Die jüngsten Entlassungen bei Rockstar Games in Edinburgh haben es bis ins britische Parlament geschafft. Während der Prime Minister’s Questions wurde der Fall direkt an Premierminister Keir Starmer herangetragen – mit ungewöhnlich klaren Worten. Starmer bezeichnete die Situation als „deeply concerning“ und kündigte an, dass die Regierung den Vorgang prüfen werde.
- Ein lokaler Fall mit nationaler Tragweite
- Starmer stellt sich hinter Arbeitnehmerrechte
- Bereits zuvor politische Reaktionen
- Ein Signal über die Branche hinaus
Ein lokaler Fall mit nationaler Tragweite
Angestoßen wurde die Debatte von Chris Murray, Labour-Abgeordneter für Edinburgh East und Musselburgh. In seinem Wahlkreis waren im vergangenen Monat 31 Mitarbeitende von Rockstar Games entlassen worden. Laut Murray sei dies ohne ausreichende Begründung und ohne gewerkschaftliche Vertretung geschehen.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der Independent Workers’ Union of Great Britain. Die IWGB spricht offen von Union Busting – also gezielten Maßnahmen gegen gewerkschaftliche Organisierung. Murray sagte im Parlament, dass Gespräche mit Rockstar ihn nicht davon überzeugt hätten, dass das Unternehmen britisches Arbeitsrecht vollständig einhalte.
Starmer stellt sich hinter Arbeitnehmerrechte
In seiner Antwort ließ Keir Starmer wenig Interpretationsspielraum. Er betonte, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in Großbritannien das Recht habe, einer Gewerkschaft beizutreten. Die Regierung sei entschlossen, Arbeitnehmerrechte zu stärken und sicherzustellen, dass niemand wegen gewerkschaftlicher Aktivität benachteiligt werde.
Der Premierminister kündigte an, dass zuständige Minister den konkreten Fall prüfen und Murray über die Ergebnisse auf dem Laufenden halten würden. Allein diese Zusage ist bemerkenswert – selten finden einzelne Entlassungswellen aus der Games-Branche direkt Eingang in die politische Agenda auf höchster Ebene.
Bereits zuvor politische Reaktionen
Es ist nicht das erste Mal, dass der Fall Rockstar politische Aufmerksamkeit erhält. Bereits im November hatte Christine Jardine, Liberal-Democrat-Abgeordnete für Edinburgh West, öffentlich auf die Entlassungen hingewiesen und Minister dazu aufgefordert, betroffene Beschäftigte zu unterstützen und ähnliche Fälle künftig zu verhindern.
Auch außerhalb des Parlaments ist der Konflikt sichtbar. Die IWGB organisierte Proteste vor dem Take-Two-Hauptsitz in London sowie vor Rockstars Studio in Edinburgh. Gewerkschaftssekretär Henry Chango Lopez sprach dort von klaren Verstößen gegen das Arbeitsrecht und warf dem Unternehmen vor, gezielt jene Beschäftigten ins Visier genommen zu haben, die am Aufbau einer Betriebsorganisation beteiligt waren.
Ein Signal über die Branche hinaus
Dass ein Premierminister Entlassungen in einem einzelnen Games-Studio öffentlich als „zutiefst besorgniserregend“ bezeichnet, ist ein starkes Signal. Der Fall Rockstar steht damit nicht mehr nur für einen internen Arbeitskonflikt, sondern für eine größere Frage: wie ernst Arbeitnehmerrechte in einer globalisierten, profitablen Kreativindustrie tatsächlich genommen werden.
Wie die Untersuchung der Regierung ausgehen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass der Blick auf Arbeitsbedingungen in der Games-Branche in Großbritannien spürbar schärfer geworden ist.
Veröffentlicht: 23. Dezember 2025 05:00 Uhr