Wenn Disney bei Plattformen vorsichtig wird, hat das Signalwirkung. Laut einem Bericht von Variety sieht der Konzern Roblox aktuell nicht als sicheren Ort für Kooperationen. Gemeint sind nicht kleine Tests oder Einzelprojekte, sondern grundsätzliches IP-Licensing und größere Markenauftritte. Die Begründung ist klar formuliert: Aus Disneys Sicht erfüllt Roblox derzeit nicht die nötigen Sicherheitsstandards.
- Sicherheitsbedenken statt Plattformpolitik
- Altersverifikation als unzureichende Lösung
- Andere Marken gehen das Risiko ein
- Eine Grundsatzfrage für große IPs
Sicherheitsbedenken statt Plattformpolitik
Interessant ist dabei, was nicht der ausschlaggebende Faktor sein soll. Disney ist finanziell stark bei Epic Games engagiert und arbeitet eng mit Fortnite zusammen. Trotzdem betonen die Quellen, dass die Zurückhaltung gegenüber Roblox nicht allein aus dieser Partnerschaft resultiert. Es geht weniger um Exklusivität, sondern um Risikoabwägung.
Roblox steht seit einiger Zeit unter massivem Druck. Mehrere Klagen drehen sich um mangelnden Schutz junger Nutzer:innen. Besonders schwer wiegen Vorwürfe aus den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana, in denen der Plattform vorgeworfen wird, problematische Inhalte nicht ausreichend zu unterbinden. Für einen Konzern wie Disney, dessen Marken stark mit Familienfreundlichkeit verbunden sind, ist das ein rotes Tuch.
Altersverifikation als unzureichende Lösung
Roblox reagiert auf die Kritik mit technischen Maßnahmen. Unter anderem testet die Plattform eine Gesichtsverifikation, um Altersfreigaben für Kommunikationsfunktionen besser abzusichern. Der Rollout soll schrittweise erfolgen und weitere Regionen einschließen.
Doch selbst das reicht aus Sicht vieler Expert:innen nicht aus. In dem Bericht kommt auch Ron Kerbs zu Wort, CEO des auf Kinderschutz spezialisierten Unternehmens Kidas. Seine Einschätzung ist ernüchternd. Systeme lassen sich umgehen, Kinder finden Wege, sich älter auszugeben, Accounts zu teilen oder Identitäten zu missbrauchen. Genau diese Grauzonen seien das Kernproblem – nicht der gute Wille der Plattformen, sondern ihre begrenzte Kontrollierbarkeit.
Andere Marken gehen das Risiko ein
Disneys Vorsicht ist dabei keine Branchenregel. Andere große Namen haben sich längst auf Roblox eingelassen. Netflix-Formate und Mattel-Marken waren bereits Teil offizieller Erlebnisse auf der Plattform. Mattel etwa betont, dass man intensiv mit Roblox zusammenarbeite und die Sicherheitsmaßnahmen ernst nehme. Für sie überwiegt offenbar das Potenzial der Reichweite.
Diese Unterschiede zeigen, wie fragmentiert die Einschätzungen derzeit sind. Roblox ist riesig, kreativ, kulturell relevant – aber eben auch schwer zu kontrollieren. Für manche Marken ist das kalkulierbar, für andere nicht.
Eine Grundsatzfrage für große IPs
Disneys Haltung wirkt weniger wie eine Momentaufnahme, sondern wie eine strategische Entscheidung. Solange Zweifel an der Sicherheit bestehen, bleibt Roblox außen vor. Das ist kein endgültiges Urteil, eher ein eingefrorener Zustand.
Für Roblox selbst ist das ein Warnsignal. Nicht wegen eines einzelnen Partners, sondern weil es zeigt, wie stark Sicherheitsfragen inzwischen über Kooperationen entscheiden. Reichweite allein reicht nicht mehr. Vertrauen ist die neue Eintrittskarte.
Veröffentlicht: 30. Dezember 2025 18:21 Uhr