CloverPit
Panik Arcade / Future Friends Games

Review: CloverPit – Let’s Go Gambling!

Ich wusste sofort, dass ich CloverPit spielen muss. Schon der Pitch klang nach Wahnsinn: Balatro trifft Buckshot Roulette, irgendwo zwischen Glücksspiel, Horror und Roguelike. Und die ersten Minuten fühlen sich tatsächlich so an, als hätte jemand eine Albtraumversion eines Spielautomaten in einen psychologischen Käfig gesperrt – samt rostiger Wände, flackerndem Licht und einem Automaten, der dich mehr hasst als liebt.

Inhaltsverzeichnis
  1. Höllenloop mit Hochglanz
  2. Die Sucht nach Synergien
  3. Der Reiz des Chaos
  4. Hölle mit Stil, aber ohne Balance

CloverPit ist ein Spiel über Kontrolle. Oder besser gesagt: über den Mangel daran. Du sitzt in einer verrosteten Zelle, irgendwo in der Hölle, vor dir nur eine Slot Machine und ein ATM. Jedes Mal, wenn du drehst, geht’s um alles. Gewinne, verliere, überlebe – und vor allem: zahl deine Schulden. Das ist der Kern dieser höllischen Spirale. Am Ende jeder Runde musst du deine Schuld begleichen, sonst wirst du wortwörtlich verschlungen.

Höllenloop mit Hochglanz

Was CloverPit sofort kann: Atmosphäre. Diese Mischung aus retro-psychedelischem Style, verzerrtem Sound und diesem Gefühl, dass du in einem Alptraum gelandet bist, in dem Dopamin die einzige Währung ist. Und genau das trifft. Das Spiel versteht, warum „Number go up, brain happy“ so eine universelle Wahrheit ist. Wenn die Kettenreaktionen feuern, wenn die Zahlen plötzlich explodieren, wenn sich alles potenziert – dann ist das pure, chemische Befriedigung.

Der Grundloop ist simpel und genial: Du drehst am Automaten, versuchst mit verschiedenen Charms, Items und Multiplikatoren den Jackpot zu erzwingen, bezahlst deine Schulden und steigst in die nächste Runde. Es ist eine Art Roguelike, nur dass du statt Monster zu besiegen gegen das reine Chaos spielst.

Aber irgendwann, nach ein paar Dutzend Runs, passiert das, was in der Hölle vermutlich Alltag ist: Routine setzt ein. Du merkst, dass du mit den meisten Unlocks nichts anfangen kannst. Dass viele Items einfach nicht gut genug sind, um Strategien zu tragen. Dass du weniger planst, sondern hoffst. CloverPit will dich austricksen, dich verführen – aber irgendwann spürst du, dass du nicht mehr wirklich Einfluss hast.

Die Sucht nach Synergien

Ich hab’s oft mit Balatro verglichen, weil’s sich aufdrängt. Beide leben vom Loop, vom Gefühl, dass du Systeme kombinierst, Schwächen ausgleichst, deinen eigenen Stil findest. Aber genau das gelingt CloverPit nur bedingt. Balatro war ein Kartenspiel, du hattest Agency, du konntest dein Deck manipulieren. CloverPit ist ein Slot – du drehst und hoffst. Und irgendwann merkst du, dass die Regeln einfach nicht für dich gemacht sind.

Die Memory Cards, die als Meta-System eigentlich für Abwechslung sorgen sollen, wirken wie eine verpasste Chance. Fast jede Karte, die ich ausprobiert habe, hat mir mehr geschadet als geholfen. Manche bieten theoretisch spannende Modifikatoren, aber in der Praxis fühlt es sich einfach nicht lohnend an. Ich verstehe, dass das Konzept Herausforderung heißt – aber es ist die falsche Art von Challenge. Nicht klug, nicht fordernd, einfach hinderlich.

Auch bei den Items zeigt sich das gleiche Problem: von über 150 verfügbaren Charms und Power-Ups sind viele kaum relevant. Die richtig guten sind selten, und selbst wenn du sie bekommst, hängt alles davon ab, ob das RNG dich mag. Manchmal fühlt sich ein Run göttlich an – du siehst, wie sich alles verzahnt, alles brennt, alles passt. Aber neun von zehn Runs sind reine Glückssache.

Der Reiz des Chaos

Und trotzdem, ich will’s nicht hassen. Denn in seinen besten Momenten ist CloverPit verdammt gut. Wenn der Automat plötzlich komplett durchdreht, wenn die Combo explodiert, wenn du denkst, du hast den Code geknackt – dann kriegt dich das Spiel. Es hat dieses irre Momentum, dieses Gefühl, dass du in etwas Größerem steckst, das du weder ganz verstehst noch kontrollierst.

Aber je länger du spielst, desto mehr merkst du, wie dünn das Eis ist. Nach einer Weile sind deine Runs zu lang, deine Shop-Re-Rolls zu teuer, deine besten Items zu selten. Du sitzt da, wartest auf den nächsten Funken Glück – und spürst, dass dich das Spiel genau an dem Punkt hat, an dem es dich haben will. Es simuliert nicht nur Glücksspiel, es ist Glücksspiel. Nur dass du diesmal nichts verlierst außer Zeit und Geduld.

Und vielleicht ist genau das die Pointe. CloverPit ist wie ein selbstreflexiver Kommentar über Sucht und Zufall. Nur dass die Meta-Ebene irgendwann aufhört, spannend zu sein, wenn du zum zwanzigsten Mal dieselbe Hölle durchlebst.

Hölle mit Stil, aber ohne Balance

Ich liebe, wie CloverPit aussieht. Ich liebe den Soundtrack, die PS1-Horror-Anmutung, das ganze „Verloren-in-der-Maschine“-Feeling. Aber das alles kann nicht verdecken, dass das Spiel im Balancing kämpft. Es gibt zu viele schlechte Items, zu viele nutzlose Kombinationen, zu viele Momente, in denen du das Gefühl hast, das Spiel sabotiert sich selbst.

Es ist nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Es ist faszinierend. Es ist mutig. Aber es ist unausgeglichen. Und das ist schade, weil genau da das Potenzial liegt: Wenn das Spiel sich trauen würde, dich öfter zu belohnen statt zu bestrafen, wäre es ein Monster von einem Roguelike. So bleibt es ein Spiel, das dich beeindruckt, aber nicht lange hält.

Ich hoffe, die Entwickler patchen da noch nach. Denn alles andere stimmt: das Gefühl, der Look, das Writing, die Energie. Nur das Gameplay braucht noch den letzten, entscheidenden Dreh, um dich wirklich reinzuziehen – und nicht nur dein Dopamin zu melken.


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Author
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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️