Larian Studios will reden. Nicht in einem kurzen Statement, nicht zwischen den Zeilen eines Interviews, sondern offen und direkt mit der Community. Nach der anhaltenden Diskussion rund um den Einsatz generativer KI in der Entwicklung von Divinity hat das Studio ein Ask Me Anything angekündigt. Ziel ist es, Missverständnisse auszuräumen und Einblick in die eigenen Arbeitsprozesse zu geben.
- „Vieles ging in der Übersetzung verloren“
- Ein AMA statt weiterer Klarstellungen
- Woher die Debatte überhaupt kam
- Deutliche Worte, klare Grenze
- Transparenz als Teil der Studio-DNA
Ausgangspunkt war eine Aussage von CEO Swen Vincke, die in Teilen deutlich härter aufgenommen wurde, als sie gemeint war. Seitdem versucht Larian, die Debatte einzufangen, ohne sich wegzuducken.
„Vieles ging in der Übersetzung verloren“
In einem öffentlichen Post erklärte Vincke, dass die Reaktionen zeigen würden, wie schnell Aussagen aus dem Kontext geraten können. Larians Grundhaltung sei seit jeher klar, sagt er. Alles drehe sich um kreative Freiheit, um Agency für Teams und Spieler:innen. Neue Technologien zu evaluieren sei Teil dieser Verantwortung, nicht ihr Gegenteil.
Gleichzeitig betont er, dass Prozesse ständig überprüft werden. Wenn Tools nicht zur Identität des Studios passen oder ineffizient seien, würden sie angepasst oder verworfen. Genau hier will Larian transparenter werden.
Ein AMA statt weiterer Klarstellungen
Statt weitere Einzelstatements nachzuschieben, hat sich das Studio für einen anderen Weg entschieden. In einem geplanten AMA sollen Vertreter:innen verschiedener Abteilungen Rede und Antwort stehen. Fragen zur Entwicklung von Divinity, zu internen Abläufen und auch zur Rolle von KI sind ausdrücklich erwünscht.
Der Termin soll nach der Feiertagspause bekanntgegeben werden. Das Format wirkt bewusst niedrigschwellig. Kein PR-Event, sondern ein direkter Austausch, der erklären soll, wie Larian arbeitet und wo die Grenzen gezogen werden.
Woher die Debatte überhaupt kam
Auslöser war ein Interview, in dem Vincke erklärte, dass das Studio mit generativer KI experimentiere, etwa zur Ideenfindung, für Präsentationen oder als Platzhalter in frühen Phasen. Diese Aussagen wurden schnell als Hinweis auf einen tieferen Einsatz interpretiert.
In späteren Gesprächen, unter anderem mit IGN, stellte Vincke klar, dass Divinity keinerlei KI-generierte Inhalte enthalten werde. Texte, Dialoge, Performances und finale Art stammten vollständig von Menschen. Auch der Gedanke, Teams durch KI zu ersetzen, sei für Larian keine Option.
Deutliche Worte, klare Grenze
Als die Diskussion weiter eskalierte, wurde Vincke noch deutlicher. In sozialen Netzwerken machte er klar, dass niemand bei Larian durch KI ersetzt werde. Generative Tools würden höchstens genutzt, um Referenzen zu erkunden oder grobe Kompositionen in der allerersten Ideenphase zu skizzieren. Diese Entwürfe würden anschließend vollständig durch originale Konzeptkunst ersetzt.
Der Vergleich, den er zieht, ist simpel. KI-Tools seien für Larian eher mit Google oder Artbooks vergleichbar als mit einer Produktionspipeline. Inspiration, nicht Ausführung.
Transparenz als Teil der Studio-DNA
Dass Larian nun ein AMA ansetzt, passt zur bisherigen Kommunikation des Studios. Schon bei Baldur’s Gate 3 setzte man stark auf Austausch, Feedback und Offenheit. Divinity soll diesen Weg fortführen, auch wenn das Thema diesmal sensibler ist.
Die Debatte um KI in der Spieleentwicklung wird nicht verschwinden. Larians Ansatz wirkt daher weniger defensiv als strategisch. Fragen zulassen, Prozesse erklären, Haltung zeigen.
Ob das reicht, um alle Bedenken auszuräumen, bleibt offen. Klar ist aber: Larian sucht den Dialog, nicht die Funkstille.
Veröffentlicht: 30. Dezember 2025 20:51 Uhr