Manchmal wirkt die Indie-Szene wie ein fragiles Biotop – voller Kreativität, voller Mut, aber eben auch abhängig von Plattformen, deren Entscheidungen über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Genau dort landet Santa Ragione jetzt mit voller Wucht. Horses, das nächste Horrorprojekt des Studios hinter Saturnalia und Wheels of Aurelia, wurde von Steam abgelehnt. Und laut Entwickler ohne konkrete Erklärung, was genau an dem Spiel nicht den Richtlinien entsprechen soll.
- Ein Bann, der mehr Fragen stellt als beantwortet
- Santa Ragione widerspricht deutlich
- Valve antwortet – und bleibt trotzdem nebulös
- Ein Studio am finanziellen Abgrund
- Ein wiederkehrendes Muster
Ein Bann, der mehr Fragen stellt als beantwortet
In ihrem Statement erzählen Santa Ragione sehr offen, wie es zu dem Bann kam – oder besser gesagt: wie viele Fragezeichen dabei entstanden. Die Version von Steam stammt aus dem automatisierten Review von 2023, in dem die Plattform erklärt, man werde keine Inhalte veröffentlichen, die in irgendeiner Weise sexuelle Darstellungen Minderjähriger beinhalten. Doch worauf sich dieser Verdacht im Fall Horses stützt, bleibt völlig unklar.
Der entscheidende Satz der Entwickler ist fast schon verzweifelt: Sie seien bereit gewesen, alles zu ändern, wenn man ihnen sagen würde, was genau das Problem sei. Aber sie bekamen keine Details – keine Szene, kein Bild, kein Hinweis, an dem sich arbeiten ließe.
Santa Ragione widerspricht deutlich
Im eigenen FAQ schreibt das Team, dass Horses zwar „einige sexuelle Elemente“ habe, diese aber nie auf Erregung zielen. Es gehe um Grenzerfahrungen, um unbequeme Stoffe und um Gespräche, die sonst nicht geführt würden. Der Bann sei nicht mit einem konkreten Inhalt begründet worden – und gerade das mache ihn so schwer greifbar.
Noch pikanter wird es, wenn das Studio darauf hinweist, dass Steam gleichzeitig extrem gewalttätige Spiele und explizite Pornospiele problemlos vertreibt. Nicht, um abzulenken, sondern um zu zeigen, wie unklar die Entscheidung wirkt.
Valve antwortet – und bleibt trotzdem nebulös
Ein späteres Update von Valve bringt zumindest etwas mehr Ablauf in die Geschichte. Das Unternehmen erklärt, man habe basierend auf der Store-Seite zunächst eine genauere Prüfung des Builds verlangt, das Spiel getestet und anschließend Feedback gegeben, warum man es nicht veröffentlichen werde. Der Entwickler habe erneut um erneute Prüfung gebeten, doch die finale Entscheidung sei unverändert geblieben.
Auch hier: kein Hinweis darauf, welcher Inhalt überschritten hat, was Steam als Grenze definiert.
Ein Studio am finanziellen Abgrund
Santa Ragione klingt in seinem Statement nicht trotzig, sondern erschöpft. Rund 100.000 US-Dollar sind bereits in Horses geflossen, Publisher wollten keinen Titel finanzieren, der nicht auf Steam erscheint, und private Kredite der eigenen Freunde halten das Studio überhaupt erst am Leben. Wenn Horses floppt, sagt das Team, könnte das Studio schließen müssen.
Man spürt zwischen den Zeilen diese Angst – die Angst davor, dass ein kreatives Projekt an einer Tür scheitert, deren Klinke nie gezeigt wurde.
Ein wiederkehrendes Muster
Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass Santa Ragione von einer Plattform ohne klare Hinweise ausgebremst wird. Bereits Wheels of Aurelia verschwand einmal kommentarlos aus dem App Store, ebenfalls ohne nachvollziehbare Begründung. Die Parallele ist offensichtlich – und schmerzt.
Am Ende bleibt ein Spiel, das erscheinen wird, aber nicht dort, wo die meisten Leute Spiele kaufen. Und ein Studio, das um sein Überleben kämpft, während eine Debatte über Plattformmacht, Richtlinien und Transparenz wieder aufflammt.
Veröffentlicht: 2. Dezember 2025 02:49 Uhr