Während große Teile der Games-Branche aktuell laut über KI, Effizienzgewinne und „neue Workflows“ diskutieren, schlägt Games Workshop einen bewusst anderen Ton an. Der britische Warhammer-Hersteller hat intern klar festgelegt, dass generative KI weder für Inhalte noch für Designprozesse genutzt werden darf – und zwar aus voller Überzeugung, nicht aus Unsicherheit.
- Klare Regeln statt vager Experimente
- Warhammer lebt von Handschrift, nicht von Algorithmen
- Ein bewusster Gegenpol zur Branche
Das wurde im Rahmen der jüngsten Geschäftszahlen deutlich, als CEO Kevin Rountree offen über den Umgang des Unternehmens mit KI sprach. Seine Haltung fiel bemerkenswert nüchtern aus. KI sei ein extrem breites Thema, er selbst kein Experte – und genau deshalb habe man sich im Unternehmen auf eine sehr vorsichtige Linie verständigt.
Klare Regeln statt vager Experimente
Konkret bedeutet das: Mitarbeitende dürfen keine KI-generierten Inhalte erstellen oder KI-Tools in der Gestaltung von Miniaturen, Artwork oder Lore einsetzen. Auch außerhalb des Unternehmens, etwa bei Wettbewerben oder Community-Aktionen, ist eine nicht autorisierte Nutzung untersagt. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Kreativität, sondern auch auf Datensicherheit, Compliance und Schutz geistigen Eigentums.
Zwar räumt Rountree ein, dass eine kleine Gruppe an Senior-Managern sich weiterhin neugierig mit der Technologie beschäftigt. Begeisterung klingt aber anders. Niemand im Führungsteam sei derzeit wirklich „excited“ über KI, so der Tenor. Stattdessen betont Games Workshop, dass man lieber in Menschen investiert – ganz konkret in das eigene Warhammer Studio, mit neuen Stellen in Konzeptarbeit, Illustration, Schreiben und Sculpting.
Warhammer lebt von Handschrift, nicht von Algorithmen
Diese Haltung kommt nicht von ungefähr. Marken wie Warhammer 40,000 oder Age of Sigmar sind über Jahrzehnte durch eine sehr spezifische visuelle und erzählerische Identität gewachsen. Das ikonische Grimdark-Gefühl ist untrennbar mit menschlichen Künstlern verbunden, allen voran John Blanche, dessen Stil bis heute nachwirkt.
Gerade in der Warhammer-Community ist die Skepsis gegenüber generativer KI tief verankert. Regelbücher, Codices und Artworks gelten nicht nur als Spielmaterial, sondern als Sammlerstücke. Schon der leiseste Verdacht, offizielles Artwork könne KI-generiert sein, sorgt regelmäßig für Unruhe. Dass Games Workshop hier proaktiv eine Grenze zieht, wirkt weniger wie ein PR-Manöver und mehr wie ein Schutzmechanismus für das eigene Ökosystem.
Ein bewusster Gegenpol zur Branche
Mit dieser Entscheidung positioniert sich Games Workshop klar gegen einen Trend, den viele andere Unternehmen offensiv vorantreiben. Während EA-CEO Andrew Wilson KI als Kern des Geschäfts bezeichnet und andere Studios offen von „AI-first“-Strategien sprechen, setzt Games Workshop auf Langsamkeit, Kontrolle und menschliche Autorschaft.
Auch Aussagen aus anderen Teilen der Industrie, wonach Konsument:innen sich kaum für KI interessieren würden oder „AI Slop“ akzeptieren, stehen in starkem Kontrast zu der gelebten Realität rund um Warhammer. Hier ist Authentizität kein Buzzword, sondern Geschäftsgrundlage.
Games Workshop macht damit deutlich: Innovation muss nicht zwangsläufig heißen, jeder neuen Technologie sofort hinterherzulaufen. Manchmal bedeutet sie auch, bewusst Nein zu sagen – und Ja zu dem, was eine Marke überhaupt erst stark gemacht hat.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:28 Uhr