Sechs Wochen nachdem Nintendo vor Gericht noch argumentierte, dass Mods nicht als „Stand der Technik“ gelten sollten, kommt nun die juristische Gegenwelle. Das japanische Patentamt (JPO) hat eine für den Palworld-Streit zentrale Nintendo-Patentanmeldung vorläufig abgelehnt. Begründung: Es fehle an einer erfinderischen Leistung, da vergleichbare Mechaniken bereits in anderen Spielen existierten. Zitiert wurden unter anderem ARK, Monster Hunter 4, Craftopia, Kantai Collection und sogar Pokémon GO. Die Quelle dieser Information: gamesfray.com, die erneut tief in die Akten geschaut haben.
- Von der Offensive zur Verteidigung
- Der Dominoeffekt innerhalb von Nintendos Patentfamilie
- Zwischen Gericht und Behörde
- Das Spiel der Ironie
- Die Szene schlägt zurück
- Frisches vom Feed
- Häufige Fragen zum Palworld-Patentstreit mit Nintendo
Von der Offensive zur Verteidigung
Was Nintendo im September noch als Verteidigungslinie aufbauen wollte, droht nun zur Schwachstelle zu werden. Damals wollte der Konzern Mods als unzulässige Referenzen ausschließen, um den eigenen Patenten mehr Gewicht zu verleihen. Jetzt aber beruft sich die offizielle Prüfstelle auf reale Spiele, Gameplay-Videos und Community-Material, also genau das, was Nintendo eigentlich aus dem juristischen Diskurs heraushalten wollte.
Nintendo steht nun vor der Entscheidung, ob die betroffene Patentanmeldung aufgegeben oder mit geänderten Ansprüchen weiterverfolgt wird. In der Praxis wird man Letzteres versuchen, doch der Schaden für die Glaubwürdigkeit der gesamten Patentstrategie ist bereits angerichtet. Denn das abgelehnte Patent ist kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Element in Nintendos sogenannter Monster-Capture-Familie, auf der gleich zwei der drei Klagen gegen Pocketpair beruhen.
Der Dominoeffekt innerhalb von Nintendos Patentfamilie
Diese Entwicklung könnte weitreichende Folgen haben. Wenn ein Mitglied dieser Patentfamilie ins Wanken gerät, wirft das auch Schatten auf die übrigen Patente. Schon früher hatte Nintendo eines davon während des laufenden Verfahrens ändern müssen. Jetzt zweifelt eine staatliche Behörde offen an der erfinderischen Höhe des nächsten.
Laut gamesfray.com basiert die Ablehnung auf einer sogenannten Drittparteieneingabe. Das bedeutet, jemand hat dem Patentamt gezielt Belege vorgelegt, um auf bestehende Technik hinzuweisen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Pocketpair oder jemand aus ihrem Umfeld diese Recherche initiiert hat. Denn viele der zitierten Beispiele, etwa ARK oder Monster Hunter, tauchen auch in den Verteidigungsunterlagen von Pocketpair auf. Sollten diese Verbindungen bestätigt werden, wäre das ein geschickter Schachzug: Nintendo wird damit mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
Zwischen Gericht und Behörde
Für den laufenden Prozess bedeutet die Entscheidung des Patentamts zwar keine unmittelbare Wendung. Der Fall vor dem Tokioter Bezirksgericht bleibt davon formal unberührt. Doch Richterinnen und Richter sind Juristinnen und Juristen, die den technischen Sachverstand der Prüferinnen und Prüfer respektieren. Wenn also das Patentamt die Neuheit von Nintendos angeblicher Erfindung anzweifelt, wird auch das Gericht kaum völlig unbeeindruckt bleiben. Es ist denkbar, dass Pocketpair die Entscheidung der Behörde in die Argumentation einbringt und versucht, die amtliche Feststellung als gerichtliche Tatsache anerkennen zu lassen.
Das Spiel der Ironie
Die Zeitschiene zeigt, wie schnell sich die Dynamik in diesem Streit verschiebt. Im September versuchte Nintendo, die Grenzen des Patentrechts zu verschieben, um Mods und Fanarbeiten aus dem juristischen Spielfeld zu drängen. Heute, Ende Oktober, steht der Konzern selbst unter Beschuss, weil die offizielle Behörde seine Anmeldungen als naheliegend betrachtet. Der Kreis schließt sich: Die Realität der Spieleentwicklung wird zur größten Bedrohung für die juristischen Ambitionen des Unternehmens.
Man kann das auch kulturgeschichtlich lesen. Die japanische Gaming-Branche war lange stolz auf ihr Innovationshandwerk, auf Mechaniken, die aus dem Zusammenspiel von Entwicklern und Spielenden entstanden. Jetzt zeigt sich, dass dieses Ökosystem auch rechtlich Gewicht hat. Wenn die Prüfer des JPO Spiele wie ARK oder Monster Hunter als „Stand der Technik“ anerkennen, dann ist das eine späte, aber deutliche Würdigung der kreativen Arbeit, die in der globalen Spieleszene entsteht.
Die Szene schlägt zurück
Pocketpair dürfte das mit Genugtuung sehen. Denn das, was Nintendo ihnen als Nachahmung vorwirft, wird nun möglicherweise selbst als Nachahmung bewertet. Ob Nintendo diese Niederlage in eine neue Strategie verwandelt oder weiter klammert, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Prozess wird sich weiter hinziehen. Eine Entscheidung vor 2026 scheint unwahrscheinlich.
Bereits in unserem Artikel vom 19. September haben wir darauf hingewiesen, dass Nintendos Linie riskant ist. Wer den Diskurs über Prior Art so eng zieht, spielt mit dem Feuer. Jetzt hat sich das bestätigt. Die Szene, die Nintendo zu kontrollieren versucht, hat ihn überholt, technisch, kulturell und vielleicht bald auch juristisch.
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Häufige Fragen zum Palworld-Patentstreit mit Nintendo
Was hat das japanische Patentamt entschieden?
Das japanische Patentamt (JPO) hat eine Nintendo-Patentanmeldung abgelehnt, weil ähnliche Mechaniken bereits in Spielen wie ARK, Monster Hunter oder Craftopia existieren.
Was bedeutet das für Nintendos Klage gegen Pocketpair?
Die Ablehnung betrifft kein direktes Urteil, könnte aber die Argumentation im laufenden Prozess schwächen, da sie Zweifel an der Neuheit von Nintendos Patenten weckt.
Könnte Nintendo die Anmeldung noch retten?
Ja, Nintendo kann die Ansprüche anpassen und erneut einreichen oder den Fall vor das Intellectual Property High Court bringen.
Was ist das japanische Patentamt (JPO)?
Das Japan Patent Office ist die zentrale Behörde für Patente und Marken in Japan. Es prüft und erteilt Schutzrechte für Erfindungen.
Was bedeutet Prior Art?
Als Prior Art gilt alles, was bereits vor der Patentanmeldung veröffentlicht oder genutzt wurde. Sie entscheidet, ob eine Erfindung wirklich neu ist.



Veröffentlicht: 3. November 2025 08:09 Uhr