Es ist eine dieser Meldungen, die man nicht einfach nüchtern wegliest. Ubisoft hat per interner Mail bestätigt, dass das Studio Ubisoft Halifax geschlossen wird. 71 Arbeitsplätze sind betroffen. Begründet wird der Schritt mit konzernweiten Sparmaßnahmen und einer laufenden Umstrukturierung. Und doch bleibt da dieses unangenehme Timing.
Denn nur wenige Wochen zuvor hatten sich die Mitarbeitenden in Halifax gewerkschaftlich organisiert. Rund 60 Beschäftigte schlossen sich der Game & Media Workers Guild of Canada an. Ubisoft betont, die Entscheidung zur Schließung sei „lange vorher“ gefallen und stehe in keinerlei Zusammenhang mit der Gewerkschaftsgründung. Man respektiere selbstverständlich das Recht auf Organisation. Worte, die man in der Branche inzwischen oft hört – und trotzdem selten ohne Stirnrunzeln liest.
Ein Studio, ein Spiel, ein schleichendes Ende
Ubisoft Halifax war vor allem für Assassin’s Creed Rebellion bekannt, ein Free-to-play-Strategiespiel, das bereits 2018 erschien. Die Live-Services liefen zuletzt spürbar ruhiger, neue Inhalte wurden seltener, die Einnahmen gingen zurück. Dass Ubisoft nun den Stecker zieht, überrascht wirtschaftlich betrachtet kaum. Emotional – und strukturell – ist es dennoch ein harter Einschnitt.
Die kanadische Gewerkschaft CWA Canada kündigte an, „alle rechtlichen Mittel“ auszuschöpfen, um die Rechte der Betroffenen zu schützen. In Statements ist von offenen Fragen die Rede, von fehlender Transparenz und dem Bedarf an weiteren Informationen. Für die Beschäftigten kommt die Schließung nicht nur plötzlich, sondern in einer Phase, in der sie eigentlich gehofft hatten, mehr Mitspracherecht und Sicherheit aufzubauen.
Ein größerer Umbau bei Ubisoft
Die Schließung passt in ein größeres Bild. Ubisoft befindet sich seit Monaten im Umbau. Mit Tencent als Minderheitsbeteiligtem wurde zuletzt eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die zentrale Marken wie Assassin’s Creed verantwortet. Ubisoft spricht von weniger Zentralisierung, mehr Verantwortung für kreative Teams, effizienteren Strukturen. Auf dem Papier klingt das nach Empowerment. In der Realität bedeutet es für viele Standorte vor allem Unsicherheit.
Dass ausgerechnet ein frisch organisiertes Studio schließen muss, wird die Diskussion um Arbeitsrechte in der Gamesbranche weiter anheizen. Ob rechtlich alles sauber ablief, werden Gerichte klären müssen. Für die Betroffenen bleibt vor allem das Gefühl, dass sie Teil eines Systems sind, in dem wirtschaftliche Kennzahlen oft schneller zählen als Menschen. Und genau dieses Gefühl ist es, das aktuell immer mehr Entwickler:innen dazu bringt, sich zu organisieren – trotz aller Risiken.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:36 Uhr