Ubisoft hat ein Halbjahr hinter sich, das sich anfühlt wie eine Atempause nach Jahren voller Schieflagen. Die Bilanz ist deutlich stabiler und wirkt, als hätte das Unternehmen endlich wieder Kontrolle über sein eigenes Tempo. Allerdings zeigt der Bericht auch, wie sehr Ubisoft noch immer vom eigenen Erbe lebt. Das Wachstum ist real, aber es ruht auf Fundamenten, die längst modernisiert werden sollen.
- Der alte Katalog stemmt die neue Bilanz
- Wo der Lack abplatzt
- Ubisoft baut um und baut ab
- Tencent bringt Ruhe, aber keine Antwort auf die Kernfrage
- Ein Comeback, das mehr Mut verlangt
- Was jetzt zählt: ein Spiel, das Türen öffnet
- Frisches vom Feed
- Häufig gestellte Fragen zu Ubisoft und dem Geschäftsbericht
Der alte Katalog stemmt die neue Bilanz
Die rund 772 Millionen Euro Nettobuchungen sind ein starkes Ergebnis, besonders mit einem Plus von mehr als 20 Prozent. Entscheidend ist jedoch die Herkunft dieser Summe. Mehr als 90 Prozent stammen aus Spielen, die seit Jahren auf dem Markt stehen. Assassin’s Creed, The Division und Rainbow Six tragen das Unternehmen so zuverlässig wie ein eingefahrener Klassiker, der auch im fünften Wiederholungszyklus noch Publikum findet.
Assassin’s Creed Mirage zeigt, wie berechenbar diese Marken funktionieren. Ein großes Gratis-Update genügt, damit die Spielerzahlen über die Marke von zehn Millionen springen. The Division 2 übertrifft das gesamte letzte Geschäftsjahr und liefert den nächsten Beleg dafür, dass Ubisoft mit seinen langen Servicephasen kaum Konkurrenz hat. Selbst die Netflix-Serie Splinter Cell: Deathwatch beschleunigt das Interesse an einer Marke, die im Spielebereich jahrelang auf Standby stand.
Wo der Lack abplatzt
Trotz der starken Gesamtzahl trägt die Rechnung nicht überall. Rainbow Six Siege verliert Aktivität, weil eine Welle an Cheatern die Balance zerstört. Für ein Live-Service-Spiel dieser Größe ist das nicht nur ein Betriebsrisiko, sondern ein Vertrauensproblem, das sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen lässt.
Anno 117 erhält hervorragende Rezensionen und beweist, dass Ubisoft im Aufbaugenre weiterhin ein durchdachtes Händchen hat. Dennoch bleibt es ein Titel für eine klar definierte Zielgruppe. Was fehlt, ist ein Spiel, das über das Stammpublikum hinaus Aufmerksamkeit erzeugt und das Portfolio inhaltlich erweitert.
Ubisoft baut um und baut ab
Parallel zur wirtschaftlichen Erholung straft Ubisoft die eigene Struktur vielseitig ab. Das neue Modell der Creative Houses soll Teams mehr Freiheit bieten und Reibungsverluste reduzieren. Gleichzeitig wurden in einem Jahr rund 1500 Jobs gestrichen. Die Kostensenkung wird bis 2027 fortgesetzt und prägt den erneuten Fokus auf Effizienz.
Dass das Betriebsergebnis nun wieder positiv ist, basiert weniger auf einem kreativen Aufschwung als auf konsequenter Sparpolitik. Die kreative Schlagkraft eines Unternehmens lässt sich jedoch nicht in Tabellen messen, und dieser Teil der Bilanz wirkt weiterhin unentschlossen.
Tencent bringt Ruhe, aber keine Antwort auf die Kernfrage
Die nahezu abgeschlossene Transaktion mit Tencent über 1,16 Milliarden Euro wird Ubisoft fast vollständig entschulden. In einem Markt, der stark unter wirtschaftlichem Druck steht, ist dies ein enormer Vorteil. Kurzfristig entsteht damit Stabilität. Langfristig bleibt jedoch offen, wie stark Ubisoft dadurch in internationale Abhängigkeiten gerät und ob das Unternehmen die zusätzliche Freiheit nutzt, um wieder mutiger zu entwickeln.
Ein Comeback, das mehr Mut verlangt
Ubisoft hat die Trendwende eingeleitet, aber noch nicht den Schritt getan, der den Verlag wieder als kreativen Impulsgeber etabliert. Die Bilanz zeigt Fortschritte und Stabilität, doch der kreative Motor läuft nicht auf voller Drehzahl. Solange die großen Impulse aus dem Archiv kommen, bleibt die Wende unvollständig.
Was jetzt zählt: ein Spiel, das Türen öffnet
Das kommende Jahr wird darüber entscheiden, ob Ubisoft wieder ein Unternehmen mit echtem Innovationsdrang wird oder ob es weiter von etablierten Marken lebt. Der Back-Katalog hat das Fundament gesichert. Die Zukunft entscheidet sich aber daran, ob Ubisoft den Mut findet, eine neue Serie zu etablieren oder einen bestehenden Namen so weiterzuentwickeln, dass daraus mehr entsteht als der nächste langfristige Serviceplan.
Frisches vom Feed
- PlayStation Portal OLED: Erfolg treibt offenbar neue Version an
- PS6 Release wackelt: Analyst sieht längere PS5 Ära
- Kingdom Come Deliverance erhält PS5 Label: Patch oder Remaster?
- EA FC 26 TOTW 20: Deutsche Ligen liefern, Stars fehlen
Häufig gestellte Fragen zu Ubisoft und dem Geschäftsbericht
Was ist Ubisoft?
Ubisoft ist ein internationaler Spielepublisher mit Marken wie Assassin’s Creed, Rainbow Six, Far Cry und The Division.
Was bedeutet Back-Katalog im Gaming?
Der Back-Katalog umfasst ältere Spiele eines Publishers, die weiterhin verkauft oder als Live-Service betrieben werden.
Wie hoch waren Ubisofts Nettobuchungen im ersten Halbjahr 2025/26?
Die Nettobuchungen betrugen rund 772 Millionen Euro.
Warum stammen über 90 Prozent der Einnahmen aus älteren Spielen?
Ubisofts etablierte Marken besitzen sehr aktive Communities und erzielen stabile Umsätze, während neue Titel weniger stark performen.
Welche Risiken sieht der Bericht für Ubisoft?
Wesentliche Risiken sind Cheater-Probleme, der fehlende neue Hit und die Auswirkungen des strukturellen Umbaus mit Stellenabbau.



Veröffentlicht: 21. November 2025 10:36 Uhr