Der juristische Nachhall rund um die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft bekommt eine neue, ziemlich schräge Wendung. Bobby Kotick, ehemaliger CEO von Activision Blizzard, hat in einem neuen Gerichtsdokument auf die Klage des schwedischen Pensionsfonds Sjunde AP-Fonden (AP7) reagiert – und dabei gleich mehrere neue Zielscheiben eröffnet.
- Die Ursprungsvorwürfe gegen Kotick
- Koticks Gegenangriff: Embracer im Fokus
- Seitenhieb gegen Gewerkschaften
- Ein Deal ohne bessere Alternativen?
- Ein Fall mit vielen Nebenkriegsschauplätzen
Statt sich ausschließlich gegen die ursprünglichen Vorwürfe zu verteidigen, bringt Kotick nun Embracer Group sowie Gewerkschaften ins Spiel. Sein Vorwurf: Die Klage sei Teil eines größeren Machtspiels gewesen, das Activision gezielt geschadet habe.
Die Ursprungsvorwürfe gegen Kotick
AP7 hatte bereits im Jahr 2022 gegen Microsofts geplante Übernahme geklagt. Der Kern der Anschuldigung: Der Deal sei überstürzt abgeschlossen worden, um Kotick und den damaligen Vorstand vor den Folgen des massiven Belästigungs- und Missbrauchsskandals bei Activision Blizzard zu schützen.
Konkret argumentierte der Fonds, Kotick habe dem Verkauf zu einem Preis von 95 US-Dollar pro Aktie zugestimmt, weil der Aktienkurs nach der Klage wegen sexueller Belästigung im Sommer 2021 eingebrochen war. Ein besseres Angebot sei laut AP7 durch den Skandal verhindert worden.
Koticks Gegenangriff: Embracer im Fokus
In einer im Dezember eingereichten Stellungnahme, über die Game File berichtet, weist Kotick diese Darstellung scharf zurück. Besonders brisant: Er unterstellt AP7 „ulterior motives“ – also versteckte Beweggründe – und nennt dabei explizit Embracer als möglichen Profiteur der Klage.
Der Zusammenhang, den Kotick konstruiert, führt über Emma Ihre, die zum Zeitpunkt der Klage Vizevorsitzende von AP7 war und gleichzeitig eine Führungsrolle bei Embracer innehatte. Laut Kotick habe die Klage Activision geschwächt und damit konkurrierenden Publishern indirekt geholfen, ihre eigenen Spiele besser zu platzieren.
Embracer selbst reagierte umgehend und wies die Vorwürfe zurück. Man brauche weder Hilfe eines Pensionsfonds noch juristische Manöver, um mit Activision zu konkurrieren – auch wenn das für Kotick „schwer zu akzeptieren“ sei.
Seitenhieb gegen Gewerkschaften
Damit nicht genug. Kotick nutzte die Gelegenheit, um auch Gewerkschaften in den Konflikt hineinzuziehen. Er behauptet, dass Vorwürfe rund um Missstände bei Activision durch Kampagnen der Communications Workers of America verstärkt worden seien.
Seine Darstellung: Gewerkschaften hätten gezielt ein Bild systemischer Probleme gezeichnet. Damit sollten Beschäftigte zur Organisation bewegt werden, um sich selbst als Lösung zu präsentieren. Pikant daran ist vor allem, dass die CWA die Microsoft-Übernahme damals öffentlich unterstützt hatte – ein Detail, das Koticks Argumentation zumindest widersprüchlich wirken lässt.
Ein Deal ohne bessere Alternativen?
Auch den zentralen Vorwurf, er habe einen zu niedrigen Verkaufspreis akzeptiert, weist Kotick zurück. Die Annahme, es habe andere Käufer gegeben, die mehr als 95 Dollar pro Aktie gezahlt hätten, sei schlicht falsch. Laut Kotick habe außer Microsoft kein Unternehmen ernsthaftes Interesse gezeigt. Und das nicht wegen interner Skandale, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen.
Ein Fall mit vielen Nebenkriegsschauplätzen
Was als Klage gegen eine der größten Übernahmen der Games-Branche begann, entwickelt sich zunehmend zu einem juristischen Rundumschlag. Koticks neue Argumentationslinie wirkt weniger wie eine nüchterne Verteidigung und mehr wie der Versuch, Verantwortung zu verteilen – auf Konkurrenzunternehmen, Gewerkschaften und institutionelle Akteure.
Wie viel davon vor Gericht Bestand haben wird, ist offen. Klar ist nur: Der Fall bleibt ein Lehrstück darüber, wie eng Macht, Geld, Arbeitskämpfe und persönliche Verantwortung in der Spieleindustrie miteinander verknüpft sind.
Veröffentlicht: 18. Januar 2026 18:50 Uhr