Ein einzelnes Bild hat gereicht, um eine ziemlich alte Debatte neu zu entfachen. Als CI Games Anfang Januar einen neuen Charakter aus Lords of the Fallen 2 zeigte, dauerte es nicht lange, bis Vergleiche zu Elden Ring Nightreign laut wurden. Genauer gesagt zur Wylder-Klasse. Silberne Rüstung, blaue Stoffelemente, ein gezacktes Schwert – für einige Beobachter:innen war das zu nah dran, andere sprachen direkt von Plagiat.
- Interne Beweise statt PR-Floskeln
- Ähnliche Archetypen, unterschiedliche Details
- Rückenwind für die Fortsetzung
Die Diskussion eskalierte schnell. Kommentare reichten von vorsichtigen Ähnlichkeits-Hinweisen bis hin zu offenen Vorwürfen, hier sei schlicht geklaut worden. Und genau an diesem Punkt schaltete sich CI Games selbst ein.
Interne Beweise statt PR-Floskeln
CEO Marek Tyminski reagierte ungewöhnlich direkt. Statt eines vagen Statements veröffentlichte er einen internen Slack-Post aus dem Studio, datiert auf Juli 2024. Darin zu sehen: ein fertig gerendertes Charaktermodell mit dem internen Namen „HallowedBro“, inklusive Bitte um Feedback aus dem Team.
Der zeitliche Kontext ist entscheidend. Elden Ring Nightreign wurde erst Monate später, im Dezember, erstmals öffentlich gezeigt. Für Tyminski ist damit klar: Das Design kann unmöglich von einem Spiel inspiriert sein, das zu diesem Zeitpunkt noch niemand außerhalb von FromSoftware gesehen hatte.
Ähnliche Archetypen, unterschiedliche Details
Ganz von der Hand zu weisen sind die Parallelen trotzdem nicht. Ein schwer gerüsteter Ritter mit blauen Akzenten ist kein exotisches Konzept, weder im Soulslike-Genre noch im Fantasy-Bereich allgemein. Genau das macht solche Diskussionen so aufgeladen. Die Grenze zwischen Inspiration, Genre-Konvention und vermeintlichem Kopieren ist oft unscharf.
Schaut man genauer hin, unterscheiden sich die Designs jedoch deutlich. Die Rüstung aus Lords of the Fallen 2 setzt auf segmentierte Schulterplatten, eine komplexe Brustpanzerung und einen aggressiven, vollständig geschlossenen Helm mit markanten Finnen. Wylder hingegen wirkt schlanker, reduzierter, mit leichteren Spalieren und einem deutlich anderen Helmprofil. Auch bei den Waffen gilt: gezackte Klingen sind in Lords of the Fallen keine Ausnahme, sondern Teil der ästhetischen Linie der Reihe.
Rückenwind für die Fortsetzung
Unabhängig von der Kontroverse scheint Lords of the Fallen mit seinem Nachfolger langsam Boden gutzumachen. Der erste Teil hatte es nicht leicht, bekam gemischte Kritiken, sorgte aber immerhin für Aufmerksamkeit. Seit der Ankündigung von Lords of the Fallen 2 bei der Gamescom Opening Night Live wächst das Interesse spürbar.
Ein Trailer bei den Game Awards sorgte für positive Reaktionen, vor allem das Zwei-Welten-System und das brutalere Kampfsystem kommen in der Soulslike-Community gut an. Die aktuelle Diskussion dürfte dem Spiel zwar kurzfristig Kopfschmerzen bereiten, langfristig aber kaum schaden.
Denn eines ist klar: CI Games hat die Vorwürfe nicht ausgesessen, sondern aktiv kontextualisiert. Und genau das macht in einer Szene, die sehr genau hinschaut, oft den entscheidenden Unterschied.
Veröffentlicht: 15. Januar 2026 12:35 Uhr