Der groß angekündigte Umbau bei Ubisoft bleibt nicht ohne Gegenwehr. Die französische Spiele-Gewerkschaft Solidaires Informatique hat öffentlich auf die jüngste Reorganisation des Publishers reagiert und Mitarbeitende von Ubisoft Paris zu einem halbtägigen Streik aufgerufen.
- „Es ist ausgeschlossen, einen Boss einfach machen zu lassen“
- Der Umbau als Zündfunke
- Ein Konflikt mit Ansage
In einem Post auf Bluesky bezeichnete die Gewerkschaft die Maßnahmen als „katastrophal“ und nannte explizit Kostenkürzungen, gestrichene Projekte und das Ende von Remote-Arbeit als Auslöser. Der Streik ist für den Morgen des 22. Januar angesetzt – und laut Solidaires Informatique dürfte es nicht bei dieser einen Aktion bleiben.
„Es ist ausgeschlossen, einen Boss einfach machen zu lassen“
Neben dem Streikaufruf formulierte die Gewerkschaft konkrete Forderungen. Dazu zählen ein Stopp des Sparprogramms, der Erhalt und Ausbau von Homeoffice-Regelungen sowie spürbare Gehaltserhöhungen noch in diesem Jahr. Der Ton ist dabei ungewöhnlich direkt.
Man müsse auf die „Absurdität der Entscheidungen des Managements“ reagieren, heißt es in der Stellungnahme. Weitere Streiks würden bereits diskutiert. Besonders scharf fällt ein Satz aus, der sich klar gegen die Konzernspitze richtet: Es sei „außer Frage, einen Boss einfach machen zu lassen und unsere Arbeitsbedingungen zu zerstören“. Falls nötig, müsse man daran erinnern, wer die Spiele überhaupt entwickle – nämlich die Mitarbeitenden selbst.
Die Worte richten sich unmissverständlich an Yves Guillemot, der seit Jahren das Gesicht der strategischen Entscheidungen bei Ubisoft ist und zuletzt mit dem umfassenden „Reset“ einen harten Kurs eingeschlagen hat.
Der Umbau als Zündfunke
Auslöser der Proteste ist Ubisofts jüngst verkündete Neuaufstellung, die Spielestreichungen, Projektverschiebungen und eine neue Struktur aus mehreren Creative Houses umfasst. Laut Ubisoft soll dadurch Verantwortung näher an Marken und Teams rücken. In der Belegschaft kommt diese Argumentation offenbar nicht überall an.
Die Reaktion von Solidaires Informatique reiht sich zudem in eine breitere gewerkschaftliche Kritik ein. Erst kürzlich hatte die kanadische Communication Workers of America Canada mit rechtlichen Schritten gedroht, nachdem Ubisoft das Studio in Halifax geschlossen hatte – nur wenige Wochen nach dessen Gewerkschaftsgründung.
Ein Konflikt mit Ansage
Der Streikaufruf zeigt, dass Ubisofts Umbau nicht nur wirtschaftliche und kreative Folgen hat, sondern auch die Arbeitsrealität vieler Beschäftigter direkt trifft. Während das Management von Effizienz, Fokus und langfristigem Wert spricht, geht es für Mitarbeitende um ganz konkrete Fragen von Sicherheit, Mitbestimmung und Alltag.
Dass Solidaires Informatique bereits weitere Streiks in Aussicht stellt, deutet darauf hin, dass der Konflikt noch lange nicht beendet ist. Ubisofts Reset ist damit nicht nur ein strategischer Einschnitt, sondern zunehmend auch ein arbeitsrechtlicher und politischer Brennpunkt.
Veröffentlicht: 24. Januar 2026 20:26 Uhr