote aufrechtzuerhalten.
In einem späteren LinkedIn-Post wurde er ungewöhnlich deutlich. Viele hätten sich gewundert, warum er Assassin’s Creed verlassen habe, schrieb er. Die Antwort sei simpel: Er habe diese Entscheidung nicht selbst getroffen. Ubisoft habe die Führung der Marke neu vergeben und ihm eine Rolle angeboten, die weder Umfang noch Mandat seiner bisherigen Arbeit entsprach.
Ein Fall mit Signalwirkung
Der Rechtsstreit reiht sich ein in eine Phase tiefgreifender Umbrüche bei Ubisoft – von Umstrukturierungen über Studio-Schließungen bis hin zu Personalabbau. Ob das Gericht Côtés Darstellung folgt, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon jetzt: Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie Machtverschiebungen in großen Publisher-Strukturen verlaufen – und welchen Preis langjährige Führungskräfte zahlen können, wenn sich strategische Prioritäten ändern.
Ex-Assassin’s-Creed-Chef Marc-Alexis Côté verklagt Ubisoft wegen erzwungenem Abgang und fordert Schadensersatz.
Veröffentlicht: 21. Januar 2026 03:37 Uhr