Als Dispatch im Herbst auf PlayStation 5 und PC erschien, war der Ton schnell klar. Kritikerlob, Award-Nominierungen, hohe Empfehlungswerte – ein dieser Releases, bei denen man merkt, dass hier etwas Besonderes gelandet ist. Entsprechend groß war die Vorfreude, als die Switch-Version angekündigt wurde.
- Nintendo erklärt die Regeln, AdHoc erklärt den Fehler
- Der Disclaimer, den kaum jemand gesehen hat
- Gespräche mit Nintendo laufen – ohne Versprechen
- Transparenz statt Funkstille
Und entsprechend hart fiel der Aufprall aus.
Als Dispatch am 28. Januar für Nintendo Switch und Switch 2 erschien, stellte sich schnell heraus, dass zentrale Inhalte zensiert waren – und zwar ohne Option, diese Zensur abzuschalten. Schwarze Balken, ausgeblendete Szenen, spürbare Eingriffe. Für viele Spieler:innen war das nicht nur enttäuschend, sondern ein echter Vertrauensbruch.
Nintendo erklärt die Regeln, AdHoc erklärt den Fehler
Nach einigen Tagen spürbaren Backlashs haben sich nun sowohl Nintendo als auch das Entwicklerstudio AdHoc Studio öffentlich geäußert.
Nintendo selbst bleibt in seiner Stellungnahme erwartbar nüchtern. Alle Spiele auf der Plattform müssten den festgelegten Content- und Plattformrichtlinien entsprechen. Punkt. Keine Sonderfälle, keine Ausnahmen.
Interessanter ist der Ton der Entwickler. AdHoc geht deutlich weiter, entschuldigt sich offen bei der Community und spricht davon, dass man „truly sorry“ sei. Die Wut der Spieler:innen sei nachvollziehbar – und berechtigt.
Der Kern des Problems liegt laut AdHoc in einer falschen Annahme. Das Team sei davon ausgegangen, dass Dispatch mit seinem Mature-Content durchkommt, weil auch andere Titel wie The Witcher 3 oder Cyberpunk 2077 in unzensierter Form auf Nintendo-Systemen verfügbar sind. Diese Einschätzung stellte sich als Fehleinschätzung heraus.
Der Disclaimer, den kaum jemand gesehen hat
Besonders bitter: AdHoc wollte transparent sein. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich Inhalte auf Switch von anderen Plattformen unterscheiden, war geplant. Dieser Disclaimer landete allerdings nicht prominent auf der Shop-Seite, sondern in einem weniger sichtbaren Feld. Viele Käufer:innen sahen ihn vor dem Kauf schlicht nicht.
Nachdem das intern auffiel, wurden die Store-Seiten in den USA angepasst, andere Regionen folgten oder befinden sich noch in der Umstellung. Zu spät für all jene, die Dispatch bereits gekauft hatten – aber immerhin ein Schritt in Richtung Klarheit.
Gespräche mit Nintendo laufen – ohne Versprechen
AdHoc belässt es nicht bei der Entschuldigung. Das Studio bestätigt, dass man aktuell gemeinsam mit Nintendo an einem „path forward“ arbeitet. Konkrete Zusagen gibt es nicht, aber die Formulierung deutet an, dass zumindest Teile der Zensur künftig überarbeitet werden könnten.
Ob das bedeutet, dass bestimmte Szenen wieder freigegeben werden, oder ob es um alternative Darstellungen ohne harte Blackouts geht, bleibt offen. Klar ist nur: Falls etwas passiert, wird es Wochen dauern – nicht Tage.
Transparenz statt Funkstille
Bis dahin gilt: Wer Dispatch so erleben möchte, wie es ursprünglich gedacht war, ist auf PC oder PlayStation derzeit besser aufgehoben. Gleichzeitig scheint ein Teil der Community den offenen Umgang des Studios positiv aufzunehmen. Keine Ausreden, keine Schuldzuweisungen, sondern ein klarer Blick auf den eigenen Fehler.
Ob das reicht, um das Vertrauen vollständig zurückzugewinnen, hängt davon ab, was am Ende tatsächlich auf den Switch-Versionen ankommt. Aber zumindest fühlt sich diese Situation weniger nach Wegducken an – und mehr nach ehrlichem Schadensbegrenzen.
Veröffentlicht: 31. Januar 2026 23:40 Uhr