Der Druck auf große Publisher wächst weiter. Die italienische Wettbewerbsbehörde hat ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen Activision Blizzard eingeleitet. Im Fokus stehen die Mobile-Titel Diablo Immortal und Call of Duty Mobile – und die Frage, ob ihre In-Game-Kaufsysteme gegen geltendes Verbraucherschutzrecht verstoßen.
- Dark Patterns und künstlicher Kaufdruck
- Jugendschutz unter Beobachtung
- Daten, Zustimmung und Vertragsrechte
- Ein weiteres Signal an die Branche
Konkret geht es um den Vorwurf irreführender und aggressiver Praktiken, die Spielerinnen und Spieler zu mehr Spielzeit und höheren Ausgaben bewegen sollen. Die Behörde spricht dabei ausdrücklich von einem besonders sensiblen Umfeld, da digitale Spiele ein erhöhtes Risiko für spielbezogene Abhängigkeit bergen können.
Dark Patterns und künstlicher Kaufdruck
Laut der am 16. Januar veröffentlichten Mitteilung prüft die Behörde unter anderem den Einsatz manipulativer Interface-Designs. Gemeint sind Mechaniken, die gezielt FOMO erzeugen – etwa Hinweise auf zeitlich begrenzte Angebote, Warnungen vor „verpassten Belohnungen“ oder Pop-ups, die zum schnellen Kauf animieren sollen, bevor Inhalte wieder verschwinden.
Besonders kritisch sieht die Behörde, dass diese Systeme oft mit virtuellen Währungen arbeiten, deren realer Geldwert für Nutzerinnen und Nutzer nur schwer nachvollziehbar ist. In Kombination mit Währungspaketen und gestaffelten Angeboten könne das dazu führen, dass vor allem junge Spielerinnen und Spieler deutlich mehr Geld ausgeben, als ihnen bewusst ist.
Jugendschutz unter Beobachtung
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung betrifft den Schutz von Minderjährigen. Nach Einschätzung der italienischen Wettbewerbsbehörde sind die voreingestellten Jugendschutz- und Elternkontrollfunktionen in beiden Spielen problematisch. Sie würden standardmäßig ein vergleichsweise niedriges Schutzniveau bieten, ohne dass Eltern oder Erziehungsberechtigte aktiv eingreifen oder zustimmen müssten.
Gerade in Verbindung mit aggressiven Monetarisierungsmechaniken sei das aus Sicht der Behörde besonders kritisch – vor allem, wenn minderjährige Spielerinnen und Spieler angesprochen werden.
Daten, Zustimmung und Vertragsrechte
Neben Monetarisierung und Jugendschutz nimmt die Untersuchung auch den Umgang mit personenbezogenen Daten ins Visier. Konkret soll geprüft werden, wie die Zustimmung zur Datenverarbeitung bei der Kontoerstellung eingeholt wird und ob Nutzerinnen und Nutzer ausreichend über ihre vertraglichen Rechte informiert werden.
Die Behörde deutet an, dass aktuelle Prozesse dazu führen könnten, dass Spielende Rechte abtreten, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein – ein weiterer möglicher Verstoß gegen europäische Verbraucherschutzstandards.
Ein weiteres Signal an die Branche
Noch ist offen, welche Konsequenzen die Ermittlungen für Activision Blizzard haben werden. Klar ist aber: Die italienische Untersuchung reiht sich in eine wachsende Zahl regulatorischer Eingriffe ein, bei denen In-Game-Monetarisierung, Dark Patterns und Spielerschutz zunehmend ins Zentrum rücken.
Gerade Mobile-Games mit Free-to-Play-Modell stehen dabei immer häufiger unter besonderer Beobachtung. Für Publisher ist das ein weiteres Signal, dass aggressive Monetarisierung nicht mehr nur Community-Diskussionen auslöst, sondern auch ganz konkret juristische Folgen haben kann.
Veröffentlicht: 21. Januar 2026 03:41 Uhr