Der Konflikt zwischen Krafton und den drei Unknown-Worlds-Mitgründern zieht sich seit Monaten durch die Branche, und mit dem neuen Pre-Trial-Brief bekommt die Geschichte einen der ungewöhnlichsten Wendepunkte bisher. Das Dokument, eingereicht von Fortis Advisors im Namen von Charlie Cleveland, Ted Gill und Max McGuire, zeichnet ein Bild von zunehmender Eskalation – intern wie juristisch – und rückt eine Frage in den Fokus: Wie weit ist Krafton für das Ziel gegangen, die Earnout-Zahlung zu vermeiden?
- Fünf Tage im Juli und ein abruptes Ende
- Ein „Project X“ und die Suche nach einer Strategie
- Gegenschlag von Krafton
- Ein Fall, der die Branche noch länger begleiten wird
Fünf Tage im Juli und ein abruptes Ende
Die drei Mitgründer waren Anfang Juli ohne Vorwarnung entlassen worden. Kurz darauf folgte ihre Klage: Sie behaupten, Krafton habe nicht nur die Führungsriege ausgetauscht, sondern auch Subnautica 2 bewusst verzögert, um einen Earnout von rund 250 Millionen US-Dollar zu umgehen. Krafton wies die Vorwürfe zurück und reagierte seinerseits mit rechtlichen Schritten – inklusive einer Klage, in der den ehemaligen Führungskräften Dateidiebstahl vorgeworfen wird.
Ein „Project X“ und die Suche nach einer Strategie
Im neuen Brief tauchen interne Slack-Nachrichten auf, in denen von einem „Project X“ die Rede ist – einem Task-Force-Team, das laut Dokument entweder einen „Deal“ mit den Founders erzwingen oder einen kompletten „Take Over“ einleiten sollte. In den Auszügen wird Krafton-CEO Changhan Kim als zunehmend frustriert beschrieben: Das Earnout-Modell sei zu kostspielig, die „Corporate Value“ nach Auszahlung zu niedrig, und die Suche nach einer Alternative sei zur Obsession geworden.
Was das Dokument besonders macht, ist ein Detail, das sich wie aus einer bizarren Nebenstory liest: Kim soll ChatGPT genutzt haben, um Ideen zu sammeln, wie die Earnout-Verpflichtung umgangen werden könnte. Die angebliche Antwort: Es sei „schwierig, die Earn-Out-Zahlung zu canceln“. Dass diese Passage nun vor Gericht landet, wirkt wie ein Moment, der die Spannung zwischen moderner Technologie und altmodischem Unternehmensdruck in ihrer extremsten Form zeigt.
Gegenschlag von Krafton
Krafton selbst reagiert in einem Statement gegenüber Eurogamer mit klaren Gegenanschuldigungen. Statt auf die ChatGPT-Passage einzugehen, betont das Unternehmen, die Kläger lenkten von ihrem eigenen Verhalten ab – etwa einer angeblichen Erinnerung von Cleveland an die anderen Führungskräfte, „alles, was belastbar ist“ aus ihren ChatGPT-Accounts zu löschen. Zudem wirft Krafton ihnen vor, nun auf Jobs zurückzukommen, die sie zuvor nicht machen wollten und auf die sie schon früher verzichtet hätten.
Das Unternehmen bleibt überzeugt, den Prozess zu gewinnen und die interne Transformation fortzuführen, die seit Monaten im Hintergrund läuft – vom AI-First-Umbau bis zu Umstrukturierungen innerhalb der Studios.
Ein Fall, der die Branche noch länger begleiten wird
Der Prozess steht erst am Anfang, und schon jetzt wirkt er wie ein Brennglas auf mehrere Themen gleichzeitig: Earnout-Modelle in Übernahmen, Machtverschiebungen in Studios, AI-Tools im Arbeitsalltag und die Frage, wie transparent interne Entscheidungen sein sollten. Was auch immer das Gericht entscheidet – für Subnautica, für Unknown Worlds und für Krafton wird dieses Urteil noch lange nachhallen.
Veröffentlicht: 24. November 2025 03:26 Uhr