Mit der zweiten Staffel der Fallout-Serie rückt ausgerechnet New Vegas in den Mittelpunkt – jener Ort, der für viele Fans bis heute als emotionaler Kern der gesamten Reihe gilt. Für John Gonzalez, Lead Writer von Fallout: New Vegas, ist das allerdings ein bittersüßer Moment. In einem Interview mit PC Gamer spricht er offen darüber, wie es sich anfühlt, Figuren und Ideen aus seiner Arbeit in einer neuen Medienform wiederzusehen – ohne dafür genannt oder entlohnt zu werden.
- „Sehr seltsam“, die eigenen Figuren wiederzusehen
- Keine Credits, keine Residuals, kein Anspruch
- Der Vergleich mit der Comic-Geschichte
- Ein Spiel mit ungewöhnlicher Langlebigkeit
„Sehr seltsam“, die eigenen Figuren wiederzusehen
Gonzalez erklärt, dass er die erste Staffel der Serie durchaus mochte und gespannt verfolgt, wohin sich das Projekt entwickelt. Gleichzeitig beschreibt er das Wiederauftauchen „seiner“ Charaktere als befremdlich. Es sei ein merkwürdiges Gefühl, Figuren, die man selbst geschaffen habe, plötzlich in einer TV-Serie zu sehen.
Nicht, weil sie schlecht umgesetzt wären – sondern weil der eigene Anteil daran offiziell keine Rolle mehr spielt.
Keine Credits, keine Residuals, kein Anspruch
Der Punkt, der Gonzalez sichtbar beschäftigt, ist struktureller Natur. Für die Nutzung seiner Figuren in der Serie gibt es weder eine Nennung im Abspann noch finanzielle Beteiligung. Keine Residuals, kein Nachhall der eigenen Arbeit.
Er betont dabei, dass ihm diese Bedingungen von Anfang an klar gewesen seien. Wer im Games-Bereich an narrativen Inhalten arbeite, bewege sich oft in ähnlichen Strukturen wie frühe Comic-Autor:innen. Man erschafft ikonische Figuren, aber besitzt sie nicht.
Der Vergleich mit der Comic-Geschichte
Gonzalez zieht einen direkten Vergleich zur US-Comicindustrie der 60er- und 70er-Jahre. Selbst prägende Schöpfer wie Steve Ditko hätten keinen Besitzanspruch an Figuren gehabt, die später Milliarden wert wurden. Man wisse heute, wer sie erschaffen habe – aber das Werk gehöre dem Unternehmen.
So ähnlich empfindet er auch seine Situation mit Fallout: New Vegas. Die Welt, die Figuren, die Themen – sie leben weiter, aber losgelöst von ihrem Ursprung.
Ein Spiel mit ungewöhnlicher Langlebigkeit
Fallout: New Vegas erschien 2010 nach nur rund 18 Monaten Entwicklungszeit und entwickelte sich über Jahre hinweg zu einem der meistdiskutierten Rollenspiele seiner Generation. Was zunächst „nur“ ein Spin-off war, wurde für viele zum erzählerischen Höhepunkt der Reihe.
Noch Jahre später schrieb Polygon, das Spiel habe sich tief im kulturellen Gedächtnis der Games-Szene verankert – stärker als viele andere Titel seiner Zeit.
Dass genau dieses New Vegas nun zur Bühne für die zweite Staffel der Fallout-Serie wird, wirkt fast ironisch. Für Gonzalez ist es ein Beweis dafür, wie nachhaltig Spiele-Narrative sein können – und zugleich ein stiller Hinweis darauf, wie wenig ihre Urheber davon langfristig zurückbekommen.
Veröffentlicht: 23. Dezember 2025 04:58 Uhr