Valve steht in Großbritannien vor einem der heikelsten Verfahren seiner Unternehmensgeschichte. Ein Tribunal hat entschieden, dass eine Sammelklage in Höhe von umgerechnet rund 900 Millionen US-Dollar gegen den Betreiber von Valve und seine Plattform Steam zu einem vollständigen Gerichtsprozess zugelassen wird. Der Versuch des Unternehmens, das Verfahren frühzeitig zu stoppen, ist damit gescheitert.
- Der Vorwurf: Kontrolle statt Wettbewerb
- Was das für Spieler bedeuten könnte
- Ein Verfahren mit Signalwirkung
Die Entscheidung stammt vom Competition Appeal Tribunal, das Valves Antrag auf Abweisung zurückwies. Im Kern geht es um den Vorwurf, Valve missbrauche seine dominante Stellung im PC-Gaming-Markt und halte Preise künstlich hoch. Öffentlich gemacht wurde das Urteil unter anderem durch die BBC.
Der Vorwurf: Kontrolle statt Wettbewerb
Eingereicht wurde die Klage bereits im Jahr zuvor von der britischen Digitalrechtsaktivistin Vicki Shotbolt. Sie handelt im Namen von bis zu 14 Millionen Steam-Nutzer:innen im Vereinigten Königreich. Der zentrale Vorwurf: Valve setze restriktive Vertragsbedingungen durch, die Publisher daran hindern, Spiele auf anderen Plattformen günstiger oder früher anzubieten.
Dazu kommt ein Punkt, der vielen Spieler:innen bekannt vorkommen dürfte. Wer ein Basisspiel auf Steam kauft, muss sämtliche dazugehörigen DLCs ebenfalls über Steam erwerben. Laut Klageschrift schaffe Valve damit ein geschlossenes Ökosystem, aus dem es für Nutzer praktisch kein Entkommen gibt. Die Folge seien Provisionen von bis zu 30 Prozent, die am Ende auf den Verkaufspreis aufgeschlagen und von den Kund:innen getragen würden.
Was das für Spieler bedeuten könnte
Die Sammelklage umfasst alle britischen Kund:innen, die seit 2018 Spiele oder Zusatzinhalte auf Steam oder anderen PC-Plattformen gekauft haben. Sollte das Gericht den Vorwürfen folgen, könnten Entschädigungszahlungen an Millionen Nutzer:innen fällig werden. Unterstützt wird das Verfahren von der Kanzlei Milberg London LLP, die auf internationale Sammelklagen spezialisiert ist.
Valve hatte argumentiert, die Vorwürfe seien nicht ausreichend, um einen Prozess zu rechtfertigen. Das Tribunal sah das anders und befand, dass die Anschuldigungen substanziell genug sind, um vor Gericht geprüft zu werden. Eine Stellungnahme des Unternehmens steht bislang aus.
Ein Verfahren mit Signalwirkung
Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl rechtlicher Auseinandersetzungen rund um große Digitalplattformen. Auch in den USA läuft bereits ein separates Verbraucherverfahren gegen Valve. Angesichts der Marktmacht von Steam ist das kein kleines Thema. Die Plattform existiert seit 2003 und ist nach wie vor der mit Abstand größte Marktplatz für PC-Spiele. Schätzungen zufolge erschienen allein im vergangenen Jahr über 19.000 neue Titel auf Steam, mit Milliardenumsätzen.
Ob das britische Verfahren tatsächlich zu Entschädigungen führt, ist offen. Klar ist aber schon jetzt: Die Frage, wie viel Macht eine einzelne Plattform im digitalen Spielemarkt haben darf, wird künftig nicht mehr nur in Foren diskutiert, sondern vor Gericht entschieden.
Veröffentlicht: 30. Januar 2026 19:26 Uhr