Tower of Fantasy-Entwickler kündigen radikalen Umbau des Gacha-Systems an

Ich verspreche, dass ich das nicht erfunden habe: „Tower of Fantasy“ ist tatsächlich der Name eines Videospiels. Zwar ist es nicht das beliebteste Gacha-Game der Welt, hat aber offensichtlich gut genug abgeschnitten, um bei „Version 5.1“ angekommen zu sein. Außerdem hält es sich deutlich länger als manche andere Live-Service-Titel der letzten Zeit.

Inhaltsverzeichnis
  1. Tower of Fantasy startet “Warped Servers” in China
  2. Es gibt noch mehr: Spielerhandel und saisonale Inhalte
  3. Die Entwickler sehen eine Marktlücke

Tower of Fantasy ist ein wildes Sammelsurium von allem, was Genshin Impact gut gemacht hat, mit Ideen, die direkt daraus entnommen und zum Teil ziemlich schräg umgesetzt wurden. Ich habe das Spiel seit dem Launch nicht mehr angerührt, da ich es damals zu chaotisch fand, um meine Zeit darin zu investieren – aber jetzt gibt’s Mech-Kämpfe? Vielleicht sollte ich doch nochmal reinschauen.

Es handelt sich ebenfalls um ein Gacha-Spiel mit allen dazugehörigen Merkmalen. Dazu gehören zahlreiche einzigartige Charaktere, für die Spieler hunderte von Dollar ausgeben, nur um sie zu erhalten.

Allerdings macht die chinesische Version des Spiels gerade einen massiven Wandel durch. Sämtliche Gacha-Elemente werden herausgenommen und von außen sieht es so aus, als würde man daraus einfach ein MMO machen.

Dabei soll das Hauptspiel weiterhin bestehen bleiben – das neue MMO wird eher parallel laufen.

Tower of Fantasy startet “Warped Servers” in China

In einer ungewöhnlich offenen Ankündigung für ein Videospiel im Jahr 2025 erklärt das Entwicklerstudio Hotta Studio diesen neuen Kurs. Oder, wie es jemand auf Reddit beschrieben hat:

„Tower of Fantasy ist schon eine ganze Weile in der ‚Sch*** drauf, wir machen mal‘-Phase.“

Dieses „Warped Server“-Konzept soll im August starten. Waffen-Gacha und das sogenannte „Matrix-Gacha-System“ werden komplett entfernt. Diese „Matrizen“ sind Gegenstände zur Verbesserung von Waffen – etwas, das man normalerweise als Beute von Gegnern in Action-RPGs findet. In den Worten der Entwickler:

„Keine endlosen Kämpfe mit Zufallssystemen oder Preisschildern mehr.“

Stattdessen werden die Waffen kostenlos verteilt, um den neuen Ansatz zu unterstützen: „Von Anfang an werden sechs mächtige Waffen (einschließlich beliebter Ausrüstungen und Charaktere) frei zur Verfügung stehen.

Weitere Waffen können durch tägliche Logins freigeschaltet werden, nicht durch Käufe. Auch Mode-Items, Premium-Kosmetika und Reittiere werden durch ingame-Events erhältlich sein.“

Hotta Studio fasst es so zusammen:

„Kurz gesagt: Kein roter Kern. Kein Ziehen. Keine Kosten. Einfach nur spielen.“

Ältere Kosmetika sollen zudem als Items in Shops zurückkehren, die man durch Sammeln von Splittern selbst herstellen kann.

Es gibt noch mehr: Spielerhandel und saisonale Inhalte

Jetzt klingt das vielleicht wie eine Verkaufsshow, aber es gibt tatsächlich noch mehr zu berichten. Neben dem Entfernen der „Gelddruckmaschine“ entwickelt sich Tower of Fantasy klar in Richtung MMO. Es wird Spielerhandel geben, einschließlich Handels- und Auktionshäusern – zwei besonders beliebte Features im Genre.

Hotta scheint keine großen Beschränkungen für den Handel setzen zu wollen und sagt, dass das Spiel die „erste echte ‚Side-Hustle‘-Anime-MMO für junge Spieler“ werden soll. Klingt etwas besorgniserregend, wenn man länger darüber nachdenkt. Das Studio spielt sogar mit dem Gedanken an „Gold Farmer“, was darauf hindeutet, dass auch einfache Währungen möglicherweise von Spielern kontrolliert werden könnten. Was ist das hier, EVE Online?

The image used alongside Hotta pushing the game as a side-hustle

Tower of Fantasy orientiert sich außerdem an Spielen wie World of Warcraft, die saisonal laufen. Gear und Levels werden in festgelegten Abständen zurückgesetzt, wodurch Spieler jederzeit einsteigen können. Natürlich kommen saisonale Inhalte hinzu, wie „zeitlich begrenzte Skins, Kosmetika und exklusive Rangtitel“. Ebenfalls neu für jüngere Spieler: Unterstützung beim Aufholen des Levels im Gruppenspiel und höhere Belohnungen, wenn Quests zusammen erledigt werden.

Soziale Aspekte stehen dieses Mal im Mittelpunkt: Es gibt Gildenbasen, Koop-Aktivitäten (z. B. Tanzen, was ich ziemlich lustig finde) sowie „Echtzeit-Kampfverbünde“. Dabei geht es zwar nicht um Kuscheln oder persönliche Gespräche, sondern um gemeinsames Ausführen von „Team Ultimate Skills“, im Grunde Quick-Time-Events.

Die Entwickler sehen eine Marktlücke

Warum also der Wechsel zu einem MMO? Hotta erklärt das mit einer Lücke im Markt für ein „echtes Anime-MMO“.

Das scheint nicht falsch, denn die meisten aktuellen Anime-Spiele sind entweder Fighting Games, Gacha oder merkwürdige Dark-Souls-Klone.

Es gab mal „Blue Protocol“, das Bandai Namco eingestellt hat – jetzt wird es als „Blue Protocol: Star Resonance“ für Mobile und PC von Tencent weiterentwickelt, das einige MMO-Elemente behält, aber etwas kleiner angelegt ist.

Tower of Fantasy war schon immer schräg, jetzt wird es wohl noch schräger – indem es sein Gacha komplett ausplündert.


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Steven Schiebel
iGaming Nerd
Ich bin Journalist mit Herz für Games, Popkultur und alles, was pixelig knallt. Angefangen hat’s mit ’nem Game Boy, geblieben sind Neugier und Controller. Heute schreibe ich über Games wie andere über Politik – weil beides die Welt bewegt. Ob Indie-Perlen, AAA-Blockbuster oder obskure Japan-Exporte: Ich zock, analysier und laber drüber – online, in Magazinen oder Podcasts. Für mich sind Games mehr als nur Zeitvertreib.