Bildquelle: Rockstar

Von Emojis zu Entlassungen: Wie Rockstars Slack-Purge im Gewerkschafts-Discord eskalierte

Rockstar wollte eigentlich über Neonlicht, Heists und Vice City reden. Stattdessen steht der GTA-6-Entwickler wegen eines Discord-Servers im Rampenlicht, auf dem sich Beschäftigte über ihr Arbeitsleben ausgetauscht haben. 34 Menschen sind ihren Job los, Rockstar spricht von „grober Pflichtverletzung“. Die Betroffenen und ihre Gewerkschaft nennen es das rücksichtsloseste Union-Busting, das die britische Gamesbranche bisher gesehen hat. 

Inhaltsverzeichnis
  1. Ein Discord-Server als Gewerkschaftsbüro
  2. Die Slack-Purge und das verbotene Pflänzchen
  3. Wenn die interne Mail im Discord landet
  4. 34 Kündigungen, ein Gericht und ein massiver Abschreckungseffekt
  5. Frisches vom Feed

Das neue Video von People Make Games liefert nun erstmals einen Blick in die Chats, auf die Rockstar sich beruft. Und dieser Blick fällt ganz anders aus, als man es nach der Formulierung „Leaken von Firmengeheimnissen in einem öffentlichen Forum“ erwarten würde. 

Ein Discord-Server als Gewerkschaftsbüro

Der Discord-Server, um den es geht, existiert laut PMG seit 2022. Eingeladen wurden nur verifizierte Rockstar-Angestellte und Vertreter:innen der IWGB, der Independent Workers Union of Great Britain. Öffentliche Kanäle dienten als Info-Hub für Neugierige, abgeschottete Channels waren nur für zahlende Union-Mitglieder gedacht. Rund 300 Leute nutzten den Server, etwa 200 davon als aktive Gewerkschaftsmitglieder:innen bei Rockstar North. 

Worüber wurde dort gesprochen? Über Gehälter und Boni. Über Arbeitszeiten und Policies. Über die Frage, wie sich ein Studio, das an einem der größten Spiele aller Zeiten arbeitet, fair organisieren lässt. Nach allem, was PMG und andere Berichte schildern, tauchten dort keine Spoiler zu GTA 6, keine Screenshots interner Builds und keine Leaks zu Missionen oder Map auf. 

Dass dieser Server irgendwann zum Problem wurde, hängt mit einer zweiten Baustelle zusammen: Rockstars interner Slack.

Die Slack-Purge und das verbotene Pflänzchen

Anfang Oktober, knapp einen Monat vor den Kündigungen, räumte Rockstar hausintern auf. Diverse „nicht essenzielle“ Kanäle flogen raus, darunter #misc-gaming, #pets, Musik- und Hobby-Chats. Offiziell, weil sie zu ablenkend gewesen seien und teils zu „schlechtem Verhalten“ geführt hätten. Mitarbeiter:innen tauften die Aktion schnell „Slack-Purge“. 

Gerade im #misc-gaming-Channel wurde neben Off-Topics auch über die Branche diskutiert, vor allem das nicht enden wollende Layoff-Fiasko der letzten Jahre. Wer dort News zu Entlassungswellen teilte, bekam oft eine Reaktion mit einem Seedling-Emoji . Ein kleines Pflänzchen als Zeichen: Wir wachsen zusammen, wir schauen hin, wir organisieren uns. Dieses Emoji tauchte später auch auf Protestbannern der entlassenen Beschäftigten vor Rockstars Büros auf. 

Kurz nach der Slack-Purge verschickte Rockstar eine weitere Mail mit neuen Regeln zu Slack-Statusnachrichten und Emojis. Emojis im Status wurden de facto verboten. Einige Betroffene interpretieren das als Versuch, die sichtbare Symbolik von Palästina-Flaggen und Seedlings loszuwerden. Offiziell äußert sich das Studio dazu nicht. 

Wenn die interne Mail im Discord landet

Entscheidend wird ein technisches Detail: Rockstar erlaubt den Zugriff auf Firmenmails nur aus dem Büro heraus. Genau dort trudelten die Mails zu Slack-Purge und Emoji-Regeln ein, eine davon nach 17 Uhr. Wer zu diesem Zeitpunkt schon Feierabend hatte, konnte die Inhalte schlicht nicht lesen. 

Also sprangen Kolleg:innen ein, die noch am Schreibtisch saßen. Sie zitierten Teile der Mail im Gewerkschafts-Discord, schilderten die neuen Regeln und diskutierten die Folgen. Eine Person soll ein Foto des Bildschirms gemacht und per OCR-Tool den kompletten Mailtext in Discord gepostet haben. Für die Gewerkschaft war das ein Informationsaustausch über Arbeitsbedingungen. Für Rockstar offenbar der zentrale Beleg für „Verbreitung vertraulicher Informationen in einem öffentlichen Forum“. 

Laut PMG-Quelle meldete ein Mitglied des Discord die Diskussion bei der Studioleitung. Daraufhin habe das Unternehmen den Server geprüft und Chatverläufe gesammelt, um die Kündigungen zu begründen. Ob und wie Rockstar direkt Zugang zum Server hatte, bleibt unklar. Rockstar verweigert zu diesen Details jede Aussage. 

34 Kündigungen, ein Gericht und ein massiver Abschreckungseffekt

Am Ende sind 34 Menschen ihren Job los, viele nach elf Jahren Betriebszugehörigkeit, manche mit einem Arbeitsvisum, deren Aufenthalt nun an der Kündigung scheitern könnte. Sie wurden unter dem Label „grobes Fehlverhalten“ von heute auf morgen mit Security aus dem Büro geführt, ohne sich zu verabschieden oder ihren Schreibtisch zu leeren. 

Die IWGB spricht von einem „blatanten und rücksichtslosen Akt des Union-Busting“ und hat Klage eingereicht. Neben einem Hauptverfahren läuft ein Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz, der entweder eine vorläufige Wiedereinstellung oder weiterlaufende Lohnzahlungen erzwingen soll. Über 200 verbliebene Rockstar-Beschäftigte haben einen offenen Brief unterschrieben, der die sofortige Rückkehr der Entlassenen fordert. Das Thema wurde bereits im britischen Parlament angesprochen. 

Rockstar und Mutterkonzern Take-Two bleiben bei der Version, die Kündigungen hätten nichts mit Gewerkschaftsarbeit zu tun, sondern seien eine notwendige Reaktion auf schwere Verstöße gegen die Vertraulichkeit. Ein unabhängiges Gericht wird nun klären müssen, was davon trägt.

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Author
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Aykut Özbey
Esports & Gaming Journalist
Aykut Özbey ist freier Gaming- und Esport-Journalist. Nach fünf Jahren bei ProSiebenSat.1 und Auftritten im TV-Format „eFernsehen” auf ProSieben MAXX arbeitet er heute an eigenen Projekten. Mit „30 Minuten Zocken” macht er Games für Berufstätige und Studierende im Alltag greifbar. Seit August 2025 unterstützt er unsere Escapist Redaktion mit aktuellen Gaming-News.