Seit 2007 ist das PLAY – Creative Gaming Festival eine feste Größe in Hamburg und ein Ort, an dem digitale Spiele nicht nur gespielt werden, sondern als Kunstform, Diskursraum und Bildungswerkzeug auftreten. Das Festival versteht sich als weltweit einziges Event, das Medienkunst, gesellschaftlichen Austausch und spielerische Praxis so konsequent miteinander verbindet.
- Take Care – ein Motto mit Rückgrat
- Politik trifft Pixel: Jugendliche im Speeddating
- Analoges Minecraft am Start
- Kunst, Konsens, jugendliches Flair
- Die Creative Gaming Awards – Kunst trifft Jellyfish
- Der PLAY-Spirit am Freitag
- PLAY25 tut, was es predigt
- Es geht weiter
Träger sind die Initiative Creative Gaming e. V. und der jaf – Verein für medienpädagogische Praxis Hamburg e. V. Dazu kommen Partner wie Gamecity Hamburg, die BürgerStiftung Hamburg, der Projektfonds Medien und Bildung Hamburg sowie weitere Bildungs- und Kulturinstitutionen der Stadt.
PLAY ist kein lautes Spektakel und kein Marketing-Feuerwerk, sondern ein Festival mit Mission. Und es brachte in der letzten Woche Farbe in eine regnerische Novemberwoche.
Take Care – ein Motto mit Rückgrat
Das diesjährige Leitmotiv „Take Care“ zog sich quer durch Ausstellung, Workshops und Vorträge: Verantwortung in Game-Design, Fürsorge in Erzählungen, solidarische Rollen in Multiplayer-Games und der große Bogen zu sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit
PLAY fand in diesem Jahr vom 12. bis 15. November statt. Am Freitag, dem 14. November 2025, habe ich das Festival besucht. Das Motto schwang an dem Tag überall mit, ohne jemals aufdringlich zu wirken.
Die Besucherinnen und Besucher wechselten zwischen den beiden nebeneinander liegenden Veranstaltungsorten, an denen man baute, diskutierte, zeichnete, programmierte oder einfach nur staunte.
Im Gespräch mit Matthias Löwenotter, Kurator des Festivals, wurde noch einmal deutlich, was PLAY25 eigentlich ausmacht. Er betonte, dass es sich bewusst nicht um eine Gaming-Messe, sondern um ein Festival für digitale Spielkultur handelt.
Eine Messe präsentiere Produkte, ein Festival hingegen eröffne Räume: Räume zum Experimentieren, zum Hinterfragen, zum Zusammenkommen, zum spielerischen Denken. Genau diese Haltung prägt die Atmosphäre der PLAY und erklärt, warum sich das Event eher nach kulturellem Austausch als nach Branchentreffen anfühlt.
Politik trifft Pixel: Jugendliche im Speeddating
Ein Programmpunkt, der 2025 besonders hervorstach, war das Speeddating zwischen Jugendlichen und Politiker*innen. Die Jugendlichen haben dieses Zusammenkommen selbst organisiert.
Andreas Hedrich, Mitgründer der Initiative Creative Gaming erzählte mir im Gespräch, dass die Jugendlichen sich dabei „sehr gut gemacht haben“ — souverän, neugierig und mit überraschend differenzierten Fragen, die weit über „Was macht ein Politiker eigentlich so?“ hinausgingen.
Gerade für ein Festival, das junge Perspektiven nicht nur duldet, sondern aktiv einbindet, war das ein starkes Signal: PLAY nimmt die nächste Generation ernst. Und diese Generation revanchiert sich mit bemerkenswerter Reife.
Analoges Minecraft am Start
Unter den Installationen fiel mir besonders eine auf, die das Digitale physisch greifbar machte: eine Minecraft-inspirierte Station, an der Besucher*innen mit einem feinen kneteähnlichem Material, das keine Rückstände auf den Fingern hinterließ, eigene Blocklandschaften formten.
Es war ein herrlich schlichtes Konzept mit großer Wirkung. Wer die Würfelwelt sonst nur über Screens erlebt, merkte plötzlich, wie befreiend es ist, die Logik des Spiels haptisch zu durchbrechen. Es war quasi Minecraft, aber ohne Crafting-Menüs und dafür zum Anfassen.
Kunst, Konsens, jugendliches Flair
PLAY25 präsentierte über 40 Werke aus 17 Ländern, dazu fünf Award-Nominierte, Hamburger Indies, Werke lokaler Games-Schulen und eine von Young PLAY kuratierte Sonderausstellung. Dass Jugendliche nicht nur mitarbeiten, sondern eigene Programmpunkte verantworten, prägt das Festival zutiefst.
Die Mischung aus Professionalität und Jugendenergie sorgt dafür, dass PLAY nie elitär wirkt. Offenheit – im Eintrittspreis (null Euro), im Zugang, im Ton – ist hier kein Marketing-Slogan, sondern gelebte Struktur.
Die Creative Gaming Awards – Kunst trifft Jellyfish
2025 gingen die Preise an zwei Arbeiten, die kaum unterschiedlicher sein könnten – und gerade deshalb zeigen, wie weit das Festival den Begriff „Creative Gaming“ fasst. Die Awards markieren jedes Jahr den Moment, in dem sich spielerische Ideen und künstlerische Handschriften verdichten und plötzlich sichtbar wird, wie viel Experimentierfreude in diesem Medium steckt.
Most Creative Game Award:
„Scriptorium: Master of Manuscripts“ von Yaza Games
Der Jurygewinner ist ein Werk, das historische Ästhetik, kreatives Erzählen und ein trockenes, fast schelmisches Humorverständnis verbindet. Scriptorium: Master of Manuscripts setzt dort an, wo andere Games enden würden: bei den feinen Linien, den eigenwilligen Miniaturen und dem visuellen Witz mittelalterlicher Manuskripte.
Spieler*innen illustrieren Seiten, gestalten Motive und übertreten dabei bewusst die Regeln der Buchmalerei.
Die Jury hob hervor, wie ungewöhnlich nahtlos hier handwerkliche Kunst und interaktives Design zusammenfließen – ein Beispiel dafür, wie ein kleines Studio ein altes Medium mit einer klaren, modernen Handschrift auflädt.
Audience Award:
„Aurora Sensoria“ von Lea Schroth
Der Publikumspreis ging an eine Installation, die Besucher*innen wortwörtlich in eine andere Spezies versetzt. „Aurora Sensoria“ lässt die Welt aus der Perspektive einer Qualle erleben – strömend, farbig, hypnotisch.
Doch das schöne Leuchten, das zunächst fast meditativ wirkt, entpuppt sich als Ausdruck von Stress und Überreizung.
Genau dieser Bruch macht die Arbeit so stark: Sie ist poetisch und zugänglich, aber zugleich ein stiller Kommentar über Wahrnehmung, Empfindlichkeit und emotionale Signale. Kein Wunder, dass das Publikum darauf besonders reagierte.

Der PLAY-Spirit am Freitag
Freitage auf Festivals können stressig sein. PLAY25 wirkte jedoch wie das Gegenteil eines überdrehten Convention-Wochenendes. Die hybride Struktur – Ausstellung, offene Formate, Workshops, Studio – sorgte für Bewegung, aber nie für Hektik.
Zwischen den beiden Veranstaltungsorten Urbaneo und New Work lagen nur wenige Schritte; der Wechsel zwischen Diskurs und kreativem Basteln fühlte sich organisch an.
Der offene, sehr zugängliche Charakter macht es leicht, spontan Gespräche zu führen. Die PLAY-Community wirkt wie eine angenehm ungepolsterte Mischung aus Entwicklerinnen, Medienpädagoginnen, Kunstmenschen, Studierenden, Teenagern und Leuten, die einfach vorbeischauen, weil „irgendwas mit Games“ läuft.
PLAY25 tut, was es predigt
Die Stärke des Festivals liegt darin, nicht über Verantwortung zu reden, sondern sie zu bauen. In Workshops, die diskriminierungssensible Gestaltung thematisieren. In Formaten, die globale Herausforderungen spielerisch erfahrbar machen.
In der Entscheidung, das Festival jedes Jahr kostenfrei anzubieten. Und in der Klarheit, dass junge Perspektiven nicht nettes Beiwerk sind, sondern integraler Bestandteil.
Das macht PLAY so rundum positiv: ein Festival, das Fürsorge nicht dekorativ behandelt, sondern praktiziert.
Es geht weiter
Als ich die HafenCity verlassen habe, war ich nicht aufgeladen wie nach einer überfüllten Convention, sondern seltsam ruhig. PLAY25 (12.–15. November 2025) hinterlässt weniger das Gefühl, sich durch ein Programm „gearbeitet“ zu haben. Es bleibt eher die Idee, dass Games tatsächlich Räume öffnen, statt sie zu schließen.
Und das ist vielleicht das Überraschendste: Eine Gaming-Veranstaltung mit dem Motto „Take Care“ schaffte es tatsächlich, dass ich mich am Ende… cared for fühlte. Und die Kids? Um die müssen wir uns keine Sorgen machen.
Ich freue mich jetzt schon auf PLAY26.
Veröffentlicht: 18. November 2025 07:27 Uhr