Ein Drittel der US-amerikanischen Gamesbranche war in den vergangenen zwei Jahren von Entlassungen betroffen. Diese Zahl stammt nicht aus einem einzelnen Studio oder einer Momentaufnahme, sondern aus dem neuen State of the Game Industry Report, veröffentlicht im Vorfeld des neu aufgestellten Game Developers Conference Festival of Gaming.
- Entlassungen sind kein Randphänomen mehr
- Nachwuchs blickt in eine unsichere Branche
- Gewerkschaften gewinnen klaren Rückhalt
- Ein Report zur richtigen Zeit
Mehr als 2.300 Branchenangehörige haben an der Umfrage teilgenommen. Entwickler:innen, Marketingverantwortliche, Executives, Investoren und weitere Rollen wurden gezielt mit auf ihre Arbeit zugeschnittenen Fragen befragt. Das Ergebnis zeichnet ein Bild, das viele in der Szene längst fühlen – jetzt aber schwarz auf weiß vorliegt.
Entlassungen sind kein Randphänomen mehr
33 Prozent der befragten US-Teilnehmenden geben an, in den letzten zwei Jahren ihren Job verloren zu haben. Weltweit liegt der Wert mit 28 Prozent etwas niedriger, bleibt aber alarmierend hoch. Besonders auffällig ist, wie allgegenwärtig das Thema geworden ist: Rund die Hälfte aller Befragten arbeitet aktuell oder zuletzt bei einem Unternehmen, das innerhalb der letzten zwölf Monate Entlassungen durchgeführt hat.
Vor allem große Studios stechen heraus. Zwei Drittel der Beschäftigten in AAA-Studios berichten von Layoffs im eigenen Unternehmen. Bei Indie-Studios liegt der Wert bei etwa einem Drittel – deutlich niedriger, aber keineswegs harmlos. Die Unsicherheit zieht sich damit quer durch alle Produktionsgrößen und Geschäftsmodelle.
Nachwuchs blickt in eine unsichere Branche
Erstmals hat der Report auch gezielt Lehrende und Studierende aus dem Games-Bereich befragt. Die Daten sollen zeigen, mit welchen Erwartungen und Sorgen die nächste Generation in die Branche blickt. Auch hier ist das Bild geprägt von Instabilität, steigenden Einstiegshürden und der Frage, wie nachhaltig Karrieren in der Spieleentwicklung aktuell überhaupt planbar sind.
Der Report selbst geht dabei weit über reine Entlassungszahlen hinaus. Themen wie der Einsatz von generativer KI, wirtschaftlicher Druck, technologische Prioritäten und langfristige Trends werden ebenso beleuchtet – immer mit dem Ziel, den tatsächlichen Zustand der Branche abzubilden, nicht nur ihre Erfolgsgeschichten.
Gewerkschaften gewinnen klaren Rückhalt
Besonders deutlich fällt ein anderes Ergebnis aus: 82 Prozent der US-Befragten sprechen sich für die Gewerkschaftsbildung in der Gamesbranche aus. Nur fünf Prozent lehnen sie ab, der Rest zeigt sich unentschlossen. Die Zustimmung ist vor allem dort hoch, wo Unsicherheit besonders spürbar ist – bei Menschen unter 45, bei Beschäftigten mit geringerem Einkommen und bei jenen, die selbst bereits entlassen wurden.
Dass kein einziger Befragter im Alter von 18 bis 24 Jahren gegen Gewerkschaften ist, sagt viel über den Generationenwechsel in der Branche aus. Für viele Nachwuchskräfte gehören kollektive Absicherung und Mitbestimmung längst zu den Grundannahmen ihres Berufslebens.
Ein Report zur richtigen Zeit
Der neue State of the Game Industry Report erscheint kurz vor dem GDC Festival of Gaming, das Anfang März in San Francisco stattfindet. Die traditionsreiche Konferenz wurde in diesem Jahr bewusst breiter aufgestellt, mit mehr Formaten, mehr Perspektiven und stärkerem Fokus auf strukturelle Fragen der Branche.
Die Zahlen des Reports liefern dafür den Kontext. Sie zeigen eine Industrie, die weiterhin kreative Erfolge feiert, gleichzeitig aber mit massiven internen Umbrüchen kämpft. Für viele Entwickler:innen ist das kein theoretisches Problem mehr, sondern gelebter Alltag.
Veröffentlicht: 1. Februar 2026 00:16 Uhr