Das erste Wochenende des neuen Jahres fühlte sich für viele GameStop-Mitarbeiter:innen wie ein schlechter Scherz an. Statt Neujahrsstimmung gab es Aushänge an den Ladentüren: Dieser Store schließt bald. Kein internes Meeting, keine Vorwarnung, sondern Ausdrucke am Schaufenster – inklusive QR-Code für einen 20-Prozent-Trade-in-Bonus für Kund:innen.
- Ladenschließungen per Aushang
- Leere Regale, schwere Stimmung
- Milliardenfantasien an der Spitze
- Ein schiefer Kontrast
Fast zeitgleich sorgte eine ganz andere Nachricht für Schlagzeilen. Der GameStop-Vorstand kündigte an, CEO Ryan Cohen leistungsabhängige Aktienoptionen im Wert von bis zu 35 Milliarden Dollar in Aussicht zu stellen. Die Bedingung: Cohen muss den Börsenwert des Unternehmens massiv steigern und die Gewinne explodieren lassen.
Ladenschließungen per Aushang
Für viele Beschäftigte kam die Nachricht völlig überraschend. Selbst Standorte, die nach eigener Aussage gut liefen, wurden geschlossen oder stehen kurz davor. Schätzungen zufolge sind rund 300 Filialen bereits dicht oder werden es in den kommenden Wochen. Weitere könnten folgen, da Mitarbeitende berichten, dass die Informationen in Wellen verteilt werden.
Besonders bitter: Manche Angestellte hatten nur wenige Tage Vorlauf. Einige konnten in andere Filialen wechseln, viele jedoch nicht. Kund:innen erfuhren teils erst beim Vorbeigehen von der Schließung ihres Stammstores. In ländlicheren Gegenden bedeutet das für manche künftig 30 bis 60 Minuten Fahrt bis zum nächsten GameStop.
Leere Regale, schwere Stimmung
In noch offenen, aber betroffenen Läden fällt der Rückzug bereits auf. Mitarbeitende berichten von ausbleibenden Lieferungen, halb leeren Regalen und einer merkwürdigen Zwischenphase, in der niemand so recht weiß, wie lange es noch weitergeht. Gleichzeitig nutzten einige Fans die Gelegenheit, um letzte Erinnerungsstücke mitzunehmen – Poster, Displays, alles, was nicht niet- und nagelfest war.
In den sozialen Netzwerken ist der Ton entsprechend rau. Auf Reddit schreiben Betroffene über Enttäuschung, Wut und das Gefühl, austauschbar zu sein. Für manche war es nicht einfach nur ein Job, sondern der Laden ihrer Kindheit.
Milliardenfantasien an der Spitze
Währenddessen blickt die Konzernspitze nach oben. Der neue Vergütungsplan für Ryan Cohen liest sich wie aus einem Silicon-Valley-Pitchdeck. Bis zu 35 Milliarden Dollar in Aktienoptionen sind möglich, allerdings nur, wenn GameStop eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar erreicht und kumulierte Gewinne von mindestens zehn Milliarden einfährt.
Zum Vergleich: Aktuell liegt der Börsenwert bei unter zehn Milliarden. Das Unternehmen müsste sich also mehr als verzehnfachen. Cohens Anreiz ist klar – denn laut SEC-Unterlagen erhält er sonst kein fixes Gehalt, keine Boni, keine automatisch verfallenden Aktien. Alles oder nichts.
Ein schiefer Kontrast
Genau dieser Gegensatz sorgt für so viel Unmut. Unten werden Läden geschlossen, Existenzen wackeln, oben werden theoretische Milliardenpakete geschnürt. Für viele Mitarbeitende fühlt sich das wie ein Schlag ins Gesicht an – besonders zu einem Zeitpunkt, an dem sie ihre Kündigung zwischen Rabattaktionen und Neujahrsgrüßen entdecken.
GameStop steckt weiterhin in einem Umbruch zwischen Meme-Stock-Mythos, digitalem Wandel und schrumpfender Ladenfläche. Ob Ryan Cohen tatsächlich den großen Turnaround schafft, bleibt offen. Sicher ist nur: Für viele, die den Start dieses Jahres mit Kartons packen verbracht haben, klingt die Vision von explosivem Wachstum gerade ziemlich hohl.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:36 Uhr