Games Ground 2025 – Herz für Indie-Games, mit Berliner Flair

Vom 13. bis 16. November 2025 verwandelte sich die Alte Münze mitten in Berlin erneut in einen Tempel der Spielekultur. Games Ground startete vor drei Jahren als Experiment und gilt heute als führendes Indie‑ und Branchenfestival in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis
  1. Kiezcharme plus Kreativlabor
  2. Wie Spiele den Weg zur Games Ground finden
  3. Wie Industrie und Community voneinander profitieren
  4. Berlin als Herz der Indie‑Kultur
  5. Von der spontanen Idee zum festen Termin
  6. Ein Sonntag voller Überraschungen
  7. Nochmal! Nochmal!

2025 lockte das vier­tägige Event über achttausend Besucherinnen und Besucher an und zeigte eindrucksvoll, was passiert, wenn Kreativität, Community und Chaos auf eine sehr Berliner Art zusammenfinden.

Kiezcharme plus Kreativlabor

Wer an diesem Wochenende durch die Alte Münze schlenderte, fand keinen glattpolierten Messebetrieb, sondern ein vibrierendes, manchmal herrlich wildes Zusammenkommen von Entwicklerteams, Cosplayern und einer Community, die Indie‑Spiele wirklich feiert.

Zwischen Neonlichtern, improvisierten Sitzecken und dem Duft von Filterkaffee entstand ein Gefühl, das in der deutschen Gaming‑Landschaft selten ist: authentische Nähe.

In den zwei Ausstellungshallen tummelten sich mehr als 70 Indie‑Projekte. Manche bunt und verspielt, manche düster, manche technisch experimentell. Auffällig war die Vielfalt an XR‑ und VR‑Projekten, die in den letzten drei Jahren stark zugenommen hat.

Die Entwickler brachten alles mit, von kleinsten Konzepten bis hin zu Release‑Versionen. Unter ihnen Studententeams, die Arbeiten zeigten, die optisch und technisch kaum von professionellen Produktionen zu unterscheiden waren. Joris Schnabel, Head of Exhibition, sagte dazu, man staune jedes Jahr aufs Neue, wie schnell der Nachwuchs dazugelernt habe.

Wie Spiele den Weg zur Games Ground finden

Der Weg zur Ausstellungsfläche besteht aus zwei Möglichkeiten. Indie‑Studios können sich für sogenannte Free Spots bewerben, die durch Sponsoren finanziert werden. Eine Jury aus Publisher‑Scouts bewertet die Einreichungen in den Kategorien Kreativität, Technologie und emotionaler Eindruck. Die besten zwanzig erhalten einen kostenlosen Platz.

Alle weiteren Teams können reguläre Booth‑Plätze erwerben, solange sie keine Inhalte zeigen, die den Festivalrichtlinien widersprechen. Politische oder extremistische Symbole haben hier keinen Platz. Ob es sich um ein erstes Konzept oder ein fertiges Spiel handelt, spielt dagegen kaum eine Rolle. Wichtig ist der kreative Funke.

Joris berichtete von der Vielfalt der Spiele, mit Titeln wie Tackle for Loss, ein schneller und blutiger Top‑Down‑Actiontitel, Schrott, ein energiegeladener Racer, und PRAVDA(concept25), ein atmosphärisches RPG‑Projekt eines Studententeams.

Wie Industrie und Community voneinander profitieren

Games Ground ist nicht nur ein Indie‑Showfloor, sondern bewusst zweigeteilt. Die Business Days bilden einen professionellen Rahmen mit Talks, Workshops und Panels. Initiativen wie Mentor Ground, Career Ground und Publisher Connect schaffen gezielte Verbindungen zwischen Entwicklerteams, Publishern, Investoren und Talenten.

Was das Team antreibt, ist die veränderte Lage in der globalen Spielebranche. Die letzten Jahre waren geprägt von Fehlspekulationen großer Studios und massiven Entlassungswellen. Games Ground wollte von Anfang an ein Gegenpol sein: ein Ort, an dem Kreative zusammenfinden und sichtbar bleiben.

Deswegen versteht sich das Event auch als Raum, in dem Karrierewege entstehen. Viele Entwicklerinnen und Entwickler begannen einst als Tester, und solche Schnittstellen machen den Einstieg leichter.

Workshops reichten 2025 vom Sounddesign über narrative Struktur bis hin zu praktischen Einblicken für Neulinge. Die fast hundert Speaker boten eine Vielfalt an Perspektiven und Hintergründen. Besonders stolz war das Organisationsteam auf die hohe Beteiligung von Frauen – ein deutliches Zeichen dafür, dass Berlin auch im Gamesbereich auf Diversität setzt.

Berlin als Herz der Indie‑Kultur

Wer durch die Alte Münze lief, fühlte Berlin. Nicht das Postkarten‑Berlin, sondern das raue, liebevolle, ideengetriebene Berlin. Die Indie‑Szene der Hauptstadt ist groß und eigenwillig. Viele lokale Studios arbeiten Seite an Seite mit internationalen Teams.

Joris beschreibt Berlin als eine Stadt, in der man sich gegenseitig unterstützt, statt Ellenbogen auszupacken. Studios helfen anderen beim Antragswesen, teilen Erfahrungen oder vernetzen neue Teams.

Gleichzeitig ist Games Ground international geworden. Delegationen aus den nordischen Staaten waren vertreten, ebenso Teams aus Japan, Frankreich, den Niederlanden und der Ukraine. Publisher aus China, Japan und Schweden – darunter Raw Fury – führten beim Matchmaking direkte Gespräche mit Entwicklerteams.

Die Mischung aus lokalem Flair und globaler Perspektive prägt den Charakter des Events deutlich.

Von der spontanen Idee zum festen Termin

Die Entstehungsgeschichte von Games Ground ist so turbulent wie inspirierend. Das Kollektiv hinter dem Festival besteht aus fünf Firmen, die zuvor einzeln Events organisiert hatten. Als die Games Week Berlin eingestellt wurde, entstand die Idee, etwas Neues zu schaffen.

Man reichte ein Konzept beim Berliner Senat ein, gewann überraschend den Zuschlag und musste in nur vier Monaten eine Firma gründen und ein komplettes Festival aus dem Boden stampfen.

Dass es funktionieren würde, wusste zunächst niemand. Doch am ersten Tag des Events fügten sich alle Einzelteile zusammen. Joris beschreibt diesen Moment als euphorisch und emotional. Das Festival ist ein temporärer Ort – aufgebaut, gelebt, geliebt, und kurz darauf wieder verschwunden.

Was bleibt, ist das Gefühl von Gemeinschaft und die Erinnerung an etwas, das man gemeinsam erschaffen hat.

Ein Sonntag voller Überraschungen

Am Sonntag, dem 16. November, war die Stimmung besonders entspannt. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten den Tag, um länger mit den Entwicklerteams zu sprechen. Der Berliner Herbstregen sorgte dafür, dass sich die Alte Münze wie ein warmes Nest anfühlte.

Gespräche mischten sich mit Gelächter, spontane Gruppen entstanden an Konsolen, und man spürte, wie sehr dieses Event die Community zusammenbringt.

Joris’ Begeisterung für die Teams und seine ehrliche Verbundenheit mit der Szene machten das Event für mich noch greifbarer.

Games Ground ist kein Messegigant, sondern ein liebevoll kuratiertes, menschliches Festival, das zeigt, dass die Zukunft des Gamings nicht nur in großen Studios, sondern gerade in kreativen Köpfen liegt, die sich etwas trauen.

Nochmal! Nochmal!

Irgendjemanden hörte ich auf dem Festival sagen, Games Ground fühle sich an wie ein spielbares Berlin. (Sorry, unbekannte Person. Ich weiß deinen Namen nicht mehr.) Und vielleicht stimmt das. Chaotisch, kreativ, manchmal laut, immer herzlich. Ich komme wieder; nicht nur nach Berlin, sondern auch zur nächsten Games Ground, die bereits für den 5. bis 8. November 2026 angekündigt ist.


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Author
Image of Ben Touati
Ben Touati
Gaming Nerd
Ben Touati schreibt über Games, Filme und die große, weite Welt der Popkultur – mit einem Blick, der zwischen analytischem Tiefgang und nerdiger Begeisterung pendelt. Sein Background in Linguistik verleiht ihm ein feines Gespür für Sprache, Struktur und die kleinen Nuancen, die große Geschichten tragen. Ob Aktuelles aus der Gaming-Welt, neue Trends oder Arnold Schwarzeneggers Englisch: Ben liefert Einordnungen mit Substanz – immer durchzogen von geekigen Referenzen, filmreifen Metaphern und dem leisen Verdacht, dass das alles irgendwie mit Buffy the Vampire Slayer und Watchmen zu tun hat.