Die Nominierungen für die D.I.C.E. Awards sind da – und sie lesen sich nicht wie eine Liste der lautesten Releases, sondern wie ein ziemlich ehrlicher Querschnitt dessen, was Entwickler:innen selbst beeindruckt hat. Genau das ist seit jeher der Reiz der Awards der Academy of Interactive Arts & Sciences. Hier geht es weniger um Verkaufszahlen oder Trailer-Momente, sondern um Substanz, um Haltung, um Spiele, die hängen bleiben.
- Gefühl gegen Präzision, und beides funktioniert
- Game of the Year ohne offensichtliche Antwort
- Ein Jahr, in dem Indie nicht „Beilage“ ist
- Ein leiser, aber wichtiger Moment
Und ja, es gibt zwei Namen, die fast überall auftauchen: Clair Obscur: Expedition 33 und Ghost of Yōtei. Acht Nominierungen jeweils, inklusive Game of the Year. Aber spannend ist nicht nur, dass sie vorne liegen – sondern warum.
Gefühl gegen Präzision, und beides funktioniert
Clair Obscur fühlt sich wie eines dieser Spiele an, das sich nicht anbiedert. Es ist ruhig, eigen, manchmal sperrig, aber genau deshalb so stark. Die vielen Nominierungen in Kategorien wie Story, Art Direction oder Musik wirken weniger wie Pflichtübungen und mehr wie ein kollektives Nicken aus der Branche: Ja, das hier hatte etwas zu sagen.
Ghost of Yōtei kommt aus einer ganz anderen Ecke. Technisch extrem sauber, audiovisuell wuchtig, durchgehend kontrolliert in dem, was es sein will. Dass Sucker Punch Productions damit so breit nominiert ist – von Animation über Audio bis hin zur Game Direction – fühlt sich folgerichtig an. Kein Spiel, das experimentiert, sondern eines, das sein Handwerk perfektioniert.
Game of the Year ohne offensichtliche Antwort
Das Game-of-the-Year-Feld wirkt dieses Jahr ungewöhnlich offen. Arc Raiders steht neben Dispatch und Blue Prince, ergänzt durch die beiden Spitzenreiter. Das ist kein Genre-Konsens, kein klarer Trend – eher ein Spiegel davon, wie unterschiedlich Spiele gerade gedacht werden dürfen, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.
Ein Jahr, in dem Indie nicht „Beilage“ ist
Was zwischen den großen Kategorien auffällt: Wie selbstverständlich kleinere Produktionen mitspielen. Consume Me, Despelote, Citizen Sleeper 2 oder Öoo tauchen nicht als Exoten auf, sondern als feste Bestandteile dieser Nominierungen. Gleichzeitig stehen Fortsetzungen wie Hades II oder Kingdom Come: Deliverance II nicht für Stillstand, sondern für Weiterentwicklung. Es fühlt sich nicht nach Fronten an, sondern nach Koexistenz.
Ein leiser, aber wichtiger Moment
Fast beiläufig, aber nicht unwichtig: Evan Wells wird in die Hall of Fame aufgenommen. Keine große Show, kein Pathos – eher ein stilles Anerkennen dafür, wie sehr bestimmte Menschen im Hintergrund geprägt haben, was wir heute als selbstverständlich ansehen.
Die Gewinner:innen werden im Februar gekürt. Aber schon jetzt wirkt diese Nominierungsliste wie ein Statement. Nicht darüber, welches Spiel „das größte“ war – sondern darüber, welche Spiele dieses Jahr wirklich getragen haben. Und das fühlt sich, ehrlich gesagt, ziemlich gut an.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:35 Uhr