Vom 28. bis 30. November verwandelte sich die Stockholmsmässan in Älvsjö in ein vibrierendes Gaming-Universum. Über 60 000 Menschen aus 70 Ländern strömten in die Hallen – so viele wie nie zuvor. Es war ein kulturelles Statement: Schweden stellte an diesem Wochenende nicht nur seine Gaming-Szene, sondern auch seine politische Spitze ins Rampenlicht.
- Fans und VIPs; Alle lieben Gaming
- Twisted Minds und der historische Overwatch-Moment
- THE FINALS – eine neue Esports-Ära zündet
- Crazy Raccoon dominiert Brawl Stars
- Monte schreibt CS2-Geschichte in der LAN-Halle
- BIG EQUIPA und Emmsan triumphieren bei ESL Impact
- Creators und Emotionen
- Mirabelle, Jocke Lundell und eine Eröffnung wie aus einem Metro-Musical
- Cosplay: zwei Wettbewerbe, eine Community
- Expo: LEGO-Ozean, Tabletop-Welten und ein Lamborghini
- Fazit: Stockholm hat geliefert
Fans und VIPs; Alle lieben Gaming
Sowohl Ministerpräsident Ulf Kristersson als auch Prinz Daniel mischten sich unters Publikum. Der Moment, in dem die royale Entourage auf dem Festival erschien, fühlte sich an wie ein Meta-Kommentar zur Zeit: Gaming ist endgültig mitten in der Gesellschaft angekommen.
Shahin Zarrabi, VP Festivals bei EFG, brachte es dort auf den Punkt: „DreamHack Stockholm 2025 repräsentiert alles, wofür dieses Festival steht — Community, Competition, Culture und Creativity.“
Und genau so fühlte es sich an: wie ein Wochenend-Konzentrat aus allem, was die Gamingwelt im Jahr 2025 prägt – und antreibt.
Twisted Minds und der historische Overwatch-Moment
Es war der esportliche Paukenschlag des Wochenendes: Der Overwatch Champions Series Grand Final wurde zum EMEA-Showdown. Keine Koreaner. Keine altbekannte Dynastie. Stattdessen: Al Qadsiah vs. Twisted Minds, ein Finale, das die Halle elektrisierte.
Twisted Minds holte sich den Titel mit einem 3–1 und durchbrach damit die seit Jahren dominierende koreanische Vormachtstellung im Overwatch-Esport.
Der Weg dahin wirkte fast wie ein Sportfilm: Erst ein dominantes 3–0 gegen Titelverteidiger Team Falcons, dann die Niederlage im Upper-Bracket-Finale gegen Al Qadsiah — und schließlich der Revenge-Run durch das Lower Bracket, inklusive eines 3–1 gegen Crazy Raccoon, bevor Twisted Minds den Titel holte.
Die Arena brüllte jedes Mal, wenn Twisted Minds ihren Winstreak ausbaute. Die Zuschauer, die am Freitag noch auf Sitzen Platz fanden, standen am Sonntag auf Gängen. Es war ein Moment, der zeigte, dass Overwatch esports weiterhin lebt — und manchmal sogar stärker brennt als je zuvor.

THE FINALS – eine neue Esports-Ära zündet
Embark Studios’ Shooter THE FINALS hat 2025 einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Stockholm wurde zur Geburtsstätte des ersten echten Major-Turniers, dem „Grand Major 2025“. Und was für ein Auftakt: die 700-Sitz-Arena platzte an beiden Tagen aus allen Nähten, Zuschauer drängten sich in die Gänge, um einen Blick zu erhaschen.
NTMR Gaming gehörte das Wochenende. Die nordamerikanische Trio-Kombo Uni, Lasagna und Gremliners pflügte durch Day 1, holte sich die Top-Seed und arbeitete sich durch Day 2 wie ein perfekt abgestimmter Speedrun.
Der Heat-System-Modus, der die Matches zu chaotischen Hochdruck-Entscheidungen macht, zeigte NTMR in Bestform: kontrolliert, kreativ, gnadenlos explosiv.
Oscar Lundberg, Community Lead, fasste den Moment nach dem Finale zusammen: „Das ist Jahr 0 für THE FINALS esports — wir fangen gerade erst an.“
Stockholm fühlte sich an diesem Wochenende tatsächlich an wie der Nullpunkt eines neuen kompetitiven Ökosystems.
Crazy Raccoon dominiert Brawl Stars
Während THE FINALS im Westen der Messe tobte, explodierte die Stimmung am Brawl-Stars-Finalsonntag im Osten. 16 internationale Teams, eine Million Dollar Prize Pool und eine Bühne, die klang wie ein überdimensioniertes Arcade-Cabinet.
Crazy Raccoon revanchierte sich dort eindrucksvoll für das verlorene Finale 2024. Das japanische Team dominierte HMBLE mit einem 3–0-Sweep, als hätten sie das gesamte Jahr genau für diesen Moment trainiert.
Besonders beeindruckend: ihre präzisen Map-Reads und ihre Fähigkeit, Druckphasen zu diktieren. Die Halle bebte, als die Good Randoms zur Siegerehrung live performten — der seltene Moment, in dem Mobile-Esports wie ein Stadion-Event wirkte.

Monte schreibt CS2-Geschichte in der LAN-Halle
DreamHack wäre nicht DreamHack ohne eine LAN-Halle, die 72 Stunden am Stück brennt wie ein Rechenzentrum. Mittendrin fand die Rückkehr eines alten Mythos statt: ein echtes BYOC-Turnier, das wieder den Weg „von der Tischkante ins Pro-Level“ versprach.
38 Teams kämpften um einen Platz in der ESL Pro League Season 23. Monte wurde das Team, das die schlaftrunkenen LAN-Legenden wachrüttelte. Nach Siegen über 500, GenOne und OG holten sie sich im Finale ein 2–1 über FUT — und damit den heiß begehrten ESL-Pro-League-Slot.
Man sah in der Halle Spieler, die in Schlafsäcken auf ihren Tastaturen lagen, während neben ihnen die nächste Knockout-Runde schon wieder brüllte. Das ist der Spirit, den keine große Arena reproduzieren kann — und der Stockholm 2025 seine Seele gab.
BIG EQUIPA und Emmsan triumphieren bei ESL Impact
Die Frauen-CS-Szene bekam ihre ganz eigene Heldinnengeschichte. BIG EQUIPA, das neu formierte europäische Superteam, gewann die ESL Impact Season 8 Finals mit einem beeindruckenden Run. Besonders Emma „Emmsan“ Mattsson wurde zur emotionalen Kernfigur des Wochenendes: Sieg auf schwedischem Boden, vor schwedischem Publikum.
Nach dem Finale sagte Emmsan: „Ich bin stolz. Ich liebe mein Team. Ich liebe euch, Stockholm.“
Sweden vs. Finland – der Rush-B-Showdown
Red Bull lieferte am Sonntag einen der zugänglichsten und zugleich emotionalsten Höhepunkte: das Rush-B-Showmatch. Team Schweden gegen Team Finnland — mit Olofmeister und Friberg auf der einen, hungrigen Youngstars auf der anderen Seite.
Das Ergebnis: Finnland setzte sich mit 13–7 und 13–9 durch.
Der Sound: irgendwo zwischen Lachflash und Stadionstimmung.
Die Atmosphäre: ein Liebesbrief an Counter-Strike-Humor und -Tradition.
Olofmeister lachte später: „Für 10–15 Jahre habe ich diese Maps normal gespielt. Jetzt laufe ich irgendwohin und merke plötzlich: Ich starre auf eine Wand.“
Creators und Emotionen
Der Creator-Teil des Festivals war ein eigener Mikrokosmos. Die Fans campierten Stunden vorher, um AJ & Kenny von der Beta Squad zu sehen. Ihr Meet-and-Greet wurde zu einem Popstar-Moment: Die Schlange zog sich gefühlt durch die gesamte Messehalle.
Ihr neues Format „Chat vs Champs“ brachte das Messe-Gefühl auf eine Art auf den Punkt, die man schwer beschreiben kann: absolut chaotisch, absolut authentisch — und absolut DreamHack.
Mirabelle, Jocke Lundell und eine Eröffnung wie aus einem Metro-Musical
Freitagabend zündete die DreamHack eine Eröffnungsshow, die nach „Stockholm-Eigenbau“ roch: TikTok-Ikone Mirabelle Lundgren debütierte ihr erstes Live-Set. Danach haute Joakim Lundell einen pyro-geladenen DJ-Auftritt raus, ehe Ballinciaga in pinken Sturmhauben die Halle in einen nordischen Rave verwandelten.
Es war exakt der kulturelle Schmelzpunkt, den DreamHack seit Jahren anstrebt.
Cosplay: zwei Wettbewerbe, eine Community
Die Cosplay-Championships boten 25 000 SEK Preisgeld, zusätzlich Sachpreise und Tickets für die DH 2026. Sieger waren reGnakED (Expert), Orig8kami (Artisan) und Mammma Gina (Novice).
Beim Extreme-Cosplay-Qualifier gewann ein Final-Fantasy-XVI-Trio den Einzug zur Japan Expo 2025.
Überall in der Halle wurden Fotos gemacht, Reparaturnadeln gezückt, Perücken geföhnt — und der Teppich war zwischenzeitlich ein Meer aus EVA-Foam-Kleinteilen.
Expo: LEGO-Ozean, Tabletop-Welten und ein Lamborghini
Der Expo-Bereich war größer als je zuvor. Besucher stauten sich in der LEGO-Builders-Zone, in der Tabletop-Aera oder vor den Rigs im Creator Hub.
Red Bull parkte einen echten F1-Boliden, Lamborghini stellte unter LED-Licht aus und Lenovo baute einen der wildesten Messestände des Wochenendes — inklusive futuristischem PC-Rig, das aussah wie ein Transformer im Ruhemodus.
Fazit: Stockholm hat geliefert
DreamHack Stockholm 2025 war ein europäisches Kulturereignis, ein politisches Statement, ein esportlicher Wendepunkt und eine Liebeserklärung an die Community, die Gaming trägt.
Es war laut.
Es war chaotisch.
Es war emotional.
Und es hat Stockholm als einen der wichtigsten Gaming-Knotenpunkte Europas zementiert.
Veröffentlicht: 2. Dezember 2025 09:41 Uhr