Die EU Petition von Stop Killing Games hat das formale Ziel erreicht. Mit 1.294.188 gültigen Unterschriften überschreitet sie die Schwelle, ab der sich die Europäische Kommision mit dem Anliegen befassen muss. Damit wechselt die Initiative von der Community Ebene in den politischen Raum. Die Zahl allein erzeugt noch keine Gesetzgebung. Sie erzwingt jedoch eine Anhörung und eine öffentliche Positionierung.
- Was die Zahlen aussagen
- Der Auslöser The Crew
- Position der Industrie
- Blick nach Großbritannien
- Frisches vom Feed
- Ökonomische Gegenargumente
- Mehr als Serverkosten
Was die Zahlen aussagen
Von rund 1,5 Millionen abgegebenen Stimmen fielen etwa zehn Prozent durch das Prüfverfahren. Nach Angaben von Organisator Moritz Katzner liegt diese Quote im oberen Erfolgsbereich vergleichbarer EU-Bürgerinitiativen. Deutschland und Frankreich stellten den größten Anteil der Stimmen. Das verweist auf eine starke Mobilisierung in Märkten mit hoher PC- und Konsolen-Dichte. Offene Daten zu Alter oder Plattformpräferenzen der Unterzeichnenden liegen nicht vor. Diese Lücke begrenzt die Detailanalyse der Zielgruppe.
Der Auslöser The Crew
Der konkrete Anlass der Kampagne liegt im Jahr 2024. Ubisoft schaltete das Online-Rennspiel “The Crew” nach zehn Jahren ab. Da zentrale Spielfunktionen servergebunden waren, verlor das Produkt faktisch seine Nutzbarkeit. Stop Killing Games griff diesen Fall auf und formulierte daraus eine grundsätzliche Forderung. Spiele mit verkauften Lizenzen sollen nach Serverabschaltung in einen spielbaren Zustand überführt werden.
Position der Industrie
Der europäische Branchenverband Video Games Europe reagierte bereits 2025. In seiner Stellungnahme betont der Verband die wirtschaftliche Dimension. Der Betrieb alter Online-Infrastruktur verursache laufende Kosten und müsse aus kommerziellen Gründen beendet werden können. Zugleich verweist die Organisation auf bestehende Verbraucherschutzgesetze und Ankündigungsfristen. Konkrete Vorschläge zur dauerhaften Spielbarkeit nach Abschaltung enthält das Statement nicht.
Blick nach Großbritannien
Parallel entstand im Vereinigten Königreich eine ähnliche Petition. Sie blieb mit etwas über 10.000 Stimmen deutlich kleiner. Die Antwort der Regierung fiel klar aus. Das Department of Culture Media and Sport sieht keine gesetzliche Pflicht zur Unterstützung älterer Software oder Server. Die Erklärung verweist auf sinkende Nutzerzahlen und hohe Betriebskosten. Eine politische Weiterverfolgung ergab sich daraus nicht.
Frisches vom Feed
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Ökonomische Gegenargumente
Kritik kommt auch aus der Distributionspraxis. GOG Geschäftsführer Maciej Gołębiewski warnte Anfang 2026 vor möglichen Nebenwirkungen. Eine Verpflichtung zum unbegrenzten Online-Betrieb könne dazu führen, dass weniger Spiele entwickelt werden. Diese Aussage bleibt allgemein. Konkrete Berechnungen oder Szenarien nannte er nicht.
Mehr als Serverkosten
Die Debatte greift zu kurz, wenn sie sich auf laufende Serverkosten und wirtschaftliche Zumutbarkeit beschränkt. Der größere Konflikt liegt im Lizenzmodell selbst. In den Nutzungsbedingungen vieler Spiele steht, dass Spieler:innen keine Produkte erwerben, sondern lediglich eine widerrufbare Nutzungserlaubnis. Diese Logik gilt unabhängig davon, ob ein Spiel digital oder auf Datenträger gekauft wurde.
Besonders problematisch wirkt das dort, wo Lizenzen auch bei physischen Kopien den vollständigen Entzug der Nutzung vorsehen. In diesen Fällen verpflichtet die Bedingungen Käufer:innen theoretisch dazu, vorhandene Kopien zu löschen oder zu vernichten, sobald der Publisher die Lizenz beendet. Der gezahlte Kaufpreis ändert daran nichts. Rechtlich bleibt das Spiel Eigentum des Rechteinhabers, praktisch verliert der Käufer jede Verfügungsgewalt.
Genau dieser Punkt hat Stop Killing Games getragen. Es geht nicht allein um abgeschaltete Onlinefunktionen, sondern um das Grundverständnis von Besitz im Spielemarkt. Wer einen Vollpreistitel kauft, erwartet Zugriff auf das Werk. Die derzeitige Praxis definiert diesen Zugriff als jederzeit entziehbar. Ob daraus verbindliche Regeln entstehen, entscheidet die Politik. Die Petition hat sichtbar gemacht, dass viele Spieler:innen dieses Modell nicht mehr akzeptieren.



Veröffentlicht: 27. Januar 2026 11:35 Uhr