Bei Pocketpair läuft Recruiting ein bisschen anders als in vielen anderen Studios. Wer sich dort als Game Designer bewirbt, muss nicht nur Lebenslauf und Portfolio einreichen, sondern auch Screenshots der eigenen Steam-Bibliothek. Ohne Steam? Kein Interview.
- Spielzeit als Gesprächsgrundlage
- Ein Studio, das von Spieler:innen gebaut wurde
- Erfolg, Expansion – und Dauerstress
- Der Elefant im Raum bleibt
CEO Takuro Mizobe hat das kürzlich offen erklärt. Bewerber:innen ohne Steam-Spielhistorie scheiden bereits in der ersten Sichtung aus. Nicht aus Elitismus, sondern aus Überzeugung. Pocketpair sucht Entwickler:innen, die Spiele nicht nur machen, sondern sie obsessiv spielen – und zwar dort, wo Indie-Games entstehen, wachsen und scheitern.
Spielzeit als Gesprächsgrundlage
Die Screenshots sind kein Gimmick. Im Bewerbungsgespräch geht es ganz konkret um die meistgespielten Titel in der Bibliothek. Kandidat:innen sollen erklären, wie Mechaniken funktionieren, warum bestimmte Designentscheidungen getroffen wurden und was ein Spiel von anderen im Genre abhebt. Wer nur buzzwords kennt, fliegt auf. Wer wirklich gespielt hat, merkt das sofort.
Konsolen-Spielzeit darf zwar ergänzt werden – PlayStation, Xbox oder Switch sind kein Ausschlusskriterium – aber Steam bleibt der Maßstab. Mizobe sagt klar, dass Pocketpair Kolleg:innen sucht, die Indie-Games kennen, die oft nur auf Steam existieren. Genau dort liegt schließlich auch die DNA des Studios.
Ein Studio, das von Spieler:innen gebaut wurde
Das passt zur Geschichte von Pocketpair. Sowohl Palworld als auch das frühere Craftopia hatten ihre größte Community auf Steam. Der Erfolg kam nicht aus Marketingformeln, sondern aus einem tiefen Verständnis dafür, was Spieler:innen gerade reizt.
Auch Head of Publishing John „Bucky“ Buckley bestätigt das. Als er selbst anfing, wurde er zu Spielen wie Slay the Spire ausgefragt. Nicht, um Wissen abzuprüfen, sondern um Haltung zu verstehen. Pocketpair will keine Designer:innen, die Trends kopieren, sondern Menschen, die spüren, warum ein Spiel funktioniert.
Erfolg, Expansion – und Dauerstress
Palworlds Start war entsprechend explosiv. Innerhalb weniger Tage gingen Millionen Kopien über den digitalen Tresen, die Spielerzahlen schossen durch die Decke. Kurz darauf folgte die Zusammenarbeit mit Sony, um das neue Franchise strategisch auszubauen.
Parallel arbeitet Pocketpair weiter am Universum. Updates, ein Koop-Farming-Spin-off namens Palworld: Palfarm und sogar ein physisches Trading Card Game stehen bereits fest. Stillstand ist dort gerade keine Option.
Der Elefant im Raum bleibt
Trotzdem läuft nicht alles entspannt. Der Rechtsstreit mit Nintendo und The Pokémon Company begleitet das Studio weiter. Patente, Gegenklagen, neue Wendungen – all das passiert parallel zur Entwicklung. Pocketpair arbeitet Richtung Version 1.0, während im Hintergrund weiter juristisch gezerrt wird.
Gerade deshalb wirkt der Recruiting-Ansatz fast logisch. Wer in so einem Umfeld arbeitet, muss Spiele wirklich lieben – nicht nur als Produkt, sondern als Medium. Für Pocketpair beginnt diese Liebe ganz banal mit einer Steam-Bibliothek. Und mit der Fähigkeit, über Spiele zu sprechen, als wären sie Teil der eigenen Biografie.
Veröffentlicht: 26. Januar 2026 04:04 Uhr