Es gibt Spiele, die laufen Gefahr, unterzugehen, weil sie auf dem Papier zu abgedreht klingen. Ein taktisches RPG mit rundenbasierten Kämpfen, aber die Kämpfe sind… Autogefechte? Im New York der 1930er, das komplett in den Himmel verlegt wurde, dank Anti-Gravitations-Technologie namens Aether? Ehrlich, wenn mir das jemand vor ein paar Wochen erzählt hätte, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Auf der gamescom 2025 habe ich Aether & Iron dann aber selbst ausprobiert – und es hat sofort Klick gemacht.
- Willkommen im schwebenden New York
- Mein Hands-on: Story statt Schießerei
- Noir mit Herz – und mit Stimme
- Das Tutorial als Türöffner
- Stilistisch ein Volltreffer
- Entscheidungen mit Gewicht
- Mein Fazit nach der Demo
Willkommen im schwebenden New York
Schon die Prämisse ist irre: Ein alternatives 1930, Art-Deco-Hochhäuser schweben zwischen den Wolken, die Straßen ziehen sich wie Adern durch die Luft. Aether-Technologie hat die Stadt aus dem Boden gerissen und in den Himmel versetzt, aber natürlich hat das nicht alles besser gemacht. Im Gegenteil: Die sozialen Gräben sind tiefer, Schmuggler und Konzerne liefern sich Scharmützel, und irgendwo mittendrin fährt Gia, eine abgebrühte Schmugglerin mit rostiger Karre und verdammt vielen Schulden.

Dieses Setting ist nicht nur eine hübsche Kulisse, es wirkt lebendig. Es fühlt sich an wie ein Mix aus Pulp Comics der 30er, Bioshock Infinite und klassischem Film-Noir. Dreckig und glitzernd zugleich.
Mein Hands-on: Story statt Schießerei
Wichtig vorweg: In meiner Messe-Session habe ich die Kämpfe selbst noch nicht ausprobiert. Theoretisch weiß ich, wie sie funktionieren sollen – rundenbasierte Vehikelkämpfe auf Gitterkarten, wo Geschwindigkeit, Gewicht und Modifikationen deiner Autos zählen. Ich habe mir erklären lassen, dass man seinen Wagen mit allem Möglichen ausstatten kann: Rauchspender, versteckte Fächer, Stahlplatten, Flammenwerfer. Und dass Umgebungen eine Rolle spielen – einstürzende Plattformen, blockierende Fahrzeuge, enge Gassen. Klingt nach einer Mischung aus XCOM und Mad Max, nur eben mit Stil. Aber ausprobieren konnte ich es (noch) nicht.

Was ich dagegen testen durfte, war das Intro, das Tutorial, die ersten Dialoge – und die haben mich schon vollkommen abgeholt.
Noir mit Herz – und mit Stimme
Du steigst in die Rolle von Gia ein, einer Schmugglerin, die sofort diese Aura von „alles schon gesehen“ versprüht. Kein weißes Blatt, sondern jemand mit Vergangenheit. Und sie ist nicht allein. Schon in der Demo habe ich Figuren getroffen, die nicht bloß NPCs sind, sondern Persönlichkeiten. Voll vertont, mit Texten, die sitzen. Man merkt sofort: Hier hat ein Writing-Team mit Erfahrung gearbeitet. Kein Wunder, immerhin haben Leute aus Far Cry und Mass Effect ihre Finger im Spiel.
Die Dialoge sind mal witzig, mal zynisch, manchmal tragisch – und immer so geschrieben, dass man das Gefühl hat, wirklich in einer Geschichte zu sitzen. Entscheidungen sollen weitreichende Folgen haben: Unterstütze ich eine Rebellion? Arbeite ich für die Barone, die die Stadt beherrschen? Oder versuche ich einfach nur, irgendwie zu überleben? Schon jetzt ist klar: Aether & Iron will mehr sein als eine Kampfsimulation. Es will eine Geschichte erzählen.
Das Tutorial als Türöffner
Tutorials sind oft die Schwachstelle von Demos. Zu trocken, zu technisch, zu sehr „Press A to continue“. Nicht hier. Aether & Iron hat sein Tutorial so elegant eingebaut, dass es sich wie ein nahtloser Teil der Story anfühlt. Ich wurde nicht von Pop-ups erschlagen, sondern Schritt für Schritt durch Mechaniken geführt. Alles wirkte organisch – und das User Interface hat einen riesigen Anteil daran.
Das UX Design ist wirklich stark. Clean, übersichtlich, ohne überflüssigen Schnickschnack. Ich musste nie suchen, wo ein Befehl versteckt ist, nie rätseln, was als Nächstes zu tun ist. Es fühlte sich so an, als hätte ich das Spiel schon länger in der Hand – obwohl ich gerade erst eingestiegen war.
Stilistisch ein Volltreffer
Optisch ist Aether & Iron ein Traum für alle, die auf Art Deco und Pulp Comics stehen. Hohe Kontraste, starke Linien, Architektur wie aus einem 30er-Jahre-Filmplakat. Es wirkt nicht wie ein Retro-Gimmick, sondern wie eine Welt, die atmet. Wenn man über die Skyline fährt, sieht man sofort: Hier steckt Recherche, hier steckt Liebe fürs Detail. Und gleichzeitig hat es diese schmutzige Note, die ein Noir-Setting braucht.

Ich habe mehr als einmal einfach innegehalten, um die Umgebung zu betrachten – und das mitten in einer lauten, überfüllten Messehalle. Das allein ist schon ein Zeichen dafür, dass hier etwas Besonderes entsteht.
Entscheidungen mit Gewicht
Ein Element, das ich schon jetzt spannend finde: Deine Figur entwickelt sich nicht nur durch Kämpfe, sondern auch durch Attribute wie Hustle, Smarts und Brass. Das klingt erstmal simpel, bedeutet aber, dass auch Gespräche und Würfelwürfe beeinflusst werden. Willst du dich mit Cleverness aus einer Situation reden? Oder setzt du lieber auf Einschüchterung? Selbst kleine Begegnungen könnten dadurch kippen.
Für mich sind das genau die Systeme, die eine Geschichte tragen. Ich will nicht nur wissen, wie stark mein Auto ist, sondern auch, wie weit ich mit Worten komme.
Mein Fazit nach der Demo
Ich bin ehrlich: Aether & Iron ist für mich eines der spannendsten Spiele der Messe gewesen, obwohl ich die Kämpfe gar nicht selbst gespielt habe. Aber schon das, was ich gesehen habe – die Atmosphäre, die Dialoge, das UX, das Worldbuilding – hat gereicht, um mich neugierig zu machen.
Die Idee, rundenbasierte Autogefechte mit einer Noir-Story zu verbinden, klingt verrückt. Aber nach meiner Session fühlt es sich nicht mehr verrückt an, sondern nach einer dieser Ideen, die so offensichtlich genial sind, dass man sich fragt, warum es das nicht längst gab.
Wenn das fertige Spiel 2025 hält, was es jetzt schon andeutet, dann bekommen wir hier ein Indie-RPG, das wirklich anders ist. Nicht nur, weil es Autos schweben lässt, sondern weil es sich traut, eine Welt zu bauen, die gleichzeitig abgehoben und bodenständig ist.
Ich hab die Kämpfe noch nicht selbst getestet – aber ehrlich? Das macht die Vorfreude nur größer. Denn wenn sie auch nur halb so gut funktionieren wie der Rest, dann könnte Aether & Iron ein echtes Highlight werden.
Veröffentlicht: 3. Oktober 2025 11:23 Uhr