Bei Ubisoft ist Schluss mit Weiter-so. Der Publisher hat einen tiefgreifenden „organisational, operational and portfolio reset“ angekündigt – und der fällt deutlich härter aus, als viele erwartet haben. Sechs Spiele werden komplett eingestellt, sieben weitere verschoben. Das Signal ist klar: Ubisoft sortiert aus, priorisiert neu und zieht die Linie deutlich enger.
- Qualität vor Tempo – zumindest auf dem Papier
- Fünf Creative Houses statt eines Ubisoft-Kosmos
- Open World, Live-Service und mehr KI
Besonders bitter für viele Fans ist das Aus eines Projekts, das seit Jahren sinnbildlich für Ubisofts interne Probleme stand: Das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time ist offiziell gecancelt. Neben dem Remake trifft es vier bislang nicht angekündigte Titel, darunter gleich drei neue IPs, sowie ein Mobile-Projekt. Laut Ubisoft hätten diese Spiele die neue interne Qualitätsmesslatte nicht erreicht.
Qualität vor Tempo – zumindest auf dem Papier
Neben den Streichungen verschiebt Ubisoft auch sieben weitere Projekte, deren Namen das Unternehmen bewusst nicht nennt. Ziel sei es, mehr Zeit für Feinschliff einzuplanen und langfristig mehr Wert aus den verbleibenden Produktionen zu holen. Zwischen den Zeilen liest sich das wie ein Eingeständnis, dass zu viele Projekte zu lange in einem problematischen Mittelzustand festgehangen haben.
Der Reset ist dabei nicht losgelöst von den jüngsten Einschnitten zu sehen. Die Schließung von Ubisoft Halifax, Stellenabbau bei RedLynx, Massive Entertainment und Ubisoft Abu Dhabi sowie das bestätigte Aus für Ubisoft Stockholm sind Teil derselben Neuausrichtung. Ubisoft räumt offen ein, dass der AAA-Markt selektiver geworden ist und der Konkurrenzdruck – vor allem im Shooter-Segment – massiv zugenommen hat.
Fünf Creative Houses statt eines Ubisoft-Kosmos
Kern der neuen Struktur ist Ubisofts Aufteilung in fünf sogenannte Creative Houses. Diese sollen kreative und finanzielle Verantwortung näher an die einzelnen Marken bringen und Entscheidungsprozesse beschleunigen. Das prominenteste Beispiel ist Vantage Studios, zuständig für Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six. Dieses Konstrukt hatte bereits im Vorfeld Aufmerksamkeit erregt, nicht zuletzt wegen der milliardenschweren Beteiligung von Tencent.
Geführt wird Vantage von Ubisoft-Mitgründer Christophe Derennes und Charlie Guillemot, dem Sohn von Yves Guillemot. Weitere Creative Houses sollen sich auf Shooter-Marken, Live-Service-Titel, Fantasy- und Narrative-Games sowie Casual- und Family-Games konzentrieren. Einige Projekte, darunter das jüngst übernommene March of Giants, sind noch keinem Haus zugeordnet.
Open World, Live-Service und mehr KI
Inhaltlich setzt Ubisoft weiterhin stark auf Open-World-Abenteuer und Live-Service-Erfahrungen. Neu ist allerdings der deutlich offensivere Umgang mit generativer KI. Das Unternehmen spricht von beschleunigten Investitionen in player-facing Generative AI, eingebettet in eine Strategie aus Spezialisierung, gezielten Investitionen und technologischem Ausbau.
Ob dieser Reset tatsächlich für mehr Fokus und bessere Spiele sorgt oder vor allem Symptome jahrelanger struktureller Probleme kaschiert, wird sich erst zeigen. Klar ist nur: Ubisoft zieht gerade eine der schärfsten Linien seiner jüngeren Geschichte – und nicht alle Marken kommen über diese Linie hinweg.
Veröffentlicht: 24. Januar 2026 20:22 Uhr