Clair Obscur: Expedition 33 galt für viele als eines der großen Indie-Highlights. Umso härter trifft jetzt die Kehrtwende. Die Indie Game Awards haben dem RPG zwei bereits vergebene Auszeichnungen wieder aberkannt. Game of the Year und Best Debut sind weg. Der Grund ist der Einsatz generativer KI, der nach Einschätzung der Veranstalter nicht ausreichend offengelegt wurde.
- Eine klare Linie der Veranstalter
- Was Sandfall Interactive eingeräumt hat
- Ein früher Vorfall rückt wieder in den Fokus
- Neue Gewinner, alte Fragen
- Transparenz als neue Währung
Die Entscheidung sorgt nicht nur für Diskussionen über das Spiel selbst, sondern auch über Regeln, Grauzonen und Erwartungen an Transparenz in der Indie-Szene.
Eine klare Linie der Veranstalter
Die Indie Game Awards werden von Six One Indie organisiert, einem Kollektiv, das sich bewusst klare Regeln gesetzt hat. Eine davon ist unmissverständlich. Spiele, die mit generativer KI entwickelt wurden, sind nicht für Nominierungen zugelassen. Laut Creative Director Mike Towndrow bestätigte Sandfall Interactive am Tag der Preisverleihung, dass generative KI während der Entwicklung zum Einsatz kam.
Damit war aus Sicht der Veranstalter die Grundlage für die Nominierung entfallen. Auch wenn die betroffenen Assets längst aus dem Spiel entfernt wurden, greift das Regelwerk rückwirkend. Die Auszeichnungen wurden offiziell aberkannt.
Was Sandfall Interactive eingeräumt hat
Der Auslöser für die Neubewertung war ein wieder aufgegriffener Zeitungsartikel, in dem Sandfall Interactive über den Einsatz neuer Technologien sprach. Später präzisierte das Studio seine Aussagen. Demnach seien keine finalen Inhalte mit generativer KI erstellt worden. Stattdessen habe es sich um kurzzeitig genutzte Platzhalter-Texturen gehandelt, die bereits kurz nach Release ersetzt wurden.
Diese Klarstellung änderte jedoch nichts an der Entscheidung der Indie Game Awards. Maßgeblich war, dass bei der Einreichung erklärt worden sei, keine generative KI genutzt zu haben. Diese Aussage gilt nun als nicht korrekt.
Ein früher Vorfall rückt wieder in den Fokus
Schon kurz nach Veröffentlichung des Spiels hatten Spieler:innen auf auffällige Bildassets hingewiesen. Sandfall reagierte damals schnell und tauschte die betreffenden Texturen aus. Zu diesem Zeitpunkt galt die Sache für viele als erledigt. Mit der jetzigen Entscheidung wird sie neu bewertet, allerdings nicht technisch, sondern formal.
Die Awards betonen dabei ausdrücklich, dass Clair Obscur ein starkes Spiel sei. Die Aberkennung der Preise sei kein Urteil über Qualität, sondern eine Konsequenz aus den eigenen Regeln.
Neue Gewinner, alte Fragen
Die frei gewordenen Auszeichnungen gingen inzwischen an andere Titel. Doch die größere Wirkung liegt woanders. Der Fall zeigt, wie sensibel das Thema generative KI geworden ist. Nicht nur bei Großstudios, sondern gerade im Indie-Bereich, der stark über Werte, Haltung und Vertrauen definiert ist.
Wie viel Experimentieren ist erlaubt. Was muss offengelegt werden. Und ab welchem Punkt zählt ein Tool-Einsatz als Teil der Entwicklung. Diese Fragen werden die Branche weiter begleiten, lange über diesen Einzelfall hinaus.
Transparenz als neue Währung
Clair Obscur: Expedition 33 bleibt spielerisch unverändert. Die Auszeichnungen sind weg, der Diskurs bleibt. Für viele Entwickler:innen dürfte der Fall eine Lehre sein. Nicht unbedingt, keine neuen Tools zu nutzen, sondern sie klar und früh zu benennen.
Denn in einer Szene, die sich über Fairness und Sichtbarkeit definiert, entscheidet Transparenz zunehmend darüber, wie Erfolg gewertet wird. Nicht nur auf der Bühne, sondern weit darüber hinaus.
Veröffentlicht: 30. Dezember 2025 21:56 Uhr