Deep Rock Galactic: Survivor Key Art
Funday Games / Ghost Ship Publishing

Review: Deep Rock Galactic: Survivor – Niemals ohne Spitzhacke

Manchmal entstehen die besten Genres zufällig. Vampire Survivors war so ein Fall: ein kleines Spiel, unscheinbar, und plötzlich hatten wir ein neues Wort im Gaming-Vokabular – Survivor-like. Seitdem gab es unzählige Versuche, diese Magie zu wiederholen. Viele nett, ein paar richtig gut. Aber keines davon hat mich so sehr überrascht wie Deep Rock Galactic: Survivor.

Inhaltsverzeichnis
  1. Spitzhacke statt Safe Spot
  2. Missionen mit Biss
  3. Druck bis zum Schluss
  4. Content-Overload? Vielleicht. Aber geil.
  5. Rock and Stone – auch solo

Denn mal ehrlich: Als das Spin-off angekündigt wurde, haben viele gedacht, das wird nix. Ein Koop-Shooter, der plötzlich zum Singleplayer-Autoshooter wird? Klingt nach Cashgrab. Doch was Funday Games hier gebaut hat, ist das Gegenteil. Es ist eines dieser Spiele, die du startest, „nur mal kurz reinschauen“ willst – und plötzlich ist eine Stunde weg, du schwitzt, dein Bildschirm ist voller Gegner und du murmelst „Rock and Stone“ ganz allein in deinem Zimmer.

Spitzhacke statt Safe Spot

Das große Ding an Deep Rock Galactic: Survivor ist das Mining. Ja, du ballerst automatisch, wie man’s kennt. Aber mit der Spitzhacke kannst du dir Wege graben – und genau das verändert alles.

In einem Run habe ich’s bitter gespürt: Ich stehe in einer Höhle, Gold blinkt an der Wand, der Schwarm rückt an. „Nur schnell ein paar Schläge“, denke ich, und haue drauf. Fünf Sekunden später bin ich eingekesselt, habe keine Ausgänge mehr, und die Lebensleiste schmilzt. Da lernst du: Mining ist mehr als Ressourcensammeln, es ist dein Fluchtweg, deine Taktik, deine einzige Chance, nicht zu sterben.

Dieses Gefühl, dass jeder Schlag Konsequenzen hat, gibt dem Spiel eine Dringlichkeit, die andere Survivor-Likes nicht haben. In Vampire Survivors kann man kreiseln, warten, auf Power-Spikes hoffen. In Deep Rock Galactic: Survivor gräbst du. Immer.

Missionen mit Biss

Das zweite große Feature sind die mehrstufigen Missionen. Ein Run besteht aus vier Abschnitten, jeder mit eigenem Mini-Boss. Und am Ende wartet das große Biest. Das pacing ist dadurch deutlich knackiger. Kein 15-Minuten-Warmwerden, sondern direkt Action, direkt Entscheidungen, direkt das Gefühl: Wenn ich hier durchkomme, hab ich mir’s verdient.

Es hat fast was von einer Kampagne – du schließt Etappen ab, wirst stärker, investierst deine Mineralien in Upgrades und fühlst dich, als würdest du wirklich einen Auftrag für die Company erledigen. Das macht süchtig, weil du nicht einfach „überleben“ musst, sondern kleine Siege feierst, bevor die nächste Herausforderung wartet.

Druck bis zum Schluss

Viele Survivor-Likes lassen dich irgendwann zum Gott mutieren: Steh in der Mitte, und die Gegner zerplatzen um dich herum. Klingt cool, ist aber auch das Ende der Spannung. Deep Rock Galactic: Survivor geht den anderen Weg.

Ja, Upgrades sind stark. Ja, Waffen fühlen sich besser an, wenn man sie overclockt. Aber der Druck bleibt. Der Bildschirm wird voller, die Bugs härter, und du musst bis zum Schluss laufen, weichen, graben. Selbst wenn du stark bist, wirst du nie unantastbar. Und genau das sorgt dafür, dass ich jedes Mal aufs Neue gefesselt bin.

Die Biome mischen zusätzlich mit: Lavafelder, die du clever nutzen kannst. Ranken, die wieder nachwachsen. Pilze, die dich über Schwärme katapultieren. Es ist nie nur „der gleiche Run in einer anderen Farbe“. Die Welt spielt mit, und du formst sie mit deiner Spitzhacke.

Content-Overload? Vielleicht. Aber geil.

Mit 1.0 hat das Spiel jetzt einen Umfang, der fast schon einschüchternd wirkt. Kampagne mit zig Sektoren, Daily Runs, Anomaly Dives mit verrückten Modifikatoren, Escort-Missionen, 12 spielbare Klassen, Loot, permanente Upgrades, über 100 Stunden Progression – und ich hab wahrscheinlich trotzdem noch was vergessen.

Ich liebe das, weil es dieses Gefühl gibt: „Egal, wie viel ich schon gezockt hab, da ist noch mehr.“ Aber klar, wer Completionist ist, wird sich hier verlieren. Das ist Grind, das ist Arbeit. Aber es ist auch genau die Sorte Arbeit, bei der man sich denkt: „Okay, noch ein Run. Vielleicht schaffe ich diesmal den nächsten Gate-Level.“

Die neue Escort Duty ist für mich übrigens das Highlight. Da stehst du nicht mehr frei in der Höhle, sondern musst einer Bohrmaschine folgen. Enge Gänge, wenig Ausweichmöglichkeiten, und gleichzeitig das befriedigende Gefühl, wenn das Ding alles zerlegt, was im Weg steht. Klaustrophobisch, stressig, aber unglaublich befriedigend.

Rock and Stone – auch solo

Am Anfang dachte ich: Wie soll Deep Rock Galactic ohne Co-op funktionieren? Kann man wirklich „Rock and Stone“ schreien, wenn niemand zurückruft? Und nach Dutzenden Runs sage ich: Ja, man kann.

Denn Deep Rock Galactic: Survivor fängt genau das ein, was den Vorgänger stark gemacht hat – nur auf eine andere Art. Es ist taktisch, es ist fordernd, es ist dreckig und laut. Aber es ist auch clever, vollgestopft mit Ideen und viel besser, als es irgendein Spin-off sein müsste.

Für mich ist das gerade das beste, was das Genre zu bieten hat. Und wenn ich nach einem langen Run die Spitzhacke weglege, denke ich nur: „Noch einer.“ Denn genau das ist Deep Rock Galactic: Survivor: das Spiel, das dich immer wieder in den Schwarm zurückzieht.

Rock and Stone.

Hinweis zur Transparenz:
Ich habe für diesen Titel einen kostenlosen Review-Key vom Entwickler erhalten – wie es bei vielen meiner Reviews der Fall ist. Das bedeutet: Ich konnte das Spiel vorab spielen, ohne es selbst zu kaufen. Was das nicht bedeutet: dass ich dafür bezahlt wurde oder dass mir jemand vorschreibt, was ich schreiben soll.

Alle Eindrücke, Einschätzungen und Kritikpunkte in diesem Text basieren auf meiner eigenen Spielerfahrung mit der Demo. Ob mir ein Spiel gefällt oder nicht, hängt nicht vom Key ab – sondern davon, ob es mich überzeugt, überrascht oder eben auch enttäuscht.

Ich schreibe Reviews für Leser:innen, nicht für Studios. Und das bleibt auch so.

PS: Meine Meinung gibt’s übrigens auch direkt auf Steam – folgt mir doch auf meinem Curator-Profil. 🥰


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Author
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Linda Güster
Gaming & eSports Expertin
Ich bin Linda – und ich lebe Gaming in allen Farben (RGB natürlich). Für Escapist schreibe ich über alles, was mich packt: Indie-Games, Cozy-Perlen, Simulationen, (J)RPGs, Triple-A-Titel, Idle Games und Clicker, bei denen man „nur kurz“ was anklickt und drei Stunden später immer noch da sitzt. Mein Kalender besteht aus Releases und Event-Dates – Yu-Gi-Oh! Nationals, IEM Cologne, Gamescom – und dazwischen jongliere ich TikTok, mein Steam-Curator-Profil und eine 1.800-Spiele-Steam-Bibliothek, die ich garantiert nie komplett durchspiele. Stardew Valley hat mir 250 Stunden Schlaf geraubt, Dota 2 3.500 Stunden Lebenszeit, und ich würde beides sofort wieder tun. In MMORPGs kann ich stundenlang im Charakter-Designer oder ins Transmoggen versinken, bis jedes Detail sitzt. Kurz gesagt: Ich trage viele Hüte – aber mein Lieblingshut ist ein Gaming-Headset. ♥️