Bildrechte: Samuel Lehikoinen / turbolento publishing

GAME REVIEW: Unemployment Simulator 2018 – ein Survival‑Roguelike im Studioapartment

Es gibt viele Arten, einen Bildschirm anzustarren. Manchmal ist es das HUD eines Bosskampfs, manchmal eine prall gefüllte Inbox mit Bewerbungsabsagen. Beide Male starrt der Monitor irgendwann zurück, als wolle er fragen: „Und jetzt?“ Als ich den Review‑Key zu Unemployment Simulator 2018 einlöste, war dieser Blick sofort wieder da.

Inhaltsverzeichnis
  1. Der Alltag als Bosskampf
  2. Roguelite Loop & Traumsequenzen
  3. Humor, Trauma und ein unordentliches Badezimmer
  4. Spielgefühl & Plattformen
  5. Monotonie als Meisterstück

Das Spiel versetzt mich in eine Phase meines Lebens, in der morgens der Wecker klingelte, ohne dass es einen Ort gab, an dem ich gebraucht wurde. Job­suche als Endgegner: Das ist eine Mischung aus Frust und schwarzem Humor, die das Indie‑Studio um Samuel Lehikoinen erstaunlich präzise einfängt.

Im Kern ist US18 – trotz seines retrohaften Namens – ein Roguelike‑Survival‑Spiel mit Story‑Fokus, schmerzhaft realistischen Ritualen und einer bissigen Portion Dark Comedy. Ich habe das Game durchgespielt und gemerkt, wie leicht man sich zwischen virtueller Routine und echten Emotionen verliert.

Die Demo auf Steam hat bereits 91 % positive Wertungen; die Vollversion hät den Ton konsequent bei.

Auf einen Blick

Genre: Adventure, Casual, Indie, Simulation

Entwickler/Publisher: Samuel Lehikoinen / turbolento publishing

Release: 3. Februar 2026

Was geboten wird: Roguelite‑Survival mit Story‑Progression, zahlreiche alltägliche Minigames (z.B. Bewerbungen schreiben, Zähne putzen, aufräumen), mehrere Enden und Traum­passagen.

Der Alltag als Bosskampf

Die Prämisse klingt simpel: Es ist das Jahr 2018, du sitzt in einer Einzimmerwohnung in einem nordischen Wohlfahrtsstaat fest. Das Ziel ist nicht das Besiegen eines Drachen, sondern das Überleben der Routine.

Man hat verschiedene Werte – Hunger, Hygiene, Energie, Stimmung –, und vor allem der Dopaminspiegel muss hoch genug bleiben, sonst stirbst man buchstäblich an Langeweile.

Der Wecker geht an, du stehst auf … aber es gibt keinen Job, zu dem du musst. Stattdessen kämpfst du mit dem Abwasch, gehst duschen, isst, trinkst (verantwortungsvoll) und versuchst, dich zu unterhalten.

Anfangs wirkt das wie ein Witz, doch schnell wird klar, wie gnadenlos ehrlich das Konzept ist. Das Game fült sich so realistisch an, weil man nicht Rohmaterialien sammelt, sondern leere Bierdosen, und statt einer Axt „craftet“ man Bewerbungsanschreiben.

Du managst deine Angstzustände, während der Kühlschrank leer ist, Rechnungen sich stapeln und deine mentale Gesundheit bröckelt. Jeder noch so simple To‑Do‑Punkt – Zähne putzen, Geschirr spülen, Wäsche waschen – wird zum kleinen, aber bedeutungsvollen Abenteuer.

Roguelite Loop & Traumsequenzen

Unemployment Simulator 2018 ist nicht einfach ein „Sadness Sim“. Es hat einen klaren Roguelike‑Kern: Überlebst du den Tag und schaffst deine Checkliste, darfst du schlafen gehen. Im Schlaf öffnen sich kleine Traumlevel, in denen du plötzlich Gehaltsverdiener, Ehemann oder Held sein kannst.

Hier verwandelt sich das Spiel kurzzeitig in andere Genres, vom Top‑down‑Shooter bis zum Dating‑Sim. Scheiterst du im Wachleben jedoch, weil dir das Geld ausgeht oder du vor lauter Netflix‑Sitzungen vergisst zu essen, beginnt die Woche von vorn.

Diese Schleife ist frustrierend und motivierend zugleich. Die Pixel‑Traumsequenzen der Vollversion sind komplexer als in der Demo und verknüpfen die surrealen Untergeschosse dess Unterbewusstseins mit Andeutungen einer größeren Verschwörung.

Humor, Trauma und ein unordentliches Badezimmer

An manchen Punkten hat mich das Game an Bo Burnhams Comedy-Special Inside erinnert: das Spiel hat eine Weinen-Taste. Diese Mischung aus Verzweiflung und Selbstironie zieht sich durch das gesamte Spiel.

Meine Figur konnte zur Ablenkung Gitarre spielen, Pornos schauen oder einfach auf dem Bett sitzen und den Kopf in den Händen vergraben. Das Minispiel „KILL EVERYTHING“ auf dem Ingame‑PC karikiert Shooter‑Gewalt als kurzzeitige Dopamintherapie.

Zwischen all dem Witz schwingt echter Schmerz mit: Entwickler Lehikoinen beschreibt das Projekt als „based on real events“, und das spürt man. US18 spricht offen über Depression, Stigma und gesellschaftlichen Druck und zeigt, wie ein unaufgeräumtes Badezimmer zu einem Symbol für Kontrollverlust wird.

Gleichzeitig gibt es handgemalte Pixelkunst, charmante Animationen und einen Soundtrack, der zwischen Melancholie und Aufbruch pendelt.

Bildrechte: Netflix. Screenshot aus Bo Burnham: Inside.

Spielgefühl & Plattformen

Die Bedienung bleibt dabei angenehm zugänglich. Alles lässt sich mit wenigen Buttons steuern, die Eingaben sind logisch verteilt und selbst nach längeren Sessions muss man nicht erst wieder überlegen, welcher Knopf jetzt für Selbstfürsorge und welcher für Selbstsabotage zuständig war.

Auf dem PC spielt sich Unemployment Simulator 2018 mit Maus und Tastatur am besten. Nicht nur, weil die Steuerung hier am präzisesten wirkt, sondern auch, weil sich das Spiel fast beiläufig mit dem echten Desktop-Alltag verzahnt.

Schnell zwischen Browser-Tabs für Jobsuche, E-Mails, absurden Forenposts und Gitarrenakkorden zu wechseln, fühlt sich weniger wie ein Gimmick an, sondern wie ein bewusst gesetzter Kommentar. Der Übergang zwischen Spiel und Realität ist fließend, und genau das macht diesen Teil der Bedienung so treffend.

Monotonie als Meisterstück

Unemployment Simulator 2018 ist ein Spiel über Arbeitslosigkeit, das nicht zynisch, sondern ehrlich und empathisch wirkt. Mit seinem Roguelike‑Loop, den zahlreichen Minigames und den traumhaften Ausflügen hält es die Balance zwischen Survival‑Mechanik und Storytelling.

Wer Routine in Spielen spannend findet und schwarzen Humor erträgt, wird hier fündig. Die ausgesprochen positive Demo‑Wertung von 91 % positiven Reviews ist gerechtfertigt. Die Vollversion liefert mehr Inhalte, ohne das fragile Gleichgewicht aus Frust und Flow zu verlieren.

Manchmal schlagen die satirischen Anspielungen mit dem Holzhammer zu und der Zufallsfaktor im Roguelike‑Loop kann frustrieren. Doch das ist Teil der Erfahrung: Flow entsteht am Besten beim Gaming, wenn man die eigenen Grenzen neu auslotet.

Am Ende saß ich auf meiner Couch, starrte die Decke an und dachte: Vor ein paar Stunden fühlte sich noch alles sortiert an, meine To-do-Liste, meine Spielfigur, mein Kopf. Jetzt nicht mehr. Und genau deshalb weiß ich, dass ich Unemployment Simulator 2018 wieder starten werde.

Es kommt selten vor, dass ein Spiel mich gleichzeitig herzhaft lachen lässt und mir erlaubt, mit meiner eigenen Unordnung kurz Frieden zu schließen.

US18 macht genau das: Es nimmt das Chaos ernst, ohne es zu romantisieren, und findet Humor an Stellen, an denen man ihn normalerweise verdrängt. Vielleicht ist das keine Lösung. Aber es ist ein ehrlicher Zustand. Und manchmal reicht das.


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Author
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Ben Touati
Gaming Nerd
Ben Touati schreibt über Games, Filme und die große, weite Welt der Popkultur – mit einem Blick, der zwischen analytischem Tiefgang und nerdiger Begeisterung pendelt. Sein Background in Linguistik verleiht ihm ein feines Gespür für Sprache, Struktur und die kleinen Nuancen, die große Geschichten tragen. Ob Aktuelles aus der Gaming-Welt, neue Trends oder Arnold Schwarzeneggers Englisch: Ben liefert Einordnungen mit Substanz – immer durchzogen von geekigen Referenzen, filmreifen Metaphern und dem leisen Verdacht, dass das alles irgendwie mit Buffy the Vampire Slayer und Watchmen zu tun hat.