Netflix hat den Bieterkampf um Warner Bros. Discovery verloren – freiwillig. Nachdem Paramount Skydance ein Gebot von 111 Milliarden Dollar vorlegte, zog sich der Streaming-Riese zurück.
- 111 Milliarden und ein stiller Abgang
- Was wird aus Harry Potter, Mortal Kombat und dem ganzen Rest?
- Die Frage nach dem Stellenwert
- Hollywood so: Was sind Games?
Für die Gaming-Sparte WB Games, zu der Harry Potter, Mortal Kombat und Batman gehören, beginnt eine Phase maximaler Unsicherheit. Paramount hat bislang keine Gaming-Pläne kommuniziert.
Auf einen Blick
- Netflix lehnte am 26. Februar 2026 ab, sein Gebot von 27,75 Dollar pro Aktie zu erhöhen
- Paramount Skydance bietet 31 Dollar pro Aktie, rund 111 Milliarden Dollar gesamt
- Netflix erhält 2,8 Milliarden Dollar Auflösungsgebühr
- WB Games wurde zuletzt um Kern-Franchises restrukturiert, Studios geschlossen
- WB-Chef JB Perrette: Große Titel erst ab 2027/28 geplant
111 Milliarden und ein stiller Abgang
Der größte Medien-Deal der jüngeren Geschichte hat eine neue Wendung genommen – und für die Gaming-Branche keine gute. Netflix, das im Dezember 2025 einen Vertrag über den Kauf von Warner Bros. unterschrieben hatte, ließ das Angebot am 26. Februar fallen.
Der Grund: Paramount Skydance legte 31 Dollar pro Aktie auf den Tisch – Netflix hatte 27,75 geboten und war nicht bereit, nachzulegen. Statt mitzubieten, kassierte der Streaming-Gigant lieber die Auflösungsgebühr von 2,8 Milliarden Dollar.
Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters formulierten den Rückzug betont nüchtern: Der Deal sei „nice to have” zum richtigen Preis gewesen, aber kein „must have” um jeden Preis.
An der Börse stieg die Netflix-Aktie daraufhin um mehr als zehn Prozent – die Anleger teilten offensichtlich die Skepsis gegenüber einer Übernahme, die das Unternehmen mit Milliardenschulden belastet hätte. Sarandos hatte laut Berichten am selben Tag das Weiße Haus besucht.
Gegenüber Präsident Trump soll er gesagt haben: „Ich habe Ihren Rat befolgt” – eine Anspielung auf Trumps frühere Warnung, nicht zu viel zu bezahlen. Der höflichste Abschied, den sich ein 83-Milliarden-Deal wünschen kann.
Was wird aus Harry Potter, Mortal Kombat und dem ganzen Rest?
Für WB Games ist die Situation besonders heikel. Die Division wurde 2025 bereits massiv umstrukturiert. Studios wurden geschlossen, darunter Player First Games, das MultiVersus-Studio. JB Perrette, zuständig für WB Games und Streaming, sprach bei der jüngsten Quartalsbilanz von einem „Reset-Jahr” und räumte ein, man habe sich mit zu vielen IPs und zu vielen Studios verzettelt.
Die eigentlichen Früchte sollen erst 2027 und 2028 kommen – dann mit Rückbesinnung auf die größten Franchises wie Harry Potter und Mortal Kombat.
Was Paramount mit dieser Gaming-Sparte vorhat, bleibt ein Rätsel. David Ellison, CEO von Paramount Skydance, hat bislang keine Gaming-Strategie skizziert. Kein Wort zu Harry Potter, kein Wort zu Mortal Kombat, kein Wort zu den verbleibenden Studios. Der gesamte Fokus seiner Übernahmekommunikation lag auf HBO, CNN und dem Filmpotenzial.
Die Spielebranche taucht in keiner öffentlichen Stellungnahme auf – als existiere sie nicht. Angesichts der Tatsache, dass Hogwarts Legacy über 24 Millionen Exemplare verkauft hat, ist das mindestens bemerkenswert, wahrscheinlicher aber alarmierend.
Die Frage nach dem Stellenwert
Die Fusion birgt Risiken, die weit über Gaming hinausgehen. Das kombinierte Unternehmen aus Paramount und Warner Bros. Discovery wird über 78 Milliarden Dollar Schulden tragen. Branchenbeobachtende rechnen mit massiven Entlassungswellen bei der Zusammenlegung von Paramount Pictures und Warner Bros.
Senator Cory Booker forderte David Ellison auf, vor einem Senats-Ausschuss für Kartellrecht zu erscheinen. Ellison und sein Vater Larry, CEO von Oracle, gelten als politische Verbündete der Trump-Administration.
Der Deal braucht noch die Genehmigung der Regulierungsbehörden, die in einem politisch aufgeladenen Klima keineswegs garantiert ist. Weitere Wendungen sind wahrscheinlich.
Für die Gaming-Branche stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wenn selbst Netflix – ein Unternehmen, das seit Jahren aktiv in eigene Gaming-Entwicklung investiert und Spiele in sein Abo integriert – WB Games nicht als „must have” betrachtet, was sagt das über den Stellenwert klassischer Gaming-Divisionen in Medienkonzernen?
Dass Warner Bros. in drei Jahren potenziell drei verschiedene Besitzer gehabt haben könnte, ohne dass einer davon eine klare Vision für die Spielesparte formuliert hat, beantwortet die Frage eigentlich schon.
Hollywood so: Was sind Games?
Hogwarts Legacy hat über 24 Millionen Exemplare verkauft. WB Games ist trotzdem das Beiwerk in einem 111-Milliarden-Deal. Drei Besitzer in drei Jahren, und keiner stellt Gaming ins Schaufenster. In Hollywood heißt das wohl: „Nice IP, but make it streaming.”
Veröffentlicht: 2. März 2026 09:54 Uhr