Anthem neu

Heute stirbt Anthem – Ein MMO-Shooter von EA, der eigentlich 10 Jahre laufen sollte

Der Loot-Shooter Anthem erschien am 22. Februar 2019 und wurde von BioWare und dem Publisher EA umgesetzt. Das Spiel hatte große Ambitionen, schließlich gab es einen regelrechten Hype um die Service-Games, und genau in diesen Markt wollte man unbedingt rein. Das Ziel war laut Mark Darrah, dem zwischenzeitlichen Chef-Entwickler von Anthem, ein Spiel in BioWare-Qualität mit den Umsätzen eines FIFAs zu kreieren. Darum wurden zum Start auch große Töne gespuckt.

Es war die Rede von riesigen Gebieten, spannenden Story-Elementen und Content für mindestens 10 Jahre. Es gab sogar Gerüchte, dass BioWare für die Entwicklung das MMORPG Star Wars: The Old Republic opfern würde, so groß soll das Vertrauen in den neuen Titel gewesen sein. 

Doch das, was 2019 präsentiert wurde, enttäuschte dann maßlos. Das grundlegende Gameplay mit den Kampfanzügen hat zwar Spaß gemacht und es gab auch einen funktionierenden Loop, doch alles Drumherum enttäuschte. Kritisiert wurden etwa der Loot, die Story, die eigentlich eine Stärke von BioWare sein sollte, und die Menge an Inhalten. Eigentlich sollte dann ein großes Rework folgen, das es nie zu einer Veröffentlichung geschafft hat. Stattdessen geht das Spiel heute, am 12. Januar 2026, endgültig offline.

Viele Fehlentscheidungen und andere Projekte sorgten für den Tod

Nach dem sehr enttäuschenden Release wurde von BioWare eine 2.0-Version versprochen. Die sollte vor allem den Spielerfortschritt und die Belohnungsstruktur überarbeiten und mehr Content bringen. Die Führung dafür ging von Mark Darrah an Christian Dailey über. Doch auch er konnte das Projekt nicht retten.

Denn schon im Dezember 2020 wurde er von Anthem abgezogen, um das neue Dragon Age: The Veilguard zu betreuen. Dort kam es zu personellen Engpässen. Im Februar 2021 entschied sich EA dann, Anthem endgültig seinem Schicksal zu überlassen und keinen neuen Content zu veröffentlichen. Es grenzt eigentlich an ein Wunder, dass das MMO überhaupt so lange lief.

Laut Mark Darrah lagen die Probleme aber ohnehin viel tiefer. Er erklärte in einem Video, dass dem Entwicklerteam über weite Strecken gar nicht klar war, was Anthem eigentlich sein sollte. So wurde die „Zukunft des Storytellings“ gepitcht, aber es soll keine konkreten Ziele oder Pläne gegeben haben. Viele Dokumente sollen passwortgeschützt und nicht jedem zugänglich gewesen sein, weil man große Angst vor Leaks hatte. Es wurde viel experimentiert, auch in Richtung Survival oder Parcouring. 

Diese vielen unbekannten Elemente sollen häufig zu Konflikten zwischen den narrativen Entwicklern und den Multiplayer-Elementen geführt haben. Als Hudson dann 2014 das Team verließ, herrschte lange ein Vakuum, bis Darrah 2017 die Leitung übernahm und die Kommunikation komplett änderte. Allerdings blieb ihm nicht genug Zeit, um alle Elemente von Anthem sinnvoll zusammenzubringen.

Ein Shooter, der so viel mehr hätte sein können

Anthem war kein miserables Spiel. Es bekam sogar an vielen Stellen Lob aus der Community, eben weil das Gameplay Spaß machte. Aber am Ende überwogen die Probleme und die mangelnde Bereitschaft, diese zu beseitigen. Der Loot-Shooter ist eine der größten „Was wäre wenn“-Geschichten in der Historie von EA, vielleicht sogar im ganzen Gaming.


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Esports & Gaming Journalist
Patrick Bieneck ist Fachredakteur für Gaming und Esport mit über 15 Jahren Erfahrung in der Branche. Als langjähriger Kenner der internationalen Szene berichtet er über aktuelle Entwicklungen in Counter-Strike 2, Esport-Turniere und die Gaming-Community. Er liefert tiefgründige Analysen, aktuelle News und spannende Einblicke in die Welt der Videospiele.