Es gibt Spiele, die tragen ihr Genre wie eine Maske. Noch ein Deckbuilder, noch ein Roguelike, noch ein Versuch, Slay the Spire zu kopieren. Und dann gibt es FLASK. Das neue Projekt von Chop Chop Games wirkt wie aus einer ganz anderen Ecke geschnitzt. Dunkel, grotesk, fordernd – und gleichzeitig so charmant, dass ich mich nach meiner Demo auf der gamescom 2025 sofort gefragt habe: Wie viele Stunden wird mir dieses Spiel in Zukunft klauen?
- Ein Alchemist mit Schulden
- Taktik, die nicht loslässt
- Persönlichkeit im Dunkeln
- Spieler gegen Spieler – ein genialer Twist
- Artstyle: grotesk, aber wunderschön
- Der Sog der Runs
- Mein Fazit nach der Demo
Ein Alchemist mit Schulden
Schon das Setting ist ein Statement. Du spielst nicht den strahlenden Retter, nicht den auserwählten Helden, der die Welt von Goblins befreit. Du spielst einen Alchemisten, der in einer mobilen Turmburg lebt, von Schulden geplagt, und der buchstäblich Goblinblut ernten muss, um seine Raten zu zahlen.

Das ist Kapitalismus pur, und das Spiel macht überhaupt keinen Hehl daraus. Jeder Kampf ist nicht nur Überleben, sondern Geschäft. Jeder Sieg bringt dir Blut – und Blut ist die Währung, mit der du dich ein bisschen länger über Wasser hältst. Ich fand das herrlich zynisch. Man merkt sofort: Hier wird kein Wohlfühl-Deckbuilder gebaut, hier geht’s ums dreckige Geschäft.
Und es fühlt sich verdammt gut an, auf der „bösen Seite“ zu spielen. Kein schlechtes Gewissen, keine Moral. Nur Profit.
Taktik, die nicht loslässt
Mechanisch ist FLASK genau mein Ding. Du startest mit einem Homunkulus, am Ende jedes Runs bist du mit einem Team aus drei unterwegs. Jeder hat eigene Flasks – kleine Alchemie-Items, die ihre Fähigkeiten bestimmen. Über 500 davon soll es geben. Das klingt nach purem Overload, aber schon in der Demo habe ich gemerkt: Die Tiefe ist enorm, aber sie erschlägt nicht.

Und das Beste: Upgrades spürt man sofort. Ich kann es nicht leiden, wenn Spiele behaupten, man sei stärker geworden, und man merkt es im Kampf nicht. Hier ist es anders. Ein neues Flask, eine Mutation, ein Relikt – und schon fühlt sich der nächste Kampf wie eine neue Ebene an.
Das erinnerte mich stark an meine ersten Runs in Monster Train. Da ging es auch darum, dass kleine Entscheidungen am Ende riesige Unterschiede machen. Aber FLASK hat noch diesen ganz eigenen Twist: Es fühlt sich weniger nach „Karten optimieren“ und mehr nach „Team aus Fleisch und Glas erschaffen“ an.
Persönlichkeit im Dunkeln
So düster das Spiel ist, es steckt voller kleiner Momente, die Persönlichkeit versprühen. Mein Highlight: die Tryklopskitty. Ja, richtig gelesen. Inmitten von Alchemie, Goblinblut und grotesken Kreaturen sitzt plötzlich ein winziges Einauge, das einfach unfassbar süß ist. Genau solche Dinge machen für mich den Unterschied.

Denn Hand aufs Herz: Nach Slay the Spire sind Deckbuilder explodiert. Überall entstanden Variationen, viele davon gut, aber auch austauschbar. FLASK schafft es, sofort wiedererkennbar zu sein – durch seinen Stil, durch seine Details, durch diese eine kleine Tryklopskatze, die sich in mein Herz gebohrt hat.
Spieler gegen Spieler – ein genialer Twist
Ein Moment in der Demo hat mich richtig überrascht. Ich kämpfe mich durch die Maps, optimiere mein Team, denke: „Alles läuft nach Plan.“ Und dann, zack – nach der dritten Karte stehe ich plötzlich einem Gegnerteam gegenüber, das von einem anderen Spieler stammt.
Dieser asynchrone Multiplayer hat mich sofort gepackt. Es ist ein bisschen so, als würde man in einem Roguelike plötzlich durch das Fenster in eine fremde Welt schauen. Du siehst Builds, auf die du selbst nie gekommen wärst. Du merkst, wie kreativ andere Spieler:innen sind. Und entweder du bestehst – oder du fliegst raus.
Der Moment, in dem man nach einem Sieg entscheiden darf: Mutierst du einen deiner Homunkuli, oder rekrutierst du den Gegner für dein eigenes Team? Das hat mich sofort süchtig gemacht.
Artstyle: grotesk, aber wunderschön
John Kenn Mortensen, der für Art und Narrative verantwortlich ist, hat hier ein echtes Brett hingelegt. Seine Illustrationen sind schräg, unheimlich, manchmal fast schon abstoßend – und trotzdem wunderschön. Es gibt keine Sekunde, in der man denkt: „Das hab ich schon mal gesehen.“
Das Spiel startet, und es fühlt sich sofort nach FLASK an. Unverwechselbar, einzigartig, ein bisschen wie ein Fiebertraum zwischen mittelalterlicher Alchemie und Horror-Märchen. Ich finde, genau so muss ein Deckbuilder im Jahr 2025 aussehen: mit einer klaren Handschrift, die hängen bleibt.
Der Sog der Runs
Was FLASK für mich gefährlich macht, ist dieser typische Roguelike-Sog. Nach der Demo dachte ich: „Okay, ich hab die Basics verstanden.“ Aber gleichzeitig wusste ich: Ich hab gerade mal an der Oberfläche gekratzt.

Da sind noch Hunderte Flasks, die ich ausprobieren will. Builds, die ich noch nie gesehen habe. Gegner, die ich noch nicht kennengelernt habe. Und genau das ist das Rezept für schlaflose Nächte. Es ist dieses „Nur noch ein Run“-Gefühl, das Spiele wie Slay the Spire oder Balatro so süchtig macht. FLASK reiht sich da ein, aber mit einer eigenen, düsteren Note.
Mein Fazit nach der Demo
FLASK hat mich überrascht, gefordert und begeistert. Es ist nicht der nächste „Slay the Spire-Klon“, sondern ein Spiel mit eigener Identität, eigenem Ton und einem Artstyle, der einen sofort packt. Dazu ein asynchroner Multiplayer, der das Genre aufmischt, und ein Setting, das so zynisch und böse ist, dass es fast schon befreiend wirkt.
Für mich ist es jetzt schon einer der spannendsten Deckbuilder der nächsten Zeit. Nicht, weil es besonders nett ist – sondern weil es hart, fordernd und kompromisslos ist. Und weil es mir gezeigt hat, dass Kapitalismus manchmal Spaß machen darf. Zumindest dann, wenn er in Goblinblut getränkt ist.
Wer jetzt auch Lust hat, sich eine Truppe Homunkuli aufzubauen und Goblinblut zu schnuppern, sollte das Spiel schleunigst auf die Wishlist setzen. Aber Achtung, ich übernehme keine Schuld für schlaflose Nächte, die euch plagen, wenn ihr im Bett liegt und theorycraftet, welche Flasks euch beim nächsten Mal noch weiter bringen!
Veröffentlicht: 3. Oktober 2025 11:22 Uhr