Magic: The Gathering ist längst mehr als ein Kartenspiel. Es ist Sammlermarkt, Lifestyle-Produkt, Einnahmemotor – und für Hasbro eines der letzten wirklich verlässlichen Zugpferde. Genau das steht jetzt im Zentrum einer neuen Aktionärsklage, die dem Konzern vorwirft, seine wichtigste Marke aus kurzfristigem Kalkül selbst zu entwerten.
- Wenn mehr Sets plötzlich kein Wachstum mehr sind
- Das 30th Anniversary Set und die Frage nach der Wahrheit
- Hasbro weist alles zurück
Eingereicht wurde die Klage in Rhode Island von zwei Hasbro-Aktionären. Ihr Vorwurf richtet sich nicht nur gegen das Unternehmen, sondern explizit gegen CEO Christian Cocks und mehrere Mitglieder des Vorstands. Der Kern: zu viele Sets, zu schnell, zu wenig Rücksicht auf langfristigen Wert. Und ein besonders heikler Punkt, der Magic-Spieler:innen noch gut im Gedächtnis ist – das berüchtigte 30th Anniversary Set.
Wenn mehr Sets plötzlich kein Wachstum mehr sind
Dass Wizards of the Coast heute deutlich mehr Magic-Produkte veröffentlicht als noch vor ein paar Jahren, ist kein Geheimnis. Neue Standard-Sets, Commander-Produkte, Secret Lairs, Universes Beyond – der Release-Kalender ist so dicht, dass selbst aktive Spieler:innen kaum hinterherkommen. Laut Klage soll genau das zum Problem geworden sein.
Die Aktionäre argumentieren, dass Hasbro unter Cocks bewusst mehr Sets auf den Markt wirft, als die Nachfrage langfristig tragen kann. Kurzfristig steigen die Umsätze, langfristig verlieren Karten an Wert. Für Sammler:innen ein Ärgernis, für Investor:innen ein Warnsignal. In der Klage wird behauptet, Magic sei gezielt genutzt worden, um finanzielle Schwächen in anderen Geschäftsbereichen zu kaschieren.
Intern wird dieses Vorgehen offenbar als „Parachute Strategy“ bezeichnet. Die Idee: Wenn irgendwo im Konzern ein Loch entsteht, wird ein neues Magic-Produkt fallen gelassen. Anfangs vor allem günstige Reprint-Sets, später auch größere Releases. Laut Klageschrift sollen diese sogenannten Fallschirm-Produkte zeitweise fast die Hälfte aller Magic-Veröffentlichungen ausgemacht haben.
Das 30th Anniversary Set und die Frage nach der Wahrheit
Richtig brisant wird es beim zweiten großen Vorwurf. Dabei geht es um das Magic: The Gathering 30th Anniversary Set – ein Produkt, das schon bei Ankündigung für Kopfschütteln sorgte. Vier Boosterpacks mit nicht turnierlegalen Reprints, darunter Karten, die Wizards eigentlich nie wieder drucken wollte. Preis: knapp 1.000 Dollar.
Offiziell war das Set nach weniger als einer Stunde ausverkauft. So zumindest die Kommunikation nach außen. Die Klage behauptet nun etwas anderes. Demnach sei der Verkauf intern bewusst gestoppt worden, weil die Nachfrage deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Öffentlich habe man jedoch den Eindruck erweckt, das Produkt sei vergriffen gewesen – inklusive entsprechender Aussagen auf Social Media.
Besonders schwer wiegt eine Passage in der Klageschrift, die sich auf Aussagen ehemaliger Mitarbeitender stützt. Demnach seien kurz nach dem Verkaufsstopp Fotos aufgetaucht, die unverkaufte Anniversary Sets zeigen sollen – entsorgt auf einer Deponie in Texas, zusammen mit älteren Magic-Produkten. Ein Bild, das kaum besser zu den Vorwürfen von Verschwendung und Missmanagement passen könnte.
Hasbro weist alles zurück
Hasbro selbst reagiert erwartungsgemäß kühl. Die Vorwürfe hätten keine Grundlage, heißt es. Die Strategie rund um Magic sei bewusst gewählt worden und die Ergebnisse würden für sich sprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass Investoren diese Entwicklung kritisch sehen. Schon vor Jahren warnten Analysten davor, dass zu viele Releases den langfristigen Markenwert untergraben könnten.
Ironischerweise zeigt ausgerechnet das aktuelle Set, Lorwyn Eclipsed, dass Nachfrage durchaus noch da ist – zumindest, wenn Nostalgie, Thema und Timing stimmen. Doch genau das macht die Diskussion so heikel. Denn wenn selbst ein Milliarden-Franchise wie Magic an seine Grenzen stößt, stellt sich weniger die Frage nach einzelnen Produkten als nach der Richtung insgesamt.
Ob die Klage Erfolg haben wird, ist offen. Sicher ist nur: Die Debatte darüber, wie viel Magic zu viel Magic ist, dürfte damit erst richtig Fahrt aufnehmen.
Veröffentlicht: 26. Januar 2026 01:00 Uhr