Der Konflikt um die Entlassung von Entwickler:innen bei Rockstar Games ist diese Woche offiziell vor dem britischen Arbeitsgericht gelandet. Die Independent Workers’ Union of Great Britain hat bei einer vorläufigen Anhörung beantragt, den entlassenen Mitarbeitenden sogenannte Interim Relief zu gewähren – eine Form der Soforthilfe, die greifen kann, bevor es zu einer vollständigen Verhandlung kommt.
- Leak oder Gewerkschaftsarbeit?
- Was Interim Relief bedeuten würde
- Politische Aufmerksamkeit und offene Fragen
Konkret geht es um 34 entlassene Angestellte, davon 31 in Großbritannien und drei in Kanada. Sie arbeiteten unter anderem bei Rockstar North, dem Studio hinter Grand Theft Auto VI. Die Kündigungen hatten Ende letzten Jahres Proteste in Edinburgh und London ausgelöst und eine breite Debatte über Arbeitsrechte in der Gamesbranche entfacht.
Leak oder Gewerkschaftsarbeit?
Rockstar selbst weist die Vorwürfe des Union Busting entschieden zurück. Laut Unternehmensangaben seien die Entlassungen erfolgt, weil Mitarbeitende vertrauliche Informationen zu kommenden und nicht angekündigten Spielen in einem öffentlichen Discord-Channel geteilt hätten. Dieser habe nicht nur Rockstar-Angestellte umfasst, sondern auch externe Personen, darunter Mitarbeitende konkurrierender Studios und Journalist:innen. Das stelle einen klaren Bruch interner Vertraulichkeitsregeln dar.
Die IWGB widerspricht dieser Darstellung. Aus Sicht der Gewerkschaft hätten die betroffenen Beschäftigten ausschließlich in geschützten, internen Gewerkschaftskanälen kommuniziert. Der Vorwurf, sensible Informationen geleakt zu haben, sei vorgeschoben, um organisierte Arbeitnehmer:innen loszuwerden. Interim Relief sei deshalb notwendig, da viele der Entlassenen plötzlich ohne Einkommen, Perspektive oder – im Fall von Visa – sogar ohne Aufenthaltsrecht dastünden.
Was Interim Relief bedeuten würde
Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, müssten die Betroffenen vorübergehend wieder auf Rockstars Gehaltsliste gesetzt werden. Auch Arbeitsvisa würden in diesem Fall reaktiviert. Die Entscheidung betrifft ausdrücklich nur diese Übergangsphase – sie sagt noch nichts darüber aus, wie das eigentliche Verfahren ausgehen wird.
Rockstar betont hingegen, dass kein Zusammenhang zwischen Gewerkschaftszugehörigkeit und Kündigung bestehe. Mitarbeitende, die sich gewerkschaftsfreundlich geäußert hätten, ohne gegen Vertraulichkeitsregeln zu verstoßen, seien weiterhin beschäftigt. Das Unternehmen verweist zudem auf frühere Kündigungen wegen Leaks und auf seine seit Jahren kommunizierte Null-Toleranz-Linie.
Politische Aufmerksamkeit und offene Fragen
Der Fall hat inzwischen auch politische Ebenen erreicht. Keir Starmer bezeichnete die Vorgänge als „zutiefst besorgniserregend“ und kündigte an, den Fall prüfen zu lassen. Lokale Abgeordnete aus Edinburgh berichten zudem von angespannten Gesprächen mit Rockstar, die mehr Fragen als Antworten hinterlassen hätten.
Ob es sich um legitime Maßnahmen zum Schutz sensibler Projekte oder um ein Exempel gegen organisierte Belegschaften handelt, wird erst eine spätere Hauptverhandlung klären. Klar ist aber schon jetzt: Der Streit zwischen Rockstar und der IWGB ist längst mehr als ein interner Arbeitskonflikt – er ist zu einem Symbol für Machtverhältnisse in der internationalen Gamesindustrie geworden.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:36 Uhr