Nach Rockstars offizieller Verteidigung, die jüngsten Kündigungen seien auf „die Weitergabe vertraulicher Informationen“ zurückzuführen, meldet sich nun erstmals ein Mitarbeiter aus dem Inneren des Studios zu Wort. Unter dem Schutz der Anonymität beschreibt er, was aus seiner Sicht wirklich passiert ist – und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Management.
- „Sie haben uns einzeln vorgeladen – und dann gefeuert“
- Gewerkschaft kurz vor Anerkennung
- Angstkultur statt Aufbruch
- IWGB kündigt rechtliche Schritte an
„Sie haben uns einzeln vorgeladen – und dann gefeuert“
Der anonyme Verfasser, laut eigener Aussage langjähriger Rockstar-Angestellter und Mitglied der Gewerkschaft IWGB, schildert die Ereignisse in einem ausführlichen Statement, das er in einem GTA-Forum veröffentlichte. Darin beschreibt er, wie über 30 Kolleg:innen in Großbritannien und Kanada mit der Begründung „groben Fehlverhaltens“ entlassen wurden – ohne konkrete Beweise, ohne Anhörung, ohne Gewerkschaftsvertretung.
„Wir wurden zu kurzen Meetings eingeladen, mit dem Vorwand, kurz zu sprechen“, schreibt der Mitarbeiter. „Dort bekamen wir Briefe mit der Kündigung und wurden sofort aus dem Gebäude geführt. Andere, die im Homeoffice waren, wurden in weniger als zwei Minuten per Telefon gefeuert.“
Einige der Betroffenen seien seit über 15 Jahren bei Rockstar, andere befanden sich auf Elternzeit oder erholten sich von Operationen. Laut dem Statement habe HR selbst während Panikattacken von Betroffenen einfach aufgelegt.
Gewerkschaft kurz vor Anerkennung
Der Zeitpunkt ist brisant: Laut dem Mitarbeiter gehörten alle Entlassenen der Gewerkschaft an – viele davon saßen in den Organisationskomitees. Nur eine Woche zuvor hatte die IWGB die 10-Prozent-Marke überschritten, die in Großbritannien nötig ist, um offizielle Anerkennung zu beantragen und Tarifverhandlungen aufzunehmen.
„Das war kein Zufall“, heißt es weiter. „Wir waren kurz davor, endlich eine Stimme zu bekommen. Und genau in diesem Moment haben sie uns mundtot gemacht.“
Angstkultur statt Aufbruch
Der Bericht zeichnet ein Bild von lähmender Angst und Misstrauen in den Studios. Kolleg:innen würden sich kaum noch trauen, offen zu sprechen – weder am Arbeitsplatz noch außerhalb. Die Stimmung sei „am Boden“, das Vertrauen in die Unternehmensführung „zerstört“.
„Wir wollten Rockstar zu einem faireren, sichereren Ort machen“, schreibt der Verfasser. „Doch offenbar liegt uns mehr am Wohl unserer Kolleg:innen als dem Unternehmen selbst.“
IWGB kündigt rechtliche Schritte an
Die Gewerkschaft hat inzwischen angekündigt, juristisch gegen die Entlassungen vorzugehen und die Wiedereinstellung der Betroffenen zu fordern. Über Action Network läuft zudem eine Spendenkampagne zur Unterstützung der gekündigten Mitarbeiter:innen.
Rockstar selbst hält bisher an seiner Darstellung fest, dass es sich um einen Sicherheitsverstoß gehandelt habe. Doch die Aussagen aus dem Inneren zeichnen ein anderes Bild – eines, in dem es längst nicht mehr um vertrauliche Dokumente geht, sondern um Vertrauen selbst.
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Veröffentlicht: 8. November 2025 13:23 Uhr