Das Weiße Haus prüft, ob der chinesische Tech-Konzern Tencent seine Beteiligungen an US-Spielefirmen abgeben muss. Betroffen wären unter anderem die Komplettübernahme von Riot Games und der 28-Prozent-Anteil an Epic Games.
- Tencents Gaming-Imperium auf der Kippe
- TikTok-Szenario für die Spielebranche
- Private Equity wartet schon
- Politik und Gaming?
Das CFIUS-Komitee untersucht, ob die Investments ein Sicherheitsrisiko darstellen – vor dem geplanten Trump-Xi-Gipfel im April. Eine Entscheidung hätte Auswirkungen auf League of Legends, Fortnite und die gesamte westliche Spielebranche.
Auf einen Blick
- Tencent besitzt 100 % von Riot Games (LoL, Valorant) und ca. 28 % von Epic Games (Fortnite, Unreal Engine)
- CFIUS-Prüfung läuft seit der ersten Trump-Administration (2020), bisher ohne Konsens
- Geplantes Kabinettstreffen am 3. März 2026 wurde verschoben
- Tencent wurde 2025 auf die Pentagon-Liste chinesischer Militärunternehmen gesetzt
- Trump-Xi-Gipfel im April 2026 als möglicher Zeitrahmen für Entscheidung
Tencents Gaming-Imperium auf der Kippe
Die Liste liest sich wie ein Who’s Who der globalen Spieleindustrie. Tencent besitzt Riot Games komplett – das Studio hinter League of Legends, Valorant und Teamfight Tactics. Dazu kommen 28 Prozent an Epic Games, dem Fortnite-Entwickler und Betreiber der Unreal Engine, die weit über Gaming hinaus in Film, Architektur und militärischer Simulation genutzt wird.
Turtle Rock Studios (Back 4 Blood), eine Mehrheitsbeteiligung an Supercell (Clash of Clans) und Minderheitsanteile an Ubisoft, Remedy, FromSoftware und Paradox Interactive vervollständigen das Portfolio.
TikTok-Szenario für die Spielebranche
Das US-Sicherheitskomitee CFIUS prüft diese Investments nicht zum ersten Mal. Bereits 2020 begann eine Untersuchung, die sich zum längsten laufenden CFIUS-Fall entwickelt hat. Unter Biden war man sich intern uneins: Das Justizministerium favorisierte eine Zwangsveräußerung, das Finanzministerium setzte auf Datenschutzvereinbarungen als Kompromiss.
Eine Einigung kam nie zustande. Jetzt, unter der zweiten Trump-Administration, hat die Debatte neue Dringlichkeit bekommen.
Private Equity wartet schon
Parallelen zur TikTok-Übernahme drängen sich auf. Auch dort führte eine nationale Sicherheitsprüfung zu einer erzwungenen Veräußerung – das US-Geschäft ging an ein Konsortium unter Beteiligung von Oracle und dem Schwiegersohn des Präsidenten. Dass eine ähnliche Konstellation bei Riot oder Epic entstehen könnte, beunruhigt Branchenbeobachter.
Private-Equity-Firmen, die bei solchen Deals typischerweise einspringen, haben keine berauschende Bilanz in der Spielebranche. Die Saudi-Arabien-gestützte Übernahme von Electronic Arts im vergangenen Jahr ist für viele ein warnendes Beispiel.
Tencent selbst hat die Einstufung als Militärunternehmen scharf zurückgewiesen und rechtliche Schritte angedroht. Doch das ändert nichts an der politischen Realität: Vor dem Trump-Xi-Gipfel im April könnte die Tencent-Frage zum Verhandlungsinstrument werden.
Für Studios wie Riot, die seit über einem Jahrzehnt unter Tencents Dach operieren, wäre ein Eigentümerwechsel ein tektonischer Einschnitt – mit unkalkulierbaren Folgen für laufende Projekte, Mitarbeiter und die League-of-Legends-Esport-Szene.
Politik und Gaming?
Ob Tencent tatsächlich verkaufen muss, ist offen. Sicher ist nur, dass die Spielebranche gerade erlebt, was passiert, wenn Geopolitik auf Lootboxen trifft.
League of Legends als Verhandlungsmasse zwischen Washington und Peking – das klingt nach einem Plottwist, den sich selbst Riot nicht hätte ausdenken können.
Veröffentlicht: 6. März 2026 12:45 Uhr