Manchmal fühlt sich die Gamesbranche an wie ein plötzlicher Kameraschnitt in einem Horrorfilm: eben noch alles ruhig, und im nächsten Moment steht die Tür offen, die du eigentlich abgeschlossen hattest. Für Santa Ragione, das italienische Studio hinter dem surrealen Horror Horses, war genau dieser Schnitt jetzt Realität. Nur 24 Stunden vor Veröffentlichung lehnte auch der Epic Games Store das Spiel ab – obwohl Builds laut Studio zuvor monatelang geprüft und freigegeben worden waren.
- Ein zweites Déjà-vu – nur diesmal direkt vor der Ziellinie
- Nudity? Sex? AO-Rating? Santa Ragione widerspricht nahezu jedem Punkt
- Der bizarre Horror von Horses – und wo das Spiel noch lebt
Ein zweites Déjà-vu – nur diesmal direkt vor der Ziellinie
Dass Horses überhaupt in diese seltsame Zwischenwelt geraten ist, liegt schon länger in der Luft. 2023 wollte Steam den Titel nicht vertreiben, die folgenden Berufungen blieben erfolglos, und Santa Ragione begann erst kürzlich öffentlich darüber zu sprechen. Doch dass Epic, anders als Steam, das Spiel eigentlich schon akzeptiert und im Backend durchgewunken hatte, macht die jetzige Absage umso absurder.
Das Studio sagt, Epic habe zwei Monate lang Builds geprüft, die finale Version freigegeben – und dann, einen Tag vor Release, einen Rückzieher gemacht. Die Begründung? Ein breiter Katalog an Verstößen, der laut Santa Ragione weder präzise noch korrekt sei.
Nudity? Sex? AO-Rating? Santa Ragione widerspricht nahezu jedem Punkt
Der Kern des Streits ist schnell umrissen: Horses zeigt Menschen mit Pferdeköpfen in einer surrealen, verstörenden Welt, spielt aber laut Entwickler mit Kritik, nicht mit Lust. Santa Ragione betont, dass sämtliche Nacktheit vollständig zensiert ist, und dass vier kurze Sexszenen ebenfalls zensiert oder größtenteils off-camera stattfinden. “Explicit” sei daran nichts – und schon gar nicht “frequent”.
Auch das angebliche Adults-Only-Rating wurde laut Studio falsch dargestellt. Horses trägt PEGI 18 und ein ESRB-M-Rating, was bereits auf der EGS-Produktseite stand. Dass Epic dennoch behauptet, das IARC-Tool habe etwas anderes ausgespuckt, wirkt aus Studiosicht schlicht falsch.
Besonders frustrierend: Epic räumt ein, Änderungen seien möglich – aber nicht, welche. Ohne konkrete Hinweise bleibt das Studio im Nebel stehen. Eine Art Inhalts-Limbo.
Der bizarre Horror von Horses – und wo das Spiel noch lebt
Santa Ragione beschreibt Horses als „surreal horror“ über Macht, Kontrolle und Missbrauch – ein Farmsetting, in dem „Pferde“ eigentlich Menschen sind, denen festmontierte Pferdeköpfe aufgesetzt wurden. Unangenehm, ja. Grenzüberschreitend, aber bewusst. Für Epic und Steam offenbar zu viel – für andere Stores hingegen absolut tragbar: Itch.io, Humble und GOG führen den Titel weiterhin. GOG hat sich sogar öffentlich solidarisiert: Spieler*innen sollten selbst entscheiden, welche Erfahrungen sie wählen.
Es bleibt dieser Eindruck hängen, den viele Indie-Teams gut kennen: Plattformrichtlinien sind selten transparent, manchmal widersprüchlich, und im schlimmsten Fall ändert sich die Entscheidung, während die Release-Uhr schon tickt. Für Santa Ragione ist das jetzt bittere Realität – und für die Diskussion um kreative Grenzen im Horror ein neues Kapitel.
Veröffentlicht: 8. Dezember 2025 23:18 Uhr